13.08.2009 · Das gute alte UKW dominiert nach wie vor die komplette Radio-Szene. Ist kein fortschrittlicheres System in Sicht, das den Dampf-Hörfunk mit einiger Aussicht auf Erfolg dereinst ablösen könnte? Doch! UKW-Alternativen gibt es schon.
Von Wolfgang TunzeDas Plus grassiert in der Medienwelt: Das Fernsehen will uns mit CI Plus und HD Plus beglücken, im digitalen Hörfunk soll DAB Plus signalisieren, dass es jetzt mit verschärfter Technik in Richtung Zukunft gehe. Das erinnert uns an zwei schwer überhörbare Dinge: Erstens dominiert das gute alte UKW nach wie vor die komplette Radio-Szene. Und zweitens fragen wir uns folglich seit 15 Jahren: Ist denn wirklich irgendein fortschrittlicheres System in Sicht, das den Dampf-Hörfunk mit einiger Aussicht auf Erfolg dereinst ablösen könnte?
DAB jedenfalls, das terrestrisch ausgestrahlte digitale Radio, konnte sich auch nach eineinhalb Dekaden nicht wirklich etablieren. Zwar gibt es, einem eigentümlichen Nord-Süd-Gefälle folgend, vor allem in Bayern ein gut ausgebautes DAB-Netz und ein breites Angebot an Sendern. Aber in anderen Regionen liegt das System seit Jahren in Agonie, in Hessen etwa sind mit Deutschlandfunk und Deutschlandradio Kultur gerade einmal zwei Programme in der Luft. Dennoch keimte immer wieder Hoffnung. Im Dezember 2007 etwa erlaubte die Bundesnetzagentur zunächst in Bayern endlich eine Erhöhung der bis dahin auf 1 Kilowatt begrenzten digitalen Sendeleistung auf immerhin 10 Kilowatt. Damit stiegen die Chancen, die Empfangsqualität nach und nach so zu erhöhen, dass DAB-Genuss sogar im Keller unterbrechungsfrei klappt. Im nächsten Jahr sollen neue Frequenzen, nämlich die Freigabe der VHF-Kanäle 10 und 11, zusätzliche Kapazitäten schaffen. Und damit auch dort die Funkkapazität nie eng wird, bohrten die DAB-Protagonisten ihren Standard mit dem neuen Codierverfahren MPEG 4 AAC HE zum rückwärtskompatiblen DAB Plus auf. Das besagt praktisch: Um dieselbe Klangqualität zu erzielen, sind nach dem moderneren Standard nur noch die halben Datenraten nötig, folglich passen doppelt so viele Sender ins verfügbare Spektrum.
Die Rückschläge folgten auf dem Fuß
Die öffentlich-rechtlichen Sender sahen in der Formel Plus die Chance für einen Neustart des Digital-Funks, Terminziel: Herbst 2010. In ihren Frequenzbedarfs-Anmeldungen vom April dieses Jahres jedenfalls signalisierte die ARD die Unterstützung des neuen Standards. Doch die Rückschläge folgten auf dem Fuß: Die im Verband VPRT vertretenen privaten Radiosender haben Ende Juni einstimmig entschieden, DAB nicht länger zu unterstützen, sich folglich auch nicht an der DAB-Plus-Initiative zu beteiligen. Am 17. Juli setzte die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) noch eins drauf: Die in den Finanzplanungen von 2009 bis 2012 zur Digitalisierung des Hörfunks vorgesehenen Budgets von 30 Millionen Euro für die ARD und weiteren 12 Millionen für Deutschlandradio werden nicht freigegeben, weil die Kommission in den ihr vorliegenden Anträgen keinen Nachweis der Wirtschaftlichkeit erkenne.
Es liegt nahe, darin das endgültige Aus von DAB zu erkennen; allerdings: Gelingt es, der KEF doch noch einen plausiblen Plan für den digitalen Neustart vorzulegen, könnten die Mittel wieder sprudeln. Eigentlich gäbe es viele vernünftige Gründe: DAB ist perfekt auf mobilen Empfang zugeschnitten, tönt sauberer als UKW, erlaubt zusätzliche Datendienste und kann mit seinem Verkehrsfunk-Protokoll TPEG wesentlich differenziertere Navigationsunterstützung übernehmen als das via UKW übertragene TMC - bis hin ins richtige Parkhaus-Geschoss. Folglich zählt der ADAC zu den wenigen verbliebenen Verfechtern von DAB. An den nötigen Endgeräten soll es auch nicht scheitern: Pure, der Spezialist für DAB-Radios schlechthin, präsentiert mit seiner Radio-Schönheit Verona nur die Spitze einer ganzen Modellflotte, die sich bereits auf DAB Plus versteht, einige andere Hersteller steuern ebenfalls schon auf Plus-Kurs.
