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Veröffentlicht: 13.02.2015, 10:29 Uhr

Gegen die Belanglosigkeit Mein erstes Analogfoto

Die analoge Fotografie kann einen dazu bringen, mehr auf Details zu achten und den entscheidenden Moment zu erkennen. Wie sie zum Erlebnis werden, berichtet eine 15 Jahre alte Schülerin.

von Janine Scholz
© Scholz Momentaufnahmen einer Schülerin

Man erlebt einen Moment, und manchmal scheint er so perfekt zu sein, dass man ihn für immer und ewig einrahmen möchte. Fotos kann man wie Bilder rahmen. Aber nicht jedes Bild ist eine Fotografie. Heute werden die meisten Bilder, vor allem von Jugendlichen, mit dem Smartphone aufgenommen, sind also Daten. Und nur die wenigsten der herumgeposteten Bilder werden ausgedruckt. Dass dabei das ursprüngliche Erlebnis der Fotografie in den Hintergrund tritt, spielt für viele kaum eine Rolle.

Während eines Praktikums im Ressort Technik und Motor habe ich zum ersten Mal überhaupt analog fotografiert. Dabei konnte ich lernen, was eigentlich in einer Kamera geschieht, wenn man ein Foto macht. Vorher bestanden meine Erfahrungen nur in Digitalfotografie mit einer vollautomatischen Spiegelreflexkamera und meinem Smartphone.

Als Erstes bekam ich eine Sofortbildkamera in die Hand gedrückt. Die enthält keinen Film, sondern eine Kassette mit zehn Fotos, die am Rand die Chemikalien für die Entwicklung des Bildes enthalten. Man fotografiert, und die Kamera transportiert das Foto aus einem Schlitz des Gehäuses. Nach und nach entwickelt sich dann das Bild außerhalb der Kamera. Das ganze Verfahren produziert - etwa durch die nicht wiederverwendbare Kassette - unnötig viel Müll und ist dazu noch ziemlich kostspielig.

33023465 © Pardey Vergrößern Einstellungssache: Altix-n

An der Sofortbildkamera gab es keine Möglichkeit, die Entfernung zu einem Objekt genau einzustellen. Nur den Blitz konnte man bei Bedarf aktivieren oder zwischen Nahaufnahme und unendlich mit Symbolen wählen. Es darf nicht vergessen werden, welchen Spaß solch eine Kamera bringen kann: Wie aufregend es ist, auf einen außergewöhnlichen Moment zu warten und zu erleben, dass dieser Moment manchmal erst dann entsteht, wenn das Bild gemacht ist und gerade entwickelt wird.

Parallel zu diesen Erfahrungen habe ich mich noch mit einer Altix-n auf den Weg gemacht. Diese Kleinbildkamera wurde von 1958 bis 1960 in der DDR produziert. Mehr zu ihr findet man unter www.dresdner-kameras.de im Internet. An dieser Kamera muss man alles mit der Hand einstellen: Entfernung zum Objekt, Blende und Verschlusszeit. Die Entfernung musste ich schätzen, außerdem aber habe ich einen Belichtungsmesser benutzt. Der wird entsprechend der Filmempfindlichkeit eingestellt und liefert nach dem Messen einen Lichtwert. Es lassen sich Kombinationen von Blende und Verschlusszeit ablesen, die alle ein korrekt belichtetes Foto ergeben.

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Eine von diesen Kombinationen stellt man an der Kamera und am Objektiv ein. Das hat bei der antiquarischen Kamera keinen Zoom, sondern einen festen Bildwinkel. Bei der Einstellung der Entfernung und der Wahl der Zeit-Blenden-Kombination kommt es darauf an, wo genau die Schärfe des Bildes liegen soll und wie groß der scharf abgebildete Bereich sein soll. Erstaunlich fand ich, dass dieselben optischen Gesetze der Physik für eine analoge Kamera genauso wie für eine Digitalkamera gelten. Alle diese Messungen und Einstellungen nimmt eine moderne Kamera selbsttätig vor, ohne dass man etwas davon bemerkt.

Das analoge Fotografieren klingt nicht nur unglaublich umständlich, es braucht auch viel mehr Zeit und erfordert Übung. Aber genau deshalb kann man sagen, dass man tatsächlich an der Aufnahme mehr als nur knopfdrückend mitgewirkt hat. Auch Konzentration spielt eine große Rolle. Wenn das Bild gemacht ist, kann man es sich nicht sofort noch einmal anschauen, um zu beurteilen, ob nicht besser noch ein zweites oder drittes gemacht werden sollte. Dies ist in meinen Augen aber kein Nachteil.

Die analoge Fotografie kann einen dazu bringen, mehr auf Details zu achten und den entscheidenden Moment zu erkennen. Zu erleben, wie man Motive und Momente zu Erinnerungen verbildlicht, lässt analoge Fotos die Belanglosigkeit verlieren, die viele Smartphonebilder kennzeichnet.

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