27.07.2004 · Dann braucht man Graustufentinte anstelle von Farbpatronen für den Drucker des Computers
Von Hans-Heinrich PardeyEndzeitstimmung im Online-Fotokatalog: "Wenn gar nichts mehr geht, geht's immer noch einen Schritt zurück. Dies versuchen uns die deutsche Wirtschaft und der deutsche Sozialstaat täglich aufs neue zu beweisen. Das können wir schon lange. Da man in diesen unseren Zeiten kaum noch sicher sein kann, ob es morgen noch Batterien geben wird oder ob wir sie uns leisten können, nachdem die Leica längst versetzt und der Vergrößerer nach dem Umzug ins Einzimmerappartement verschenkt ist, heißt jetzt vom Russen lernen, siegen lernen. Auch wenn ,der Russe' in diesem Fall aus der Ukraine kommt. Für Zeiten ohne Strom und ohne Öl liefern wir nun diese unverwüstliche Kleinbildmeßsucherkamera mit dem guten alten M39-Gewinde und eingebautem batterielosen Selenbelichtungsmesser." So verkauft nur einer überholte Fototechnik, die Mono-C Archivierungs- und Photoprodukte GmbH, bekannter unter dem Namen Monochrom. Und es ist nur typisch für die Kasselaner, wenn in der Liste der Sucherkameras im Internet hinter der "FED 5c (schwarzes Gehäuse mit brauner Ledernachbildung)" für 98 Euro die Preisschraube auf 2800 Euro angezogen wird. Dafür bekommt man ein Gebinde: eine Leica D-Lux und noch eins der letzten Exemplare des Ur-Leica-Nachbaus - nur soviel zum Thema, ob wir uns nach Hartz IV noch Batterien kaufen können.
Der Leica-Doppelpack ist schließlich keineswegs die teuerste Offerte von Monochrom: Wenn wir zu den Mittelformatkameras blättern, sehen wir da das Gehäuse einer Alpa R für gerade mal rund 3500 Euro, und da hat man noch keinen Sucher (Alpa mit Wasserwaage: 1177 Euro) und kein Objektiv (Super-Angulon XL 1:5.6/47 mm Copal rund 2500 Euro). Die drei Megapixel der Leica D-Lux und Oskar Barnacks Fischdose mit Versenkobjektiv zusammen anzubieten ist wie ein Kommentar zu dem, was sich in der Foto-Szene beim Übergang zum Digitalbild vollzieht. Weil Monochrom dabei die Nase im Wind hat, blättert man in den Katalogen nie ohne Gewinn (im Internet www.monochrom.de, Telefon 05 61 / 93 51 90).
Der Ruf "Zurück zu den Wurzeln" und die Rückkehr von Gehäusen ohne Elektronik und Sucherkameras für Objektivantiquitäten, das ist nur eine von mehr oder minder nostalgischen Spielarten, wie zur Zeit künstlerisch ambitioniert dem Hobby Lichtbildnerei gefrönt wird. Man kann die Entschleunigung der guten alten chemischen Fotografie mit großem Format und umständlich einzustellenden Systemkameras entdecken. Man kann sich aber auch in den Knipsrausch der Lomographie klicken - möglichst viele Bilder in kürzester Zeit mit einer möglichst primitiven Kamera aus der Hüfte geschossen. Oder man findet, sozusagen durch eine Spielart der Lomographie, mit Kunststofflinse und Rollfilmformat und womöglich stillgelegtem Verschluß - Anleitung: "Einfach den Draht durchknipsen" - dank der russischen Holga zu einer neuen Bildsprache. Eben endet in der Berliner Niederlassung von Monochrom eine Wettbewerbsausstellung, die Arbeiten mit dem 6 × 6-Primitivling zeigt.
Weniger rückschrittlich ist die Verknüpfung von chemischer Fotografie und Digitaltechnik. Zum Beispiel: Ich fotografiere auf herkömmliches Material mit einer Spitzenoptik am Profigehäuse, und weil mir digitale Mittelformattechnik einfach noch zu teuer ist, digitalisiere ich anschließend, um dann am Computer die Möglichkeiten der Bildbearbeitung durch Software zu nutzen. Wenn nun dieses Daten-Meisterwerk zu Papier gebracht werden soll - nicht nur die Oma wünscht sich einen Abzug für die Handtasche -, kann der Drucker, genauer gesagt: sein Treiber, Schwierigkeiten machen: Farbstiche, ein schwer zu bestimmender Bildton und eine unbefriedigende Maximaldichte lassen bei Verwendung von Farbtinten das Schwarzweiß-Ergebnis des Tintenstrahlers schlechter aussehen, als es seinen Fähigkeiten beispielsweise hinsichtlich Auflösung entspräche. Graustufen-Pigmenttinten wiederum harmonieren nicht mit den Standard-Druckertreibern. Monochrom hat eine Lösung für den Epson 2100, bei der dessen Druckertreiber nicht angepaßt werden muß. Die Dichte der Graustufen-Tinten entspricht der von Farbtinten, es werden auch die Patronen mit Farbtinte ausgetauscht.