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Geschichte der Fotografie : Vieles war viel, viel früher schon mal da

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Welche passt zu wem? Menschen und Kameras unterschiedlichen Alters auf einer Ausstellungswand im Deutschen Museum für Technik und Verkehr in Berlin Bild: Schiffhauer

Welches Jahr sah die erste Sofortbildkamera? Von wann datiert die Erfindung des heute in fast jeder Kamera montierten Zoomobjektivs? Seit welchem Jahr fotografieren wir in Farbe? Die Antworten können verblüffen.

          Schon 1864 geht der „Appareil Dubroni No. 1“ des Franzosen Jules Bourdin als erste Sofortbildkamera in die Geschichte ein. Und 1901 meldet Clile C. Allen aus Chicago die erste richtige „Gummilinse“ zum U.S.-Patent 696 788 an. Autochrome eröffnet schon 1907 - fast - jedermann die Welt der farbigen Lichtbildnerei. Dass es dann 84 Jahre dauerte, bis Edwin Herbert Land mit der Polaroid Modell 95 den ganzen Sofortbild-Prozess in einen Film packte, steht auf einem anderen Blatt. Bourdins Kamera hatte im Innern viel Glas, wohin nacheinander dreizehn unterschiedliche Lösungen zu pipettieren waren, bevor ein fünf mal fünf Zentimeter messendes Bild im Nasskollodium-Verfahren ans Licht kam.

          Von Allens Patent bis zum von Frank G. Back für Voigtländer entwickelten Zoomar 1:2,8/36-82 mm, dem ersten Serien-Zoomobjektiv für Kleinbildfotografie im Jahre 1959, verging auch mehr als ein halbes Jahrhundert. Und die Autochrome-Platten der Gebrüder Lumière und den ersten Drei-Schichten-Farbfilm, den Agfa in Wolfen entwickelte, trennten immer noch rund 30 Jahre.

          Die Geschichte der Fotografie ist voller Überraschungen, seit Joseph Nicéphore Niépce 1816 die ersten Bilder durch Kombination zweier bekannter Dinge herstellte: Er ließ Licht durch die Linse einer Camera obscura nicht auf ein Zeichenpapier fallen, sondern setzte stattdessen in die schwarze Kammer ein Papier ein, das er mit weißem Silberchlorid getränkt hatte. Unter dem Einfluss von Licht verfärbte es sich violett. Grundsätzlich hat sich an diesem Aufbau - Projektion der Welt, Registrierung und Speicherung der Lichtverteilung - bis zur digitalen Gegenwart nichts geändert.

          So monströs waren die Stromspeicher der ersten Elektronenblitzgeräte
          So monströs waren die Stromspeicher der ersten Elektronenblitzgeräte : Bild: Schiffhauer

          Mit „Lichtmalerei“ zu einem ersten Erfolg

          Niépce und vor allem sein Landsmann Louis Daguerre führten die „Lichtmalerei“ zu einem ersten Erfolg. Daguerreotypien entstanden auf einer dünn mit Silber beschichteten Kupferplatte, die vor der Aufnahme 30 Minuten lang durch Joddämpfe lichtempfindlich gemacht wurde. Die Bilder sind Unikate und zeigen das Positiv nur, wenn sie in einem bestimmten Winkel zum Licht gehalten werden. Das war eine Sackgasse. Ungefähr gleichzeitig mit Daguerre nahm der wirtschaftlich nicht so gewitzte Engländer William Henry Fox Talbot seine ersten „Kalotypien“ auf Papier auf, konnte sie fixieren und bald in reproduzierbare Positive wandeln.

          Die frühe Fotografie war etwas für Experten. Sie hatten oft ihre Kamera selbst zu bauen, das lichtempfindliche Material vorzubereiten, den Abstand für die Fokussierung zu messen, die Belichtungszeit nach den Helligkeitsverhältnissen abzuschätzen und schließlich die fertige Aufnahme zu entwickeln sowie zu fixieren. Erst von 1888 an, mit den erfolgreichen Rollfilm-Boxkameras von Kodak, wurde Fotografieren zu einem Massenphänomen. „Jeder kann die Kamera nutzen. Keine Kenntnisse der Fotografie notwendig“, warb eine Anzeige für das 25 Dollar teure Kästchen. Mit ihm wurde zugleich die Entwicklung des Films aus der heimischen Dunkelkammer zum Hersteller verlagert. Andere Unternehmen sollten es Kodak nachtun.

          Die ersten kommerziell erhältlichen Fotoapparate hatten ein Objektiv mit einer Brennweite von 380 Millimeter bei Blende 14. Seine einfache Sammellinse ersetzte Josef Petzval aus Wien 1840 durch ein vierlinsiges Porträtobjektiv mit Lichtstärke 1:3,6. Die von Voigtländer vermarktete Optik verkürzte die Belichtungszeit auf bis zu eine halbe Minute. Doch das Objektiv hatte optische Fehler, bildete nur im Zentrum scharf ab und zeigte Farbsäume. Neue Glassorten und Formen verbesserten das Bild. Paul Rudolph errechnete 1902 das Zeiss Tessar als Standardobjektiv: Der von vielen Abbildungsfehlern freie Vierlinser wurde in den kommenden gut 70 Jahren mehr als 100 Millionen Mal verkauft. Das heute so unentbehrlich praktisch erscheinende Zoomobjektiv fand seine Anwendungen zunächst nur bei Filmkameras.

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