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Digital-Verstärker und Boxen Kleiner Kerl mit großem Klang

07.09.2010 ·  Es herrscht Minimalismus bei Trends Audio. Ein Verstärkerlein von winzigen Abmessungen eignet sich zwar nicht für Exzesse mit Party-Gedröhne. Doch gepaart mit den richtigen Boxen gibt es hochklassigem Klang mit geringem Platzanspruch.

Von Gerold Lingnau
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Kann es ein Verstärker-Winzling von gerade einmal einem Viertelliter Volumen mit HiFi-Boliden des fünfzigfachen Rauminhalts aufnehmen? Er kann es, grundsätzlich, wenn er ein Digitalverstärker ist. Diese Bauart zeichnet sich durch Kompaktheit und hohen Wirkungsgrad, also vorbildliche Energieeffizienz aus, und während ihre analogen Vettern mit reichlich Abwärme den Hörraum heizen und oft auf martialische Kühlrippen-Wälder angewiesen sind, bleiben die digitalen ganz cool. Trotzdem erfreuen sie sich unter High-End-Adepten keines besonders guten Rufs. Ihre eigentliche Domäne sei überall dort, wo es wirklich auf kleine Abmessungen ankommt, doch für eine gern vorgezeigte Anlage im Wohnzimmer wären sie einfach zu unscheinbar, selbst wenn sie klanglich hohen Ansprüchen genügten.

Itok Media Ltd., einen Hersteller im chinesischen Hongkong, hat das nicht angefochten. Er liebt audiophile Kleinigkeiten und vertreibt sie jetzt auch in Deutschland. Und er will beweisen, dass Kompaktes nichts klanglich Schlechtes sein muss. Neuestes Highlight im Programm der jungen, 2006 gegründeten Marke Trends Audio ist der Vollverstärker TA-10.2-SE, ein Kerlchen von geradezu unverschämt geringen Abmessungen (12 × 5,8 × 3,8 Zentimeter), das eine verfeinerte Version des Vorgängers TA-10.1 darstellt. Es ist auch ein bisschen teurer, aber das wird kaum jemanden stören, stieg der Preis doch nur von 199 auf 229 Euro.

Dafür soll es guten Klang geben? Wir waren skeptisch, auch wenn die Philosophie von Trends Audio lautet, dass hochwertige Bauteile - im Mittelpunkt hier ein Verstärkerchip von Tripath aus dem kalifornischen Santa Clara - einen Digitalverstärker schon wettbewerbsfähig zur analogen Konkurrenz machen können. Höheren Verzerrungen, zu denen er bauartbedingt neigen könnte, ist damit vorzubeugen, und auch die Auslagerung des Netzteils, das für die 12-Volt-Stromversorgung sorgt, kann sich nur positiv auswirken.

Vertrauen erweckt der TA-10.2 schon äußerlich mit seinem soliden Aluminiumgehäuse und hochwertigen Buchsen an der Rückseite. Und er gibt sich ganz spartanisch: An der Front allein der Lautstärkeregler (mit einem Qualitäts-Potentiometer von Alps), der eine besser sichtbare Positionsmarkierung haben sollte, und eine im Betrieb blau leuchtende Diode, hinten ein ordentlicher Kippschalter fürs Ein/Aus, nur ein einziger vergoldeter Cinch-Eingang für eine Hochpegelquelle und massive Schraubklemmen für ein Lautsprecherpaar, die auch Bananenstecker aufnehmen. Dass dieser Anschluss-Minimalismus Käufer abschrecken könnte, hat man bei Trends erkannt: Im Herbst wird es für 99 Euro den ank audio A-12 geben, ein immer noch schmächtiges Kästchen von 18 × 4 × 8 Zentimeter, das nicht nur in seiner Funktion als Umschaltstation die Zahl der anzuschließenden Hochpegelquellen von einer auf drei erhöht, sondern auch eine Phonovorstufe enthält, über die man einen Plattenspieler mit Magnet-Tonabnehmersystem (MM) mit dem TA-10.2 verbinden kann. Wer dagegen ein MC-System (Moving Coil) hat, für den hält Trends den gleich großen ank audio A-14 bereit, einen reinen Phonovorverstärker, an dem gleichzeitig je ein Plattenspieler mit MM- und mit MC-System betrieben werden kann.

