18.09.2008 · Mit seinem Rekorder MGR-A7 mischt jetzt auch Kenwood in der Szene der HiFi-Rekorder mit. Das handliche Gerät hat das Format eines Mobiltelefons und unterschreitet damit die Dimensionen und das Einsatzgewicht der meisten Konkurrenzmodelle deutlich.
Von Wolfgang TunzeNach dem Ableben der mobilen DAT-Rekorder und der aufnahmetüchtigen Mini-Disc-Zwerge hat sich lange Zeit eigentlich niemand mehr so recht um jene Klientel gekümmert, die das akustisch Erlebte gern mal als Konserve verewigt. Dabei liegt der Wunsch durchaus auf der Hand. Schließlich zücken wir ja auch bei jeder Gelegenheit unsere Digitalkameras, um den visuellen Part unserer Freizeit zu dokumentieren. Ganz abgesehen davon, dass es ja auch noch grundseriöse Dinge wie Vorträge, Konferenzen oder Konzerte gibt, die es verdienen, in anständiger Qualität festgehalten zu werden.
Doch seit der Diktiergeräte-Spezialist Olympus mit seinem zierlichen HiFi-Rekorder LS-10 punktgenau in dieser Marktlücke landete, rückt der Spaß an hochkarätigen Tonaufnahmen wieder stärker ins Blickfeld der Hersteller. Ob Marantz, Sony oder Profi-Ausrüster wie Zoom - sie alle liefern neuerdings interessante neue Geräte, die in die Jackentasche passen und die dennoch alles an Bord haben, was man für einen hörenswerten Mitschnitt braucht - einschließlich der nötigen Mikrofone.
Kenwood mischt jetzt mit
Mit seinem nagelneuen Rekorder MGR-A7 (für 330 Euro) mischt jetzt auch Kenwood in dieser Szene mit. Das handliche Gerät hat etwa das Format eines Mobiltelefons, unterschreitet damit die Dimensionen und das Einsatzgewicht der meisten Konkurrenzmodelle deutlich und ähnelt eigentlich eher einem MP3-Player als einer Aufnahmemaschine. Als MP3-Spieler ist der Kenwood-Knirps auch durchaus gedacht. Sein 2 Gigabyte großer, fest eingebauter Speicher reicht immerhin für einen beachtlichen Musikvorrat, und weiterer Nachschub lässt sich über den SD-Kartenschlitz beliebig nachladen. Das zierliche Display sortiert die Musik nach den üblichen Kriterien wie Genre, Interpret oder Album; bunte Darstellungen von Plattencovern verkneift sich der MGR-A7 dann aber doch. Der mitgelieferte Kopfhörer macht seine Sache ganz ordentlich, musiziert ein bisschen mittenbetont, liefert aber, gemessen an den üblichen Fähigkeiten seiner Gattung, recht kräftige Bässe und somit ein insgesamt angenehmes Volumen.
Im Aufnahmemodus beschränkt er sich auf die Formate Wave (mit Abtastfrequenzen bis 48 Kilohertz) und WMA (mit Datenraten zwischen 64 und 128 Kilobit). Andere vergleichbare Rekorder bieten eine größere Auswahl, etwa Abtastraten bis 96 Kilohertz oder auch Aufnahmen im MP3-Format, aber was soll's: Für den Qualitätsbedarf von Normalverbrauchern reichen die Kenwood-Optionen völlig aus. Als Speichermedium für die Eigenproduktionen dienen dieselben Speichermedien, die unterwegs für die Unterhaltung mit vorgefertigten MP3-Konserven sorgen.
Schallaufnehmer mit schmaler Richtcharakteristik
Interessant ist die Mikrofon-Anordnung des Rekorders: Ein Schallaufnehmer mit schmaler Richtcharakteristik sitzt vorn im Gehäuse, zwei weitere, seitlich eingebaute Mikrofone lauschen nach links und nach rechts. Das erlaubt verschiedene Aufnahmevarianten, beispielsweise Mono-Mitschnitte einzelner Sprecher, bei denen nur das Frontalmikrofon zum Zug kommt, oder weiträumige Stereo-Aufnahmen, die von der Links-rechts-Kombination bestritten werden, oder auch Stereo-Varianten unter Beteiligung aller drei Mikrofonkapseln, die einen weiträumigen Eindruck mit einer exakt fokussierten Mitte kombinieren. Wer mag, kann auch noch ein externes Mikrofon an einen kleinen Klinkenanschluss anstöpseln, wahlweise mit 5-Volt-Speisespannung. Und falls akustische Widrigkeiten es erfordern, lassen sich noch diverse Störgeräuschfilter und Aufnahme-Equalizer zuschalten.
Wir haben ungefiltert getestet - und waren von der Aufnahmequalität des zierlichen Apparats richtig begeistert. Der Kenwood definiert die Klangfarben natürlicher als so mancher wesentlich aufwendigere Rekorder, legt dabei ein eher frisches, lebendiges Timbre an den Tag und unterstützt damit auch eine sehr gute Sprachverständlichkeit. Die Kombinationsmöglichkeiten der drei Mikrofonkapseln erwiesen sich als ausgesprochen sinnvoll. Musikaufnahmen überzeugen besonders, wenn alle drei Schallsensoren mitmischen, Naturaufnahmen, die eher die akustische Atmosphäre einfangen sollen, klingen über zwei Mikrofone sehr reizvoll - kurzum: Der kleine Kenwood kann viel mehr, als man ihm ansieht.
Wo ist das Konzept für die Zukunft ...
Harald HEINZ (willer3)
- 18.09.2008, 15:50 Uhr