13.04.2009 · Ausgesprochen gute Bildqualität, die der gern zur „Legende“ verklärten F30/31 nicht nachsteht: Die Finepix F200EXR ist eine Immer-dabei-Kamera, die einen auf den allermeisten Gebieten ziemlich glücklich machen kann - aber eben nicht auf allen.
Von Hans-Heinrich Pardey„Noch näher am menschlichen Auge“ – so hat Fujifilm ankündigend auf der Photokina für den Sensor „Super CCD EXR“ (wie „extreme“) geworben. Und genau das haben wir uns heftigst in der Finepix F200EXR gewünscht, nicht nur irgendetwas näher dran am Auge – sondern einen optischen Sucher, wie ihn Fuji seinen Kompaktkameras so konsequent verweigert. Einige grellsonnige Tage lang waren wir mit der Kamera, in der dieser neue Supersensor zum ersten Mal eingesetzt wird, draußen unterwegs und haben gelegentlich dabei nichts so sehr vermisst wie einen simplen Durchsichtsucher, weil auf dem Monitor wenig bis nichts im herrlichen Sonnenschein zu sehen war. Im Übrigen aber ist die F200EXR (Listenpreis rund 350 Euro, im Internet von etwa 300 Euro an) eine schmal und glatt in die Tasche schlupfende Immer-dabei-Kamera, die einen auf den allermeisten Gebieten ziemlich glücklich machen kann: mit ausgesprochen guter Bildqualität, die der gern zur „Legende“ verklärten F30/31 nicht nachsteht.
Abzuwarten, bis die Sonne endlich wirklich schien, hatte seinen Grund: Es ergeben sich tagtäglich Gelegenheiten, um bei wenig Licht zu fotografieren, und Aufnahmen mit größtmöglichem Detailreichtum macht man ganz ausgezeichnet bei verhangenem Himmel. Aber wie eine Kamera mit hohen Kontrastumfängen fertig wird, bringt buchstäblich die Sonne an den Tag. Und das Besondere am Super CCD EXR, der weder durch seine zwölf Megapixel noch durch seine Größe von 1/1,6 Zoll aus dem Rahmen fällt, ist eine veränderte Anordnung der Farbfilter, verbunden mit der Möglichkeit, ihn je nach Aufnahmesituation in unterschiedliche Arbeitsweisen umschalten (lassen) zu können.
Unter schlechten Lichtverhältnissen schärfer erscheinende Bildern
Fujifilm spricht von drei verschiedenen Prioritäten: Erstens „Hohe Auflösung“, der HR-Modus nutzt alle zwölf Millionen Pixel des Sensors. Bei „Hohe Lichtempfindlichkeit und geringes Bildrauschen“ (SN-Modus) werden zwei diagonal benachbarte Pixel derselben Farbe zusammengeschaltet. Das dadurch entstehende „Pixel doppelter Größe“ sammelt mehr Licht oder kommt mit weniger Licht aus, ist also empfindlicher, während die Verrauschtheit des Bildes abnimmt, weil das Nutzsignal nicht so stark angehoben werden muss.
Das führt unter schlechten Lichtverhältnissen zu schärfer erscheinenden Bildern, vor allem die bunten Graupel in dunklen Bildzonen sind deutlich reduziert. Schließlich werden für die Priorität „Weiter Dynamikumfang“ (DR-Modus) zwei zusammengeschaltete Pixel derselben Farbe gleichzeitig unterschiedlich lang belichtet: Es entstehen zwei Sechs-Megapixel-Bilder, eins mit hoher Empfindlichkeit „auf die Schatten“, eines mit niedriger Empfindlichkeit „auf die Lichter“ belichtet. Beide werden dann vom Bildprozessor zu einem Bild kombiniert, auf dem die Schatten nicht „abgesoffen“ und die Lichter nicht „ausgefressen“ sind.
Zu den besten Bildergebnissen sind wir durch Bescheidenheit gelangt
Was so hoch fototechnisch klingt, funktioniert erstens ganz ordentlich und, sofern man das wünscht, in der Betriebsart „EXR Auto“ ohne das geringste Nachdenken. Die Kamera bestimmt – trotz der guten Trefferquote mögen wir nicht von „erkennen“ reden – zunächst eine Motivart (Porträt, Landschaft, Nachtlandschaft, Makro, Gegenlichtporträt oder Nachtporträt; weitere Motivprogramme sind in anderer Betriebsart manuell wählbar). Dazu wählt sie eine der drei Sensor-Prioritäten. Das bekommt man beides mitgeteilt, während der permanente Autofokus wie ein Hamsterrad rattert – was beim besten Willen einfach nur irritierend wirkt. Im „einfachen Automatikbetrieb“ bleibt man davon unbelästigt.
Zu den besten Bildergebnissen sind wir durch Bescheidenheit gelangt: In der Betriebsart P, die nicht für Profi, sondern für Programmautomatik steht, wurde die Bildgröße mit sechs Megapixel vorgegeben, die Empfindlichkeit auf Auto 400 (oder Auto 800) eingestellt, was die Kamera in diesen Grenzen selbsttätig wählen lässt; manuell reichen die Möglichkeiten von ISO 100 bis 3200 bei voller Auflösung sowie bis zu ISO 6400 bei 6 und bis ISO 12800 bei 3 Megapixel Bildgröße. Nun noch die DR-Einstellung hochgeschraubt, und gut war’s?
Es schwindelt einem, doch das Kind im Manne jubelt
Fast, denn nun kann man noch entscheiden, ob man die Bildstabilisierung (CCD-Shift und ISO-Erhöhung) haben möchte, ja bitte, ob die (gut funktionierende ) Gesichtserkennung mit und ohne Vorblitz sein soll, muss nicht, und welcher Film gegebenenfalls simuliert werden soll: Das sind für unterschiedliche Farbsättigungen aber vor allem schöne Namen wie Provia oder Velvia, und mancher mag auch Sepia für eine Markenbezeichnung von Fujifilm halten. Das Fujinon-Fünffach-Zoomobjektiv hat Anfangslichtstärken von 1:3,3-5,1 und entspricht Kleinbildbrennweiten von 28 bis 140 Millimeter. Dass in dem 98 × 59 × 23 Millimeter messenden, in Silber und in Schwarz erhältlichen Gehäuse (Gewicht 195 Gramm) ein dreizölliges Display mit 230.000 Bildpunkten und ein HD-Ausgang zum Fotobetrachten auf dem Fernsehgerät wie auch ein Videomodus (640 × 480 und 320 × 240 Pixel mit 30 Bilder je Sekunde, Mono-Ton, kein Zoom) stecken, wird nur im Vorbeigehen erwähnt.
Ganz gern hätten wir stattdessen ein wenig mehr mit der Betriebsart M wie manuelle Einstellung herumgespielt. Aber die ist recht eingeschränkt auf zwei Blendenwerte, beim Einstellen der Belichtungszeit muss man gegenläufig zur Lichtwaage agieren, und überhaupt scheint fürs Herumspielen das übrige reiche Innenleben der Finepix F200EXR viel geeigneter. In der Betriebsanleitung werden auf drei kleingedruckten Seiten mit acht erläuternden Anmerkungen akribisch „die im jeweiligen Aufnahmemodus verfügbaren Optionen aufgelistet“ – es schwindelt einem, doch das Kind im Manne jubelt.