Ein überraschender Auftritt des Verstärkerleins

Der Zwerg-Amp TA-10.2 kann sich nicht mit hoher Ausgangsleistung brüsten - 2 × 15 Watt an 4 Ohm oder 2 × 10 Watt an 8 Ohm - und hat somit zwei Wünsche: Lautsprecher mit ihrerseits hohem Wirkungsgrad, also geringerer Leistungsanforderung, und keine Exzesse mit Party-Gedröhne. Beherzigt man das, dann genügen 10 oder 15 Watt allemal für Zimmer- und bei Klassik- und Jazz-Fans sogar für Originallautstärke. Doch Qualität ist ja wichtiger als Quantität, und da waren wir vom audiophilen Auftritt des Verstärkerleins wirklich überrascht. Wir hatten ihm die Arbeit allerdings auch erleichtert mit der Wahl passender Lautsprecher, und zwar aus dem Programm der französischen Marke Focal (Bezugsquellen über Sintron-Audio GmbH, 76473 Iffezheim, www.sintron-audio.de).

Dieser bedeutende Hersteller aus St-Étienne nahe Lyon, von Jacques Mahul 1980 als JMLab gegründet und berühmt vor allem für seine großen Modelle wie die teure Utopia-Baureihe, hat natürlich auch Kleineres und Preisgünstigeres im Angebot, so etwa die Serie Chorus 800 V. Hier fanden wir die geeigneten Partner für den Trends-Verstärker: die 807 V (Paarpreis etwa 840 Euro), die mit 45 Zentimeter Höhe gerade noch als Regallautsprecher durchgehen und einen für diese Statur ungewöhnlich hohen Wirkungsgrad von 92 Dezibel aufweisen. Damit und mit ihrer nicht unter 4,3 Ohm sinkenden Impedanz waren sie eine leichte Last für den TA-10.2. Ihr Gehäuse sieht mit seinen sorgfältig folierten Seitenflächen (zwei Holzfarben zur Wahl) samt gebrochenen Vorderkanten, den Front-, Rück- und Oberseiten aus Acrylglas und der V-förmig geknickten abnehmbaren Stoffbespannung ebenso schmuck wie wertvoll aus.

Selbst ein Koloratursopran neigt nicht zur Schärfe

Im Tiefmitteltöner ist ein 18-Zentimeter-Konus aus Polyglas tätig, von 3000 Hertz an kommt ein 25-Millimeter-Aluminium-/Magnesium-Hochtöner in der von Focal entwickelten und gepflegten Invers-Bauart ins Spiel: Die Kalottenmembran ist hier, von außen gesehen, konkav statt wie üblich konvex. In diesem Fall kann die Schwingspule mittig statt am Außenrand ansetzen, die Kraft so besser auf die Membran verteilen sowie leichter und damit reaktionsschneller und energiesparend sein; Verzerrungen werden laut Focal vermindert und die allen Hochtönern eigene Richtwirkung gemildert. Im Bassbereich wird die 807 V von einem Reflexrohr unterstützt; da es an der Frontseite mündet, nehmen die Boxen auch eine wandnahe Aufstellung nicht übel. Solide Klemmen warten am rückseitigen Terminal, aber nur ein Paar davon - Bi-Wiring, also separate Kabelführung für Tiefmittel- und Hochtöner, ist nicht vorgesehen.

Jetzt aber im Detail zum Hörgenuss. Frank Koglin, der Trends-Importeur, empfahl eine längere Einspielzeit, und da auch die Lautsprecher noch unbenutzt waren, gönnten wir ihnen ebenfalls diesen Vorlauf. Aber schon bald machte der Mini-Verstärker klar, was in ihm steckt und was er zusammen mit den Chorus zustande bringt: nämlich eine ausgereifte Darbietung mit Verve und Geschmack. Beeindruckend war vor allem die Tiefenstaffelung innerhalb der insgesamt sehr schönen Räumlichkeit, die das Ensemble aufzubauen wusste. Von hörbaren Verzerrungen a conto der Digitalverstärkung konnte keine Rede sein, solange nicht bis zum Anschlag aufgedreht wurde.

Im Gegenteil: Klare und ungetrübte Musikalität breitete sich aus, bei jeder Art von Material. Klangfarben wurden fein differenziert, Dynamik wurde geliefert, wann immer sie gebraucht wurde, und selbst im Tiefbass ließ sich das Team nicht einschüchtern, er kam rund und gut konturiert aus den kompakten Boxen. Vor allem Vokalmusik ist Focal-Musik: Stimmen haben Schmelz und Beweglichkeit, selbst ein Koloratursopran neigt nicht zur Schärfe. Ob man nun einen CD-Spieler passender Qualitätsklasse - hier wird man schon im Bereich um 600 Euro fündig - oder einen der heute gängigeren Zuspieler vom iPod bis zur PC-Festplatte als Quelle wählt, man hat für weit weniger als 2000 Euro eine Anlage, die geringen Platzanspruch mit hochklassigem Klang verbindet. Und mit dem gesparten Geld kann man öfter mal in ein Live-Konzert gehen.

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