24.08.2009 · Preisgünstige Spiegelreflexkameras bedrängen weiter die Prosumer-Klasse - mit Vollausstattung bis hin zu HD-Video wie die Canon Eos 500 D. Jawohl, auch diese Eos hat wieder etwas von Everybody's Darling.
Von Hans-Heinrich PardeyKameras ohne Ecken und Kanten - dieses sicherlich allzu pauschale Urteil über die von der Einsteigerklasse bis in die erste Liga der professionellen Digital-Spiegelreflexkameras präsenten Eos-Modelle von Canon kann man so oder so verstehen. Aber die Begegnung mit der Eos 500 D, die allerorten Testsiege, Kauftipps und strikte Empfehlungen der Fachbeurteiler eingefahren hat, lässt doch wieder an diese Verallgemeinerung denken.
Ohne Ecken und Kanten, das meint ja nicht nur das gerundete Design des Kunststoffgehäuses, sondern auch eine Gefälligkeit der darin verbauten Technik, die den Ansprüchen von vielen gerecht wird und die Erwartungen von kaum jemand enttäuscht. Jawohl, auch diese Eos hat wieder etwas von Everybody's Darling, da sie weder krasse Ablehnung noch jenseits klarer Fronten Begeisterungsstürme provoziert. Wer es für nötig hält, soll das polemisierend Charakterlosigkeit nennen: Einen nicht zu heftig in die eine oder andere Richtung ausgeprägten Charakter zu haben ist nicht die schlechteste Begabung, um erfolgreich zu sein.
680 Euro „Straßenpreis“
Für rund 680 Euro ("Straßenpreis" mit Kit-Objektiv EF-S 1:3,5-5,6 18-55 mm IS, Bildstabilisator im Objektiv) ist die Eos 500 D eine ins Eos-Objektiv- (EF- und EF-S) und Blitzsystem (EX-Speedlites) integrierte, eindeutig eher semi- als professionelle Spiegelreflex mit einem 15-Megapixel-CMOS-Sensor im APS-C-Format (22,3 × 14,9 Millimeter, maximal 4752 × 3168 Bildpunkte). Die Empfindlichkeit kann bis ISO 12 800 hinaufgesetzt werden. Mit der Kameria lassen sich Full-HD-Videos (1920 × 1080 Bildpunkte, 20 Aufnahmen je Sekunde sowie HD 1280 × 720 Pixel, 30 Bilder je Sekunde) drehen.
Der letzte Punkt stand zwar nicht im Vordergrund des Interesses bei dieser Erprobung, ist aber eins der entscheidenden Argumente für die wachsenden Kreise derer, die nicht nur Standbilder als Jpeg- und Raw-Dateien (gleichzeitig möglich) fotografieren, sondern von Fall zu Fall auch kleine Filme mit ihrer Spiegelreflex aufnehmen wollen. So konkurriert die Eos 500 D etwa mit der Nikon D5000, im Gegensatz zu der sie keinen schwenkbaren Bildschirm, sondern fest eingebaut einen sehr guten Drei-Zoll-Monitor (7,62 Zentimeter Diagonale, 920 000 Bildpunkte) und selbstverständlich Live View hat, also mit hochgeklapptem Spiegel das zeigen kann, was der Sensor aufzeichnen wird.
Für Umsteiger von der Kompaktkamera
"Für alle Facetten des Lebens", der Werbeslogan von Canon trifft, und nicht nur wenn man sich die diversen Automatiken und Belichtungsmodi oder "Picture Styles" ansieht. Diese wie von einer Spiegelreflex erwartet vollen Zugriff auf die Aufnahmeparameter bietende Ausstattung zielt etwa mit der "Kreativ-Automatik" ganz offensichtlich auf den Ein-, Um- und Aufsteiger aus dem Lager der Kompaktkamerabenutzer. Zielgruppe der Eos 500 D ist die nach mehr Bildqualität verlangende Prosumer-Klientel, die immer noch ein bisschen zweifelt, ob sie nicht doch eine - vermeintlich einfacher zu bedienende - Bridgekamera nehmen sollte. Zum Beispiel: Die optische Trennung von scharfem Vordergrund-Motiv und unscharfem Hintergrund kann selbstverständlich, aber muss nicht mit Brennweite und Blende bewerkstelligt werden. Ohne dass man etwas von Tiefenschärfe und den optischen Zusammenhängen zu wissen braucht, sorgt ein Schieberegler der "Kreativ-Automatik" für den