23.11.2007 · Kompakte Abmessungen und ein leichtes Gewicht sind Tugenden jeglichen Reisezubehörs. Das gilt auch für das fotografische Gerät, solange die Lichtbildnerei nicht oberster Zweck des Aufenthalts in fremden Ländern ist.
Von Peter ThomasWer wandernd Johann Gottfried Seumes Spuren durch Italiens Süden folgt, wird eine Kompaktkamera zur Taschenbuchausgabe des „Spaziergangs nach Syrakus“ in den Wanderrucksack legen. Die vertraute Kleinbild-Spiegelreflex bleibt derweil samt ihrer gewichtigen Wechseloptiken zu Hause. Wir haben in diesem Spätherbst drei kleine, leichte Digitalkameras in die Tornister gepackt: Nikons neue Coolpix P5100, die Caplio GX100 von Ricoh und Panasonics Bridge-Kamera Lumix FZ18EG-S. Auf die Waage bringen die Kompakten 200 (Nikon), 220 (Ricoh) und 360 Gramm (Panasonic). Die drei Fotoapparate vertreten grundverschiedene Philosophien innerhalb der Familie Kompaktkamera: Mit ihrem gewaltigen Leica-Zoom stürmt die Panasonic nachdrücklich gegen die vermeintliche Bastion der Wechselobjektive an. Nikons feiner schwarzer Winzling dagegen besticht durch funktionale Vielfalt auf kleinem Raum und nistet kaum merklich am Schulterriemen des Wanderrucksacks.
Dank des mächtigen Weitwinkels von 19 Millimeter (umgerechnet auf das Kleinbildformat) bietet die Ricoh schließlich eine Antwort auf die Herausforderung, Innenräume kleiner Kirchen und großer Kathedralen am Weg im Bild festzuhalten. Die Kameras sind so unterschiedlich wie die italienischen Reiseberichte von Seume und Goethe. Ähnlich ist immerhin die Auflösung der Sensoren. Sie reicht von 8,3 Millionen Bildpunkten (Panasonic) über derer zehn Millionen (Ricoh) bis 12,1 Megapixel (Nikon). Solche Eckdaten versprechen eine mehr als ausreichende Datenbasis. Und tatsächlich haben wir bei allen drei Modellen Fotos von exzellenter Qualität erhalten - so lange jedenfalls, wie die Empfindlichkeit auf niedriger Stufe geblieben ist.
Die Kompakten haben die besten Chancen
Was die Wandlungsfähigkeit angesichts verschiedener Motive angeht, haben die Kompakten beste Chancen, sich zu bewähren: Am Anfang der Reise stehen vier Tage bildungsbürgerlichen Spaziermarathons durch das antikengesättigte Rom. Hier sind Tele- und Weitwinkelobjektiv im steten Wandel gefordert, um Panoramen ebenso wie kleine Details ins Bild zu bannen. Dann folgen Wanderungen auf Küstenwegen zwischen Sorrento und Amalfi. Das sind zwar keine Touren auf schwindlig schmalen Alpenpfaden. Aber auch die strapazierenden Treppenwege (angelegt für Mensch und Maultier) machen dankbar für eine Kamera, die sich intuitiv mit einer Hand bedienen lässt und nicht für jeden Schnappschuss aus dem Rucksack geholt werden muss. Abstecher in Städte wie Amalfi, Ravello und Sorrento sowie der abschließende Tag auf Capri verlangen schließlich - ebenso wie Rom - nach großem Weitwinkel: Schließlich wollen enge Gassen und majestätische Kirchenräume abgebildet werden.
Zunächst zum Fußmarsch, dem Leitmotiv dieser Tage im milden Licht des italienischen Herbstes. Seume war wohl ein Auslöser für diese Fahrt, aber allzu große literarische Werktreue muss nicht sein. In Neapel ziehen wir daher die Küste entlang zu Land weiter. Den Blick vom Balkon in die Abenddämmerung über Punta Campanella hinaus bis nach Capri meistern die Sensoren als erste Herausforderung: Die Bilder bestechen durch feine Abstufungen der Blau- und Grautöne von Felsen, Wasser und Himmel mit einem glühendroten Band in den Wolken. Versuche zu späterer Stunde an den folgenden Abenden mit den hohen Empfindlichkeitsstufen von ISO 1600 (Ricoh) über ISO 3200 (Nikon) bis zu ISO 6400 (Panasonic im automatischen Hochempfindlichkeitsmodus) bringen wie erwartet keine druckfähigen Ergebnisse, sondern arg rauschende Szenen. Aber der Wanderer ruht ja nach Einbruch der Dunkelheit und lässt den Blick schweifen (mangels lyrischer Wipfel gerne auch über die sanfte Brandung des Tyrrhenischen Meeres).
