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Weniger verkaufte Kameras : Wohin entwickelt sich die Fotografie?

Wo geht’s denn hier zum Ausgang? Ein Besucher des Photography Playground in München erkundet die begehbare Installation „Tape“ auf allen vieren und mit der Kamera. Bild: Pardey

Immer mehr Bilder, aber immer weniger verkaufte Kameras. Das bereitet der Fotoindustrie Sorgen. Wie wehrt sie sich am besten gegen die Konkurrenz der smarten Mobilgeräte?

          Die beiden Nachrichten schlugen fast gleichzeitig auf: Gerade schaffte es der Streaming-Dienst Spotify bis in die Radionachrichten mit der Mitteilung, dass er sich auf dem Wege einer Änderung seiner Nutzungsbedingungen als Datenkrake neu erfinde. Da hatte der in Frankfurt ansässige deutsche Photoindustrie-Verband am schicken Düsseldorfer Hafen einer Handvoll Fachjournalisten bereits erläutert, wie er die Zukunft des „Imaging“ sehe.

          Hans-Heinrich Pardey

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Das klang in einer Erklärung des Vorstandsvorsitzenden Rainer Führes unter der Überschrift „Die Rückkehr der Bilder-Hoheit“ im Auszug so: „Wir gehen davon aus, dass in Zukunft nicht nur die technischen Aufnahmedaten von Bildern, die sogenannten Exif-Dateien, gespeichert werden, sondern dass auf Kommunikationsplattformen wie Facebook, Instagram oder Google relevante Bildinhalte erkannt und analysiert werden können. Dadurch wird es möglich sein, Profile über die Autoren der Bilder zu erstellen, Vorlieben zu identifizieren, Vernetzungen mit anderen Personen zu erkennen und dadurch letztlich Konsum- und Verhaltensmuster zu definieren - ähnlich wie sie Plattformen wie Paypal über das Kaufverhalten der Menschen anlegen.

          Dies bedeutet: Wer die Hoheit über die Bilder - und damit deren Daten - hat, der verfügt über ein enormes Wertschöpfungspotential. Wir sind davon überzeugt, dass die Imagingbranche wesentliche Teile der Bilder-Hoheit zurückerlangen wird, da sie über die notwendigen Ideen, Technologien und Erfahrungen verfügt, um den Konsumenten attraktive Bildservices anzubieten und um die Bilddaten qualifiziert zu analysieren.“ Hallo, willkommen im Club der Datenkraken?

          Weniger Kompaktkameras

          Einige kurze Erläuterungen: Der Photoindustrie-Verband ist ein eingetragener Verein mit etwa fünfzig Mitgliedern. Vertreten sind nicht nur die in dieser Zahl kaum mehr existierende deutsche fotografische Industrie, sondern ebenso die den Markt dominierenden fernöstlichen Hersteller sowie einheimische Zubehöranbieter und Dienstleister.

          Der Photoindustrie-Verband ist Träger der in Köln nächstes Jahr wieder stattfindenden Messe Photokina, die beansprucht, für die ganze Welt die Leitmesse der Branche zu sein, die sich auch auf Deutsch mit dem Begriff Imaging schmückt. Der im Mai gewählte Vorstandsvorsitzende des Photoindustrie-Verbands Rainer Führes ist im Hauptberuf seit Jahresbeginn Geschäftsführer von Canon Deutschland. Canon ist bei Kameras mit Wechselobjektiven seit elf Jahren Marktführer.

          Obwohl noch nie so viele Fotos von so vielen Menschen gemacht und in der Weltgeschichte herumgereicht wurden wie heute, sieht sich vor allem die klassische, die Kameras und Objektive bauende Fotoindustrie sinkenden Zahlen gegenüber. Am gravierendsten ist das bei den Allerweltskameras der Kompaktklasse, aus der sich manche Hersteller bereits so gut wie vollständig zurückgezogen haben: 2010 wurden noch 108 Millionen Kameras ohne Wechseloptik gebaut, 2014 waren es nur noch 29 Millionen, ein Rückgang um 73 Prozent.

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