Wo AVM draufsteht, ist nicht immer eine Fritzbox drin. Audiophile wissen das, und zwar schon seit 25 Jahren. Seit 1986 nämlich führt im badischen Malsch eine kleine, feine High-End-Manufaktur diesen Namen. Sie ging damals aus dem Labor-Team der legendären „HiFi-Stereophonie“ hervor, jener Zeitschrift, die Ende der siebziger Jahre zum Prototyp einer ganzen Magazingattung wurde. Günther Mania und Robert Winiarski, die beiden Kämpen aus diesen Tagen, zeichnen auch heute noch für die AVM-Technik verantwortlich; die Kapitänsbinde im Team aber trägt heute Udo Besser, den Insider als langjährigen Vertriebschef der großen Berliner Marke Burmester kennen. So viel Genealogie muss sein in einer Szene, die ein bisschen wie ein Dorf funktioniert: Hier zählen noch Köpfe und Macher, man kennt sich und weiß einander einzuordnen.
Vor der Ära Besser war es etwas still geworden um die badische Truppe; jetzt will sie wieder mit frischen Kräften durchstarten und liefert dazu einen ersten Aktivitätsnachweis, einen zierlichen CD-Receiver mit dem hübschen Namen Inspiration C8. Wir fanden diese Anlagenzentrale so interessant, dass wir sie zum Vorstellungskonzert orderten. Denn sie passt in die Zeit der iPads und der eleganten Aluminium-Notebooks: Minimalistisches, schnörkelloses Design, kompakte Silhouette, wenige unaufdringliche, winzige Bedienelemente - all das wirkt wie ein wohltuender Kontrast zu High-End-Usancen früherer Tage, in denen sich einschlägige Kompetenz noch gern in Glanz und Gloria, klotzigem Auftritt und demonstrativ zur Schau gestellter Technik manifestierte.
Opulenter Materialeinsatz ist aber auch dem C8 nicht fremd; das Schöne daran: Man realisiert ihn erst aus der Nähe, dann nämlich, wenn man den Apparat, die mitgelieferten weißen Baumwollhandschuhe übergestreift, aus seiner schwarzen, samtenen Versand-Schutzhülle pellt. Der C8 steckt in einem dickwandigen, extrem präzise verarbeiteten Aluminiumgehäuse mit schimmernd gebürsteten Oberflächen, das an überlieferte Branchentugenden gemahnt. Dazu passt die schmale, elegante Fernbedienung, die so leicht aussieht, aber, dank ihres ebenfalls massiven Aluminium-Gehäuses, kühl und schwer in der Hand liegt wie ein Erzeugnis aus dem Hause Smith & Wesson.
Wo ist der Kopfhörer-Ausgang?
Ihrer Funktion nach ist die C8-Anlage eine Kombination aus Radio, Verstärker und CD-Player mit elegantem Slot-in-Laufwerk. Externe Mitspieler kommen über vier analoge Hochpegeleingänge und zwei Digitaleingänge, jeweils optisch und elektrisch ausgeführt, zum Zug. Für Vinyl-Liebhaber gibt es - heute nicht mehr selbstverständlich - einen Phono-Eingang, der sich sowohl für Magnet- als auch für die leisen Moving-Coil-Tonabnehmer individuell anpassen lässt. Wer seine tönenden Schätze auf seinem Notebook oder einem iPad hortet, kann die Musik auch über eine USB-Verbindung zuspielen. Ein passender Eingang auf der Geräterückseite verträgt Abtastfrequenzen bis 48 Kilohertz und Auflösungen bis 24 bit. Eine Anbindung ans Heimnetzwerk bietet der C8-Baustein noch nicht; AVM arbeitet aber an einem Nachrüst-Modul, das dann die Musik über das Netzwerk von Festplatten und Computern zapfen kann - selbst mit höchsten Auflösungen, versteht sich. Und: Auch der Empfang von Internetradio wird dann möglich sein. Ein Vorverstärker-Ausgang für Rekorder oder aktive Subwoofer und eine Trennstelle zwischen Vor- und Leistungsverstärker, etwa zum Anschluss eines Signalprozessors, machen das Angebot der Schnittstellen nahezu komplett. Das Einzige, was wir vermissen, ist ein Kopfhörer-Ausgang; bei Bedarf also muss ein separater Kopfhörer-Verstärker her, der an den Vorverstärker-Ausgang andocken kann.
Zwei Fakten noch zum elektronischen Innenleben: In der digitalen Audio-Abteilung werden die Signale auf die Abtastfrequenz 192 Kilohertz hochskaliert, was gewisse, unter Umständen durchaus hörbare Vorteile bei der anschließenden Digital-Analog-Wandlung mit sich bringt. Und in den Endstufen - der kompakte Bau lässt es ahnen - stecken moderne Schaltverstärker, die selbst bei hohen Lautstärken kaum Abwärme produzieren. AVM gibt zweimal 170 Watt an 4 Ohm als maximale Leistung an. Das Bedienkonzept versteckt unzählige Justagemöglichkeiten in einem Menü: Klangregelung, Eingangsempfindlichkeit (zum Ausgleich von Pegel-Unterschieden der Zuspieler), in neun Varianten wählbarer Loudnesscharakter, Stereo-Balance - all das lässt sich für jeden einzelnen Eingang separat festlegen.
Sauber und transparent
Im akustischen Einsatz macht der C8-Baustein eine glänzende Figur. Er tönt ungemein sauber und transparent, behält selbst in dichtesten Orchester-Passagen die Übersicht über die einzelnen Instrumente und plaziert sie fast mit fotografischer Akkuratesse im Raum. Das gilt nicht nur für die Links-rechts-Skala des Stereo-Panoramas, sondern in eindrucksvoller Weise auch für die Tiefendimension. Wuchtige Tieftonattacken meistert der C8 standhaft und souverän; nie wird dem zierlichen Apparat dabei die Luft knapp. Besonders gut hat uns das Gerät auch als Vinyl-Vertoner gefallen: Die Phonostufen arbeiten sehr rauscharm und entfalten das ganze musikalische Spektrum der schwarzen Scheiben luftig und klar.
So macht die schöne Anlagenzentrale auch im tönenden Einsatz jede Menge Freude - neben ihrer ideellen Mission: Sie führt exemplarisch vor, was man anno 2011 unter High End verstehen darf. Dazu zählt, das hat sich in Jahrzehnten nicht geändert, auch ein standesgemäßer Preis: 3490 Euro verlangt der Händler.
Etwas zu euphorisch die Kritik
Heiko Gebhardt (hgebhardt)
- 16.05.2011, 09:46 Uhr
