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Fernsehgeräte : Was bringt HDR und was braucht man dafür?

  • -Aktualisiert am

Im Film springt der Funke in HDR über Bild: Hersteller

Marketing-Maschinen der Hersteller verkaufen HDR in diesem Jahr als Schlüsselthema. Das tun sie mit derselben Power, die sie vor Jahr und Tag dem Thema Ultra HD widmeten.

          Der Letzte knipst das Licht an: Wenn Mark Watney in seiner Station auf dem Mars im Schein einer Taschenlampe Kartoffeln pflanzt, kommt die Szene einer technischen Herausforderung gleich. Denn der Kontrast zwischen dem gleißenden Schein und der stockfinsteren Weltraum-Nacht ist immens. Wie kommt er nur auf Bildschirme in irdischen Wohnzimmern? Zur Erhellung: Mark Watney ist der fiktive Held des Spielfilms „Der Marsianer“ von Kult-Regisseur Ridley Scott. Von allen Astronauten-Kollegen verlassen, kämpft er auf dem unwirtlichen Planeten ums nackte Überleben. Und dieses Science-Fiction-Werk wiederum zählt zu den ersten Titeln auf der Ultra-HD-fähigen Bluray-Disc, die in diesem Jahr begonnen hat, die Medienwelt zu erobern.

          Scheiben dieses Typs, zu erkennen an schwarzen Hüllen mit dem Aufdruck „4K Ultra HD“, bieten nicht nur feine Ultra-HD-Auflösung mit 8 Millionen Bildpünktchen je Einzelbild, sondern oft auch erweiterten Kontrastumfang, HDR genannt, in Langschrift: „High Dynamic Range“. Ein kleines rechteckiges Etikett mit dem HDR-Kürzel weist meist darauf hin - allerdings nicht immer: Diese Kennzeichnung gehört nicht zu den Bluray-Pflichten. Das ist unverständlich, denn die Marketing-Maschinen der Geräteindustrie verkaufen HDR in diesem Jahr als Schlüsselthema - mit derselben Power, die sie vor Jahr und Tag dem Thema Ultra HD widmeten. Was bringt HDR und was braucht man dafür?

          Der Ultra-HD-Player von Samsung

          Zunächst einen modernen Fernseher, am besten ein Modell, das sich mit dem Gütesiegel „Premium Ultra HD“ schmückt. Denn diese Geräte strahlen hell genug, um den erweiterten Kontrastumfang überhaupt in Szene setzen zu können. Ihre Datenblätter geben dann zum Beispiel Spitzenhelligkeiten von 1000 Candela je Quadratmeter an, kurz Nits genannt. Große Helligkeit allein macht aber noch kein HDR-Bild. Es kommt darauf an, die Informationen der Bildquellen so an den Bildschirm anzupassen, dass dunkle Partien zwar finster wirken, aber dennoch differenziert genug auf der Bildfläche erscheinen, um nicht in einer schwarzen Fläche abzusaufen.

          Und Helles soll nicht überstrahlen, weiße Wölkchen am Himmel sollen ihre subtile Struktur behalten. Dazu brauchen die Bildschirme Anweisungen. Bluray-Filme mit HDR-Kontrast liefern sie in Form von Metadaten nach dem offenen Standard HDR 10. Die Zahl in diesem Kürzel steht für eine Signalverarbeitung mit 10 Bits. Das bedeutet: Die drei Grundfarben eines jeden Bildpunkts lassen sich mit 1024 Helligkeitsabstufungen darstellen; bisher sind 8 Bits, also 256 Abstufungen, das übliche Maß.

          Das Modell für HDR von Panasonic

          Und wie kommen die Metadaten in den Fernseher? Die erste Voraussetzung für den Transfer ist natürlich ein Bluray-Player, der die neuen Scheiben abspielt. Erst zwei Modelle sind bisher auf dem Markt - eins von Samsung, eins von Panasonic. Ein drittes, ebenfalls von Panasonic, kommt demnächst. Um die HDR-Zusatzinformationen entgegennehmen zu können, braucht der Fernseher einen HDMI-Anschluss mit der jüngsten Versionsnummer 2.0a. Dieses Detail erfordert mühsame Recherche in allen verfügbaren Datenblättern: Am TV-Gehäuse gibt es leider keine entsprechende Beschriftung. Nur diese Schnittstelle jedenfalls transportiert die Metadaten, und nur sie ist auch in der Lage, Ultra-HD-Videos mit bis zu 60 Einzelbildern je Sekunde an den Bildschirm weiterzuleiten. Ältere HDMI-Anschlüsse der immer noch weitverbreiteten Version 1.4b übertragen Ultra-HD-Filme zwar ebenfalls, aber nur mit 24 Einzelbildern ohne den neuen Super-Kontrast.

          Doch der Kontrast-Standard HDR 10 ist nicht immer der Weisheit allerletzter Schluss, denn seine Metadaten gelten stets für einen ganzen Film, der aber in unterschiedlichen Szenen ganz unterschiedliche Anpassungen verlangen kann. Dazu bringt Dolby Vision sein System der dynamischen Metadaten ins Spiel. Es kann, anders als HDR 10, den Kontrastumfang Szene für Szene festlegen. Zudem gibt das Dolby-System lückenlose technische Regeln vom Produktionsstudio bis zum Bildschirm im Wohnzimmer vor. Es gibt bereits eine Reihe von Fernsehern, die Dolby Vision unterstützen. Dazu zählen die jüngsten OLED-Geräte von LG und deren Verwandte, etwa das OLED-Modell von Loewe, das mit einem LG-Bildschirm arbeitet. Aber Bluray-Titel mit Dolbys Kontrastprogramm gibt es bisher noch nicht. Immerhin: Die Studios Warner Bros, Sony, MGM und Universal arbeiten daran. Wann passende Player auf den Markt kommen, ist ebenfalls noch offen.

          Schließlich gibt es noch eine dritte HDR-Variante. Sie heißt Hybrid-Log-Gamma (HLG) und stammt aus einer Kooperation der BBC und des japanischen Fernsehens NHK. Satellitenbetreiber wie Astra und Eutelsat liebäugeln bereits damit, weil die HDR-Metainformationen hier im Videosignal stecken, was den Transport vom Studio über die Sendestrecke bis zum Bildschirm vereinfacht. Wird sie ebenfalls auf Bluray Discs landen? Darüber kann man im Moment nur spekulieren. Klar ist aber: Soll HDR zum Erfolg werden, müssen Gerätehersteller und Studios noch ein paar Hausaufgaben erledigen. Denn Spaß macht nur, was mühelos klappt. So sieht es offenbar auch Samsung: Die Koreaner haben ihren neuen Fernsehern einen Modus namens HDR+ verpasst, der allen Bildquellen zu einem Kontrast verhelfen soll, der möglichst gut zum Bildschirm passt. Wir haben es ausprobiert: Die Sache funktioniert nicht mit jedem Material perfekt, liefert aber zumeist höchst sehenswerte Ergebnisse.

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