06.12.2009 · Muss eine Spiegelreflexkamera auch eine Videokamera sein? Die Canon Eos 7D kann nicht nur fast alles, sie macht alles auch noch ein bisschen besser als manche andere. Es ist eine wirklich sehr schön schnelle Spiegelreflexkamera.
Von Hans-Heinrich PardeyMuss eine Spiegelreflexkamera - gemeint ist: eine nicht nur der Erscheinung nach von der analogen Kleinbildspiegelreflexkamera abstammende Digitalkamera - auch eine Videokamera sein? Wahrscheinlich ist die Frage falsch gestellt: Es gibt solche Kameras. Und sie werden um dieser Fähigkeit willen geschätzt - auch wenn den „Zusatznutzen“ der bewegten Bilder ganze Generationen von - soll man ausdrücklich so sagen? - Standbildfotografen nicht vermisst haben. Wer nun aber glaubt, es handele sich da um eine Funktion, die auf das Segment der Ein-, Um- und Aufsteiger-Kameras beschränkt bleibt, der sieht sich angesichts einer Canon Eos 7D auf dem Holzweg.
Denn da haben wir in einem vielfach gedichteten Magnesiumgehäuse eine Kamera mit einem 19-Megapixel-CMOS-Sensor (18 Megapixel effektiv, Sensorformat 22,3 × 14,9 Millimeter) vor uns, die im Serienaufnahmemodus bis zu acht Bilder in der Sekunde macht, die 126 große Jpeg-Dateien puffern kann und deren Empfindlichkeit bis ISO 6400 reicht und bis ISO 12 800 erweiterbar ist. Das Autofokussystem dieser Kamera misst mit 19 Kreuzsensoren, sie beschäftigt zwei Digic-4-Bildprozessoren, hat einen Sucher mit 100-Prozent-Gesichtsfeld, eine Steuerung für externe Blitzgeräte des Speedlite-Systems, und jetzt wäre es fast vergessen worden: Mit einem Tastendruck macht sie Full-HD-Videos - wenn es nicht automatisch sein soll, auch mit manuellen Steuerungsmöglichkeiten.
Dem mit technischen Daten nicht zu Beeindruckenden wird spätestens bei der Preisangabe klar, dass es sich hier nicht um ein Eos-Modell handelt, das die Käufer von videofähigen Bridgekameras ansprechen soll: Für rund 1650 Euro steht das nackte Gehäuse der Eos 7D bei Canon in der Liste; das ausprobierte Kit mit EF-S 1:3.5-5.6/18-135mm IS kostet rund 2000 Euro; seriöse Versenderangebote im Internet liegen knapp unter 1700 Euro.
Sehr schön schnelle Spiegelreflexkamera
Dafür bekommt man zunächst eine wirklich sehr schön schnelle Spiegelreflexkamera, die den nicht ständig an HD-Videos interessierten Fotografen bei jedem Einschalten Tribut an die Videofunktion entrichten lässt: Ade Versuch, die 7D nur mit rechts startklar machen zu wollen, der Hauptschalter ist nach links oben aufs Gehäuse zum Moduswahlrad gewandert, und da braucht man nun eine zweite Hand. Deren Verwendung ist sicherheitshalber aber ohnehin angezeigt, denn allein das betriebsbereite Gehäuse bringt nicht viel weniger als ein Kilogramm auf die Waage.
Wie es sich fügte, war ein Weihnachtsmarkt die erste Gelegenheit zur Erprobung: schwierige Lichtverhältnisse - kein Thema, weder für einen eben nicht wild herumfahrenden Autofokus noch für die Belichtungsautomatik mit ihrer 63-Zonen-Messung. Die mehr als ein Dutzend möglichen, im Sucher unter dem Bild angezeigten Informationen mag man als hart an der Grenze zur Überfütterung empfinden, der Sucher ist - nicht nur bei schwachem Licht - Extraklasse. Umgekehrt: Der 3-Zoll-Monitor (920.000 Bildpunkte) erlaubt auch bei Helligkeit im LiveView-Modus (mit drei AF-Modi) echte Bildkontrolle vor der Aufnahme.
Vorrangig eine Full-HD-Videokamera
Besonderheiten wie der elektronischen Wasserwaage in der Kamera sind wir noch gar nicht nähergetreten. Denn ohne sich von der Fülle des Möglichen wie beispielsweise der Verknüpfung von Belichtungsmessung und einzelnen Autofokusfeldern verwirren zu lassen, liefern der „Green Mode“ oder der CA-Modus mit einfachem Abwandeln von Aufnahmeparametern Bilder, die hinsichtlich der Bildqualität einen Markstein unterhalb der Kameras mit Vollformatsensor setzen. Für diese Feststellung braucht man kein teures Testlabor, das ist zu sehen.
Nun wäre es angezeigt, alle diejenigen zufriedenzustellen, für die eine solche Kamera trotz Details wie jeglicher möglichen Kombination zwischen Raw- und Jpeg-Aufnahmen oder einem für 150.000 Auslösungen ausgelegten Verschluss eben nicht eine weniger semiprofessionelle als vielmehr ernsthaft beruflich nutzbare Spiegelreflex ist, sondern vorrangig eine Full-HD-Videokamera: Da wäre dann nicht nur auf Maximalauflösungen und wählbare Bildfrequenzen (1920 × 1080 Bildpunkte mit 30, 25 und 24 B/s, 1280 × 720 mit 60 und 50 B/s, 640 × 480 mit 60 und 50 B/s), auf die Lauflänge von rund einer halben Stunde (4 Gigabyte) bei höchster Auflösung, Video- und Audioformate (MOV, Video H.264, Audio Linear PCM), den Anschluss fürs externe Mikro und die interne Mono-Aufnahme hinzuweisen. Mit einer Spiegelreflex im LiveView-Modus wie mit einer Kompaktkamera hantierend zu filmen erscheint manchem attraktiv vor allem durch den im Vergleich zu vielen Kamkordern größeren Sensor. Daraus resultieren erweiterte gestalterische Möglichkeiten zum Beispiel beim Spiel mit der Tiefenschärfe.
Stattdessen soll hier in aller gebotenen Kürze ein ganz anderes Loblied angestimmt werden: Es ist ergreifend einfach, mit dieser Kamera Videosequenzen zu drehen, deren Qualität sich zeigen und ansehen lässt, ohne dass man sich dauernd entschuldigen muss. Gerade für den, der eigentlich nicht als Erstes auf den Gedanken kommt, mit seiner Spiegelreflex ein Filmchen drehen zu wollen, weil er es seit den kassettensurrenden Ungetümen nicht mehr getan hat, gerade dem bietet die Eos 7D einen völlig entspannten Einstieg - allerdings einen auf sehr hohem Niveau.