Die Bewährungsprobe
Während der gegrillte Fisch schon verlockend duftet, bleibt also reichlich Muße für Langzeitaufnahmen. Hier bewähren sich vor allem Ricoh und Panasonic, deren Autofokus sich auch von den spiegelnden Flächen des Meeres nicht aus der Fassung bringen lässt. Am ersten Tag in Wanderschuhen zeigt sich dann die schmale Bauweise der Nikon als große Tugend: Die Coolpix P5100 findet bequem Platz in einer kleinen Kameratasche. Mit ihrem Zoombereich von 35 bis 123 Millimeter bewährt sich die Coolpix bei Landschaftsaufnahmen ebenso wie dem Makrobild einer sonnenbadenden Eidechse.
Ja sogar die diffizile Aufgabe, ein ansprechendes Bild der „grotta azzurra“ auf Capri zu schaffen, meistert die kleine Nikon: Manuell wird die Kamera bei weit offener Blende (1:2,8) auf 1/8 Sekunde eingestellt, damit das blaue Wasser intensiv leuchtet. Von den Aufnahmen mit diesen Parametern ist jene am eindrucksvollsten, deren Hintergrund durch das Blitzlicht aus einem Boot am anderen Ende der Grotte beleuchtet wird. Nach der Reise steht fest: Als vielseitige Wanderkamera ist die Nikon unsere Wahl.
Panasonics Lumix DMC-FZ18 dagegen begeistert uns mit ihrem gewaltigen Zoombereich. Umgerechnet auf das Kleinbildformat spannt sich die Brennweite des Leica DC-Vario-Elmarit von 28 bis über 500 Millimeter. Das klingt auf dem Papier schon beeindruckend. Doch den Atem nimmt die Spannweite dieser Gummilinse ihrem Benutzer erst im Einsatz: Vom Kopf des Ponte Sant' Angelo nahe der Engelsburg aus ist bei weitester Einstellung San Pietro in Vaticano nur als kleine Silhouette am Horizont zu sehen. Mit dem größten Teleformat dagegen füllt allein die Laterne der Kuppel den Sucher aus. Vor allem in den Städten überzeugt die Lumix mit ihrer Variabilität. Beim Wandern aber verlangt ihre Größe, die Kamera im Rucksack zu verstauen. Die Bereitschaftstasche, in der Stadt nicht weiter hinderlich, baumelt gerade auf den Treppenwegen störend vor dem Bauch.
Überzeugende Alternativen
Die Ricoh hingegen findet in einer ähnlichen Tasche Platz wie die Nikon. Das angenehm massive Gehäuse macht die Caplio GX100 zum Handschmeichler. Und die sinnvoll reduzierte Auswahl an Programmfunktionen unterstützt das bewusste Fotografieren mit einem Hauch von Messsucher-Ästhetik. Im römischen Gassengewimmel spielt die Ricoh ihren Vorteil des großen Weitwinkels als Reportagekamera aus. Ihre Paradedisziplin sind aber die Dimensionen gewaltiger Sakralarchitektur.
Um Räume wie das Innere des Petersdoms zu erfassen, braucht es zwar den Weitwinkelvorsatz, der die Brennweite der Caplio RX100 auf 19 Millimeter erweitert. Dieser Vorbau wird aber nicht umständlich angeschraubt, sondern mit einem Bajonettverschluss an das Gehäuse montiert. Das sorgt für präzise und schnelle Wechsel zwischen Standardbetrieb und Ultra-Weitwinkel. Beim Wandern stört lediglich, dass als Alternative zum Monitor ein externer Sucher aufgesteckt werden muss. Als überzeugende Alternativen zu größeren Kameras haben sich letztlich alle drei Apparate erwiesen - mit besonderen Fähigkeiten in verschiedenen Bereichen.