Prächtige Alternativen via DVB
Digitalradio muss aber nicht unbedingt DAB heißen. Fürs Wohnzimmer gibt es mit dem digitalen Hörfunk via DVB prächtige Alternativen: Schon vor vier Jahren stellte die ARD sämtliche Radiosender in digitale Kanäle der Satellitenflotte Astra; seither melden sie sich mit bis zu 320 Kilobit je Sekunde aus dem Orbit, nach derselben Norm, die auch die digitalen Fernsehprogramme überträgt. Die beispiellose Klangqualität dieser Radio-Variante kann man mit jeder Fernseh-Settop-Box genießen, zur vollen audiophilen Entfaltung aber kommt sie mit dem digitalen HiFi-Tuner Mini Sat von Restek. Das edle Teil kostet knapp 1300 Euro, für Genießer aber ist das gut angelegtes Geld. Neuerdings gibt es diese Radio-Variante in den drei großen deutschen Kabelnetzen, also beinahe flächendeckend, unverschlüsselt und in ebenso hoher Klangqualität wie aus dem All. Restek hat schon reagiert und bietet seinen Empfänger auch als Kabel-Variante an.
Wer auf globale Radio-Vielfalt steht, klinkt sich dagegen besser in ein WLAN-Netz ein und saugt seinen Hörfunk-Bedarf aus dem Internet. Die Gerätehersteller haben für diesen Zweck bereits ein eindrucksvolles Geräteangebot parat, vom Küchenradio im pflegeleichten Plastik-Gewand bis hin zum netzwerkfähigen High-End-Receiver. Im World Wide Web tummeln sich die Radiostationen zu Tausenden, spezielle Internet-Dienste gruppieren sie säuberlich nach Regionen oder Genres. Im Klang macht diese Radio-Variante Fortschritte: Viele Sender übertragen bereits in MP3 mit 128 Kilobit je Sekunde, das tönt schon akzeptabel. Geliebten Radio-Exoten verzeiht man es, wenn sie mit halber Datenrate nuscheln wie weiland die Mittelwelle.
Und was macht der Radio-Freak fernab von WLAN und Ethernet, etwa auf seinem Segeltörn in der Ägäis? Dann stellt er einen Digitalo wie den Porti-Empfänger Himalaya 2009 (200 Euro) in die Kombüse. Es gibt nichts, was dieser schmucklose Apparat nicht kann. Analog empfängt er UKW, Lang-, Mittel- und Kurzwelle. Digital peilt er den HiFi-Funk DAB an, darüber hinaus Stationen, die auf Kurz- und Mittelwellenfrequenzen nach dem Digitalstandard DRM senden. Diese digitale Hörfunk-Norm soll Sendern auf diesen archaischen Wellen klare Töne ohne Pfeifen, Prasseln und Schwund beibringen - über Kontinente hinweg, versteht sich. Als UKW-Nachfolger freilich hat auch das Fernfunk-Talent DRM nicht das rechte Format, und so lautet unser Fazit: Auf UKW folgt weiterhin UKW, soweit unser Prognose-Horizont reicht. Und in der digitalen Radio-Welt werden 100 Blumen blühen - einige haben heute schon einen ganz guten Stand.
nochmals: Armes Deutschland und deine digitale Zukunft ...
Harald HEINZ (willer3)
- 13.08.2009, 14:04 Uhr
Kurzes Leben
Claus Ernst (V_Brevis)
- 13.08.2009, 19:30 Uhr
Achja?
Steve Bell (SteveBell)
- 14.08.2009, 01:49 Uhr
Mein Geld
Jürgen Zwiebel (Konspirant)
- 14.08.2009, 02:33 Uhr
HD TV und DAB wirklich nötig?
Peter Mobber (Bronzino)
- 14.08.2009, 17:05 Uhr