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Canon EOS 5D Mark II Da bleiben kaum Wünsche offen

Ist es ein Fortschritt, wenn die neuen digitalen Spiegelreflexkameras auch als Kamkorder arbeiten? Die neue EOS 5D Mark II von Canon mit Vollformatsensor, einer Auflösung von 21 Megapixel und Videomodus überzeugt die Freunde der Marke.

© Hersteller Vergrößern Gut geschützt gegen alle Widrigkeiten: Die neue EOS 5D Mark II von Canon

Ist es ein Fortschritt, wenn die neuen digitalen Spiegelreflexkameras auch als Kamkorder arbeiten? Nikon ist mit der D90 in diese Richtung vorgeprescht, und jetzt stattet auch Canon sein semiprofessionelles Flaggschiff EOS 5D Mark II mit einer Videofunktion aus. Das bewegte Bild lässt sich in Full HD mit 1920 × 1080 Pixel aufnehmen. Das hört sich allemal spannend an, und die Qualität überzeugt. Doch im Unterschied zu einem Kamkorder fehlt die automatische Schärfenachführung.

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Der Autofokus arbeitet nur auf Knopfdruck und nur langsam. Zudem sind seine Betriebsgeräusche auf der im MOV-Format (mit H.264-Videokomprimierung) gespeicherten Datei beim Einsatz des eingebauten Mikrofons mehr als deutlich zu hören, und die Aufnahmekapazität ist auf maximal 30 Minuten oder 4 Gigabyte beschränkt.

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Der Sucher bietet eine angenehm große Blickfeldabdeckung

Das alles ist zweifelsohne mehr als ein Gimmick, aber kein Ersatz für den eigenständigen Videoapparat. Eher trifft es der Begriff „Reportagekamera“, denn die neue EOS 5D Mark II für rund 2500 Euro übernimmt viel von den professionellen Canons und bietet dem rasenden Reporter zusätzlich die Option, sein Bildmaterial um ein paar kleine Videos zu ergänzen. Was für den Profi eine willkommene Zweitkamera ist, lässt sich der anspruchsvolle Amateur gern als Top-Gerät mit spektakulärer Ausstattung gefallen: Wie die konkurrierende D700 von Nikon bringt sie einen Vollformatsensor im Kleinbildformat mit, löst aber nicht nur mit 13, sondern mit spektakulären 21 Megapixel auf.

Canon EOS 5D Mark II © Hersteller Vergrößern Auf der Rückseite der EOS 5D Mark II zeigt das Display 920.000 Pixel

Das große, kratzfeste und hochauflösende Display auf der Rückseite erlaubt mit seinen 920.000 Pixel eine zuverlässige Bildkontrolle, und der Sucher bietet eine angenehm große Blickfeldabdeckung von 98 Prozent, zeigt die aktuelle ISO-Einstellung und vieles mehr, aber leider nicht die gewählte Belichtungsmessart.

Die Akkutechnik ist neu

Ferner haben die Japaner wirklich alles an aktueller Software hineingepackt. Die Fülle der Möglichkeiten und Optionen ist erschlagend, und als Recheneinheit kommt ebenfalls modernste Canon-Technik zum Einsatz, nämlich der Digic-IV-Prozessor mit 14-Bit-Verarbeitung. Ein Live-View-Modus mit Autofokus und Gesichtserkennung ist dabei, eine Kreativautomatik ergänzt die üblichen Standardbelichtungsprogramme, und es gibt drei Custom-Modi (statt einen wie bei der Vorgängerin EOS 5D). Videos und Fotos lassen sich über eine HDMI-Schnittstelle ausgeben, und ein Anschluss für ein Wireless-Lan-Modul ist ebenfalls vorhanden.

Die Akkutechnik ist neu, sie bietet eine detaillierte Analyse und Diagnose, aber um den Preis, dass sich ältere Akkus und der ebenfalls ältere Hochformatgriff BG-E4 mit ihr nicht mehr einsetzen lassen. Im Serienbildmodus schaffte die EOS 5D Mark II bei uns 3,8 Bilder je Sekunde für 70 Aufnahmen in Folge, erst dann brach das Tempo ein. Hier sind natürlich die Profigeräte noch etwas schneller. Der Autofokus stammt von der alten 5D und verwendet einen Kreuzsensor, acht Liniensensoren und sechs unsichtbare Hilfsfelder. Die EOS 50D ist in dieser Hinsicht etwas besser ausgestattet.

Von einem Autofokus-Hilfslicht will Canon ohnehin nichts wissen

Gleich der Nikon D700 zieht auch Canon die Empfindlichkeit nach oben, bis hin zu ISO 25 600. Wie bei der Konkurrenz gilt, dass die höchsten Stufen kaum brauchbar sind, aber mit ISO 3200 und ISO 6400 bei Verwendung eines lichtstarken Objektivs sehr brauchbare Aufnahmen entstehen können. Kritik muss sich Canon allerdings an der eigenwilligen Rauschunterdrückung gefallen lassen, die darauf ausgerichtet ist, vor allem eine hohe Nettodateigröße und große Dynamikumfänge zu erzielen. Das bringt Punkte in den Testberichten, aber detailarme Schatten und bisweilen störende Artefakte sowie einen nicht immer befriedigenden Bildeindruck. Dass weiterhin ein eingebauter Miniblitz als Notbehelf fehlt, sei ebenfalls angemerkt, und von einem Autofokus-Hilfslicht will Canon ja ohnehin nichts wissen.

Insgesamt macht die rund ein Kilogramm schwere EOS 5D Mark II einen sehr robusten Eindruck. Zum Schutz vor Stößen und Nässe besteht der Body aus rostfreiem Stahl und einer verstärkenden Magnesium-Legierung. Gummiabdichtungen bieten weiteren Schutz und sollen das Eindringen von Staub verhindern. Nistet er sich trotzdem ein, kommt das Reinigungssystem zum Einsatz, zudem ist der optische Tiefpassfilter vor dem Bildsensor mit einer Fluorit-Beschichtung geschützt. Was indes den positiven Eindruck nachhaltig trübt, ist – wie bei der Nikon D700 – das wackelige und äußerst billig wirkende Plastiktürchen vor dem Compact-Flash-Speicherkartenschacht.

Für den Besitzer einer älteren Canon-Spiegelreflexkamera ein Objekt der Begierde

Bei der Bedienung hat Canon sein bewährtes Menüsystem beibehalten und in Details verbessert. Dass sich nun alle wichtigen Einstellungen auf dem rückseitigen Monitor einblenden und mit dem Joystick-Knubbel flink ändern lassen, hat man bei anderen Herstellern abgeguckt. Unter „My Menu“ gibt es ein persönliches Schnellwahlsystem, dazu kommen rund 25 Individualfunktionen und die auf Knopfdruck abrufbaren Bildparameter-Einstellungen, die Canon Picture Styles nennt. Die Anordnung der Tasten wurde gegenüber der 5D kaum geändert, man kommt also beim Umstieg schnell zurecht.

So ist bald klar, dass die Neue für den Besitzer einer älteren Canon-Spiegelreflexkamera ein Objekt der Begierde sein wird. Schon die 5D hatte einen gewissen Kultstatus, und was die Japaner nun vorlegen, erfüllt hinsichtlich der Software höchste Ansprüche. Ihrer elektronischen Intelligenz und der geballten Rechenleistung wird man sich nur schwer entziehen können.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 13.02.2009, 12:00 Uhr

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