06.03.2007 · Etliche Unternehmen bleiben dieses Jahr der Cebit fern. Ein Spektakel ist die Messe in Hannover aber noch immer. Vom Laptop mit Außendisplay bis zum Handy mit Navigationssystem: Wir blicken voraus und zeigen, was wirklich wichtig ist.
Von Marion Kamp und Michael SpehrFrüher war die Cebit die Präsentationsplattform für alle Neuheiten der IT-, Telekommunikations- und Unterhaltungsindustrie schlechthin. 2007 ist das anders. Die wichtigsten Innovationen aus der Welt der Computerei zeigte Anfang des Jahres die CES in Las Vegas. Die Leitmesse der Telekommunikation, die 3GSM, endete unlängst in Barcelona. Und die Internationale Funkausstellung in Berlin spielt in Sachen Unterhaltungselektronik die erste Geige.
Was bleibt da für Hannover? Zunächst und vor allem konzentriert sich die Cebit (vom 15. bis zum 21. März) auf Computertechnik. Heimvernetzung und Kommunikation mit Wireless-Lan sind zwar keine neuen Themen, aber hier gibt es einiges zu sehen. Rund um das neue Betriebssystem Vista tun sich etliche Anwendungen auf, Office 2007 wird das erste Mal auf einer Messe vorgestellt, und Notebooks haben künftig ein Außendisplay für E-Mail und andere Ereignisse.
Zwei Displays für ein Notebook
Etwa der Portégé R400, der Ende März für 3000 bis 3500 Euro zu haben sein soll. Das weiße Toshiba-Notebook wurde speziell für Vista entwickelt. Es wirkt auf den ersten Blick schlicht, hat es aber in sich, denn mit seinem schwenkbaren Display lässt es sich im Handumdrehen in einen Tablet-PC verwandeln.
Außerdem bringt es nur 1,72 Kilogramm auf die Waage und eine gute Idee in Form eines zweiten Displays mit: Die auf der OLED-Technik basierende Anzeige sitzt am Gehäuserand, ist äußerst leuchtstark und verweist auf aktuelle Termine sowie neu eingegangene E-Mails - selbst wenn der Portégé geschlossen ist.
Das Tempo wird weiter hochgeschraubt
Die Einwahl ins Mobilfunknetz übernimmt ein UMTS-Modul mit HSDPA (Highspeed Downlink Packet Access), das sich inklusive SIM-Karte und Antenne unsichtbar im Inneren des Laptops versteckt. HSDPA ist der Turbo für UMTS. Der breitbandige Dienst beschleunigt den mobilen Datenabruf derzeit auf bis zu 1,8 Megabit pro Sekunde - eine Geschwindigkeit, wie man sie sonst nur von DSL im Festnetz kennt.
Ob multimediale Inhalte, Software-Programme oder E-Mails mit großen Anhängen - alles lässt sich unterwegs ebenso schnell laden wie zu Hause oder im Büro. Jetzt wird das Tempo weiter hochgeschraubt: Bis zum Sommer will Vodafone alle deutschen Ballungszentren durch HSDPA mit bis zu 3,6 MBit/s versorgen. Nach der Cebit wollen die Düsseldorfer das Netz dann schrittweise auf bis zu 7,2 MBit/s ausbauen.
Immer mehr Hersteller unterstützen diesen Datenturbo. Etwa Fujitsu Siemens. Als besonderes Schmankerl packt der Anbieter in sein neues Lifebook P7230 (für 2000 bis 2500 Euro) zusätzlich eine Kamera - mobilen Videokonferenzen steht damit nichts mehr im Weg. Samsung baut das High-Speed-Modul in seinen 760 Gramm leichten Taschen-PC Q1 ein. Das Ergebnis nennt sich Q1b, hat eine 60 Gigabyte große Festplatte und ist bei Bedarf mit einem externen DVD-Laufwerk zu haben. Auch ein vollwertiges Navigationssystem ist an Bord.
GPS-Empfänger bald in allen Kleingeräten
Navigation ist ohnehin eines der großen Cebit-Themen. Über kurz oder lang werden alle elektronischen Kleingeräte einen GPS-Empfänger eingebaut haben. Die Blackberrys rüsten derzeit damit auf, T-Mobile und Vodafone zeigen das Modell 8800, hier gibt es etwa bei Vodafone eine Offboard-Navigation zu sehen, die Kartenmaterial und Route flink über das Mobilfunknetz holt.
Die Düsseldorfer haben zudem den VPA Compact GPS im Messegepäck. Mit ihm kann man neben der Offboard-Navi auch eine klassische Navi-Lösung von Tomtom starten. Überhaupt ist dieser kompakte Pocket PC ein Kommunikationstalent ohnegleichen: UMTS und Wireless-Lan sind an Bord, natürlich auch Bluetooth und eine 2-Megapixel-Kamera.
Wer meint, dass dieses Gerät wirklich alles bringt, irrt jedoch. Denn T-Mobiles Ameo, den wir hier bereits am 11. Februar vorgestellt haben, bietet noch ein bisschen mehr: HSDPA, GPS, eine 3-Megapixel-Kamera, Windows Mobile 5, eine 8 Gigabyte große Festplatte und eine abnehmbare Tastatur.
Musiktitel mit der Stimme wählen
Von Microsoft ist übrigens das neue Betriebssystem Mobile 6 für die kleinen Pocket PCs bei etlichen Ausstellern zu sehen, und Peiker zeigt fürs Auto Bluetouch-Music, eine Freisprechanlage mit besonders guter Akustik, die zugleich als Musikstation arbeitet. Dabei werden die Lieblingsstücke auf die Lautsprecher des Fahrzeugs übertragen.
Hier lässt sich nicht nur ein iPod, sondern auch jeder handelsübliche MP3-Spieler mit Klinkenstecker anschließen. Der Clou dabei: Sämtliche Menüpunkte sind auf dem berührungsempfindlichen Display abgebildet und mit einem Fingerdruck aufzurufen. Musikstücke lassen sich auch von USB-Medien oder Secure-Digital-Karten abspielen, und es gibt als i-Tüpfelchen eine sprecherunabhängige Sprachsteuerung, sogar zur Bedienung des iPod.
LCD-TV-Geräte für die heimischen vier Wände
Und dann die bunte Welt der Unterhaltungselektronik. Flachbildschirme werden günstiger. Ein gutes Beispiel hierfür liefert Toshiba. Seine neuen LCD-TV-Geräte der C3000-Serie sind bereits ab 1000 Euro (32 Zoll) zu haben und dennoch gut ausgestattet. Sie haben ein hohes Kontrastverhältnis (4000:1 oder 5000:1), einen High- end-Bildprozessor sowie Lautsprecher von Onkyo. Ferner übertragen sie Film- und Fernsehinhalte in hochauflösender Qualität (High Definition).
Diese HD-Bilder kommen auf besonders großen Displays am besten zur Geltung. Sharp zeigt ein 108 Zoll großes LC-Display. Zugegeben, das ist nichts fürs Wohnzimmer, aber wer in seinen heimischen vier Wänden echtes Heimkino erleben will, darf sich im Mai auf ein 46 und ein 52 Zoll großes LCD-TV-Gerät der Japaner freuen. Mit Full-HD-Auflösung (1920 × 1080 Pixel), 100- Hertz-Technik, einer kurzen Reaktionszeit von vier Millisekunden und hohem Kontrast versprechen die Aquos-Modelle äußerst scharfe Bilder. Praktisch: In beiden Geräten sind je vier TV-Tuner sowie eine Festplatte (160 Gigabyte) für Aufzeichnungen eingebaut. Mit Preisen von 4200 und 5200 Euro zählen sie allerdings nicht zu den Schnäppchen.
Kleinkrieg zwischen Blu-Ray und HD-DVD
Während das Angebot HD-fähiger Fernsehgeräte rasant wächst, sind hochauflösende Filme bislang eine Seltenheit. Ein Grund dafür ist der Kleinkrieg der Industrie, die sich in ein Blu-Ray- und ein HD-DVD-Lager spaltet. Beide Medien bringen den notwendigen Speicherplatz (HD-DVD mindestens 15 Gigabyte, Blu-Ray mindestens 25) für High-Definition-Inhalte mit und kämpfen um die Nachfolge der DVD.
Toshiba beispielsweise setzt ausschließlich auf die etwas kostengünstigere HD-DVD und hat bereits einen entsprechenden Player am Markt. Zur Cebit soll nun sein Nachfolger gezeigt werden. Zeitgleich gibt es den ersten Blu-Ray-Player von Sharp zu bewundern: Er soll alle bisherigen DVD- und CD-Formate verstehen, Fotos in HD-Qualität präsentieren und Raumklang mit bis zu acht Boxen unterstützen. Die junge Technik hat ihren Preis: Stolze 1200 Euro soll der Player kosten. In dieser Preisklasse spielt auch der Panasonic DMP-BD10, ebenfalls ein Spezialist für Hochauflösendes aller Art.