Home
http://www.faz.net/-gyf-73lgq
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Fotoeffekte Jeder flott sein eigener Illustrator

Digitalfilter in Kameras und zahllose Apps in Smartphones wandeln Fotos zu „Artwork“, nicht zu Kunst. Fest steht: die Erfindung stammt diesmal nicht von Apple. Doch wer kann es besser?

© Pardey Vergrößern Der Olympus OM-D E-M5 kann man beim Aufbau der Aufnahme eines Feuer-Jongleurs zugucken

Nein, im Anfang war nicht das Smartphone. Den Ausbruch - häufig nur vorgeblich - kreativer Lichtbildnerei, den wir momentan mit Foto-Apps und Digitalfiltern in der Kamera erleben, leitete tatsächlich eine grundlegende Eigenschaft der (meisten) Sensoren in Digitalkameras ein: ihre Farbenblindheit.

Hans-Heinrich Pardey Folgen:  

Da sie eigentlich nur Helligkeitswerte erkennen und sich Farben durch vorgeschaltete Mikro-Farbfilter-Raster erschließen müssen, war es ein Leichtes, eine Zusatzfunktion anzubieten: die Aufnahme von „Schwarz-weiß“-Bildern mit und ohne Einfärbung. So war neben dem gänzlichen Verzicht auf Farbe der erste in Digitalkameras auftauchende Fotoeffekt, die als „Antikbilder“ oder „Old Style“ beschönigten Monochrom-Aufnahmen im bräunlichen Sepiaton. (Derlei ließ und lässt sich natürlich auch mit Software zur Bildbearbeitung nachträglich am PC errechnen, aber hier soll es ausschließlich um die in das Aufnahmegerät eingebauten oder wie im Falle von Apps hineinladbaren Effekte gehen.)

Kaum geknipst, schon bei Facebook

Monochrome Bilder bieten heute bereits billigste Kameras und auch eine teure: Bei der Leica Monochrom (Gehäusepreis ohne Objektiv: 6800 Euro) wurde der Bildschärfe zuliebe auf Farbfilter vor den Sensorzellen verzichtet; mit ihr lassen sich nur Graustufenbilder und keine Farbaufnahmen machen.

Zu den auf alt getrimmten Bildern gesellten sich bald überall allgemeine Bearbeitungs- und Verbesserungsfunktionen wie etwa Ausschnittvergrößerungen und die Beseitigung von roten Kaninchenaugen. Dann kamen die Rahmen und Verzierungen - in Asien und Amerika weitaus beliebter als bei uns: Man knipst etwa ein Porträt seines Lieblings, und die Kamera plaziert es in eine rosarote Postkarte mit „Love and Kisses“ oder was der Herzigkeiten mehr sein mögen. Sprechblasen ließen sich betexten, Collagen aus mehreren Bildern zusammenfügen, drehen, kontern, entzerren - zunächst mischte sich das Spielerische noch munter mit dem fraglos Nützlichen wie zum Beispiel der automatischen Kontrasterhöhung bei der Darstellung von Text-Dokumenten.

Mehr zum Thema

Genug der Geschichte, die nur erzählt werden musste, um klipp und klar zu machen: Das Herumspielen an und mit Bildern ist keine Erfindung der iGeneration, und es ist auch kein Geschenk von Apple, dass heute ein Tatsch mit dem Finger Dinge bewirkt, für die der Laborant vor langer, langer Zeit zum Farbkasten griff oder eine Zweitbelichtung machte. Auch der Hinweis, diese Bildmanipulationen seien für den raschen Verbrauch bestimmt, kaum geknipst auch schon zu Facebook oder sonstwohin gepostet und gleich darauf wieder vergessen, greift nicht so recht. Es scheint eher so zu sein, dass sogar manch ambitionierter Hobbyfotograf diesen Spielereien erliegt.

Aber so einer greift natürlich eher nach einer richtigen Kamera: Da wäre eine Pentax nicht schlecht, etwa die kleine spiegellose Pentax Q, oder aber ganz seriös nach Spiegelreflex aussehend, aber ebenfalls spiegellos zum Beispiel die Olympus OM-D E-M5. Die bringt außer sechs Bildmodi wie Vivid, Natural, Muted oder Monotone elf Artfilter mit, die man seit kurzem als App auf dem Handy haben kann. Die Bildmodi sind das, was bei Fuji Filmsimulation heißt: Nahm man anno analog zum Beispiel einen Kodachrome 64 für subtile Hauttöne, kann man bei der E-M5 den Modus „Portrait“ wählen und dann noch einzelne Parameter verstellen.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Leica M Edition 60 Die Zeitreise

Dieser Kamera Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, ist nicht ganz leicht. Die sündhaft teure Leica M Edition 60 versteht man am besten aus der Erfahrung heraus: wie Fotografieren einmal war – und wie es heute sein kann. Mehr Von Hans-Heinrich Pardey

27.10.2014, 10:57 Uhr | Technik-Motor
Messaging-Services - die Zukunft sozialer Netze?

Mit mehr als 500 Millionen Nutzern ist WhatsApp der derzeit der erfolgreichste Messenger-Dienst. Smartphone-User verschicken über solche Apps Texte, Bilder, Videos und Sprachnachrichten. Gerade junge Leute verzichten dadurch vermehrt aufs SMS-Schreiben oder die Kommunikation über Facebook. Mehr

02.09.2014, 10:19 Uhr | Wirtschaft
Apple iPad Air 2 und Mini 3 im Test Viel Tempo und vorsichtiger Fortschritt

Vergangene Woche wurden das iPad Air 2 und Mini 3 vorgestellt. Wir haben Apples neue Tablets bereits ausprobiert. Der Kauf lohnt sich nicht für jeden. Mehr Von Michael Spehr

22.10.2014, 05:59 Uhr | Technik-Motor
Kim Jong-un Neue Fotos von Nordkoreas Machthaber

Das nordkoreanische Fernsehen hat neue Bilder von Machthaber Kim Jong-un veröffentlicht. In Begleitung seiner Frau und hochrangiger Militärvertreter soll er hier zu sehen sein bei der Inspektion eines neuen Restaurants für Soldaten. Wann und wo diese Aufnahmen entstanden, wurde nicht gesagt. Mehr

29.10.2014, 14:23 Uhr | Politik
Gratis-Einfrieren von Eizellen In Empörung vereint

Facebook und Apple unterstützen ihre Mitarbeiterinnen dabei, ihren Kinderwunsch auf später zu verschieben. In Deutschland überwindet die gemeinsame Empörung darüber überraschende Gegensätze. Mehr Von Corinna Budras

24.10.2014, 05:00 Uhr | Beruf-Chance
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 15.10.2012, 16:05 Uhr

Sorge um Sicherheit

Von Michael Spehr

Man soll im Hotel der Zukunft sogar mit seinem Smartphone die Zimmertür öffnen. Da ist die Rede von mehr Sicherheit mit Verschlüsselung und digital signierten Zertifikaten. Mehr

Hinweis
Die Redaktion