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Digitale Radioempfänger : Aus der Luft gegriffen

  • -Aktualisiert am

Revival Mini von Roberts Radio Bild: Hersteller

Kommt das digitale Radio endlich in Schwung? Das Angebot an Empfängern jedenfalls wächst. Wir haben fünf schmucke Modelle exemplarisch auf Wellenfang geschickt.

          Fragt man die Deutschen, was sie am liebsten tun, dann steht Radio hören stets ganz oben auf der Liste. Die Technik-Debatten um das betagte Medium legen eigentlich andere Schlüsse nahe: Das Internet lockt mit Musikstreaming und anderen medialen Alternativen, das analoge Dampfradio arbeitet mit Übertragungsverfahren von vorgestern, das seit Jahrzehnten designierte Nachfolgesystem DAB+ kam nie so recht aus den Startlöchern. Wirklich nicht? So ganz allmählich sprechen sich die Vorzüge dieses Systems dann doch herum. Und nicht nur das Angebot an Sendern wächst stetig. Je nach Region sind es mittlerweile zwischen 21 und 74 Stationen. Auch das Sortiment an originellen Empfängern hält mit. Wir haben fünf Modelle ausprobiert – Geräte für den mobilen Einsatz und solche, die sich in der Küche, im Schlafzimmer oder auf dem Schreibtisch am wohlsten fühlen. Wie viel Spaß steckt in ihren kompakten Gehäusen?

          Ein Gerät fürs Fahrrad oder den Jogging-Parcours stammt vom englischen DAB-Radio-Spezialisten Pure. Der kleine Apparat mit dem Namen Move 2520 steckt in einem silbernen oder schwarzen Aluminium-Gehäuse und erinnert damit an Frühformen des iPods. Vom Apple-Musikanten haben die Pure-Entwickler noch mehr abgeschaut: Ein Rädchen auf der Gerätefront manövriert durch das Programmangebot. 20 Speicherplätze merken sich die Frequenzen von DAB+- und UKW-Stationen. Als Antenne dient das Anschlusskabel des mitgelieferten In-Ear-Hörers. Der eingebaute Akku, geladen über ein USB-Kabel, hält länger als 10 Stunden durch. Bass und Höhenregler sorgen bei Bedarf für Klangkosmetik. Der Move 2520 empfängt im Großstadt-Einsatz sicher und störungsfrei. Die Ohrhörer zählen nicht zur High-End-Klasse, doch wenn sie richtig sitzen, tönen sie brauchbar und reichen für die ambulante Unterhaltung völlig aus. Der Preis von 130 Euro geht somit in Ordnung.

          PDR 150 BT-B des Herstellers Peaq Bilderstrecke
          PDR 150 BT-B des Herstellers Peaq :

          Deutlich günstiger noch ist das Einsteigermodell von Peaq, einer Marke, die man in den Läden von Mediamarkt und Saturn findet. Es heißt PDR 150 BT-B, kostet gerade einmal 50 Euro, empfängt ebenfalls DAB+ und UKW und kann obendrein noch über Bluetooth den Kontakt zu einem Smartphone aufnehmen, sogar mit Unterstützung des Kurzstreckenfunks NFC, der beim Verbindungsaufbau hilft. Das dunkelgraue Kunststoffgehäuse schmückt den kleinen Kasten, eine orangefarbene Trageschlaufe setzt einen hübschen Farbakzent. Für den ambulanten Einsatz allerdings ist das Gerät schon etwas zu sperrig; auf dem Küchenregal macht es eine bessere Figur. Dort kann es ungehindert seine Teleskopantenne ausfahren. 20 Stationsspeicher zählen hier ebenfalls zur Ausstattung, wer mag, kann einen Kopfhörer anschließen. Und der Klang? Der Küchen-Unterhalter betont mittlere Frequenzen; steht er genau in Ohrhöhe, tönt er ausgeglichener. Wir haben mit dem eingebauten Equalizer zusätzlich nachgeholfen. Allerdings: Für Nachrichten ist der zierliche Knirps gut gerüstet, für höhere Musikgenüsse muss ein anderes Kaliber her.

          An die Kofferradios aus der Röhren-Ära gemahnen die tragbaren Digitalradios der britischen Marke Roberts Radio. Nostalgiker finden hier allerliebste, handgefertigte Kreationen in allen Farben von Schweinchenrosa bis Spinatgrün. Wir haben uns den Typ Revival Mini ausgeguckt, der das 50er-Jahre-Design auf einer Breite von nur 14,5 Zentimetern zelebriert. Gepolstertes Gehäuse mit Kunstlederbezug, metallischer Frontgrill, vergoldete Gelenk-Abdeckungen des Tragegriffs sind einige seiner gestalterischen Merkmale, dazu passen die altmodischen Drehknöpfe auf dem goldfarbenen Oberdeck. Auch dieses Gerät empfängt DAB+ und UKW, hat einen Kopfhöreranschluss und einen Hochpegeleingang für externe Zuspieler. Als Stromquellen dienen ein Steckernetzteil, Batterien oder Akkus. Das kleine Revival schwächelt angesichts seiner Dimensionen leider in den Bässen. Retro-Fans dürften den Preis von 150 Euro trotzdem gern investieren.

          Eine Smartphone-App verwaltet die Netz-Musik

          Eine ganz andere Art des Retro-Designs pflegt Tivoli Audio mit seinem Model One Digital. Das Radio steckt in einem schmucklosen schwarzen, weißen oder nussbaumfarbenen Holzkästchen, grob gewebter Stoff verbirgt den Lautsprecher in der linken Gerätehälfte, rechts dominiert ein großes Steuerrad die Fassade. Es dient zur Navigation durch das Programmangebot, das sich als Klartext im Display zeigt. Allein das Bedienkonzept macht Spaß, aber auch die Ausstattung ist nicht zu verachten. Denn neben DAB+- und UKW-Sendern erschließt das Gerät über die Einbindung ins W-Lan ein ganzes Universum an Internet-Stationen, hinzu kommen die Streaming-Dienste. Eine Smartphone-App verwaltet die Netz-Musik, und wenn es soll, spielt das Mobiltelefon auch noch über Bluetooth mit. Dazu passt der schöne, warme Klang des Kästchens. Sogar die Bässe spielen ganz ordentlich. Da ist der Preis von 300 Euro nicht zu hoch.

          Speziell fürs Schlafzimmer hat Sonoro sein Radio CD2 konzipiert: Ein eingebauter Radiowecker, der über ein zusätzliches Dimmermodul die Beleuchtung steuern kann, gespeicherte Audio-Clips mit Vogelgezwitscher und Meeresbrandung zum Aufwachen, mit Meditationsmusik und Phantasiereisen zum Einschlafen prädestinieren den Apparat für den Ruheraum. Wie der Name schon sagt, gehört auch ein eingebauter CD-Player zur Ausstattung, ein USB-Anschluss spielt weitere Tonkonserven ein, über Bluetooth kommt Musik vom Smartphone hinzu. Die Radiosektion empfängt, unterstützt von einer mitgelieferten Wurfantenne, DAB+ und UKW, eine Fernbedienung ruft bis zu sechs Stationsspeicher ab. Und weil der Klang aus dem eingebauten Bassreflex-Lautsprecher und dem nach oben abstrahlenden Hochtöner richtig erwachsen und kraftvoll anmutet, können wir auch dieses kompakte Musiksystem, Preis um 400 Euro, empfehlen.

          Quelle: F.A.Z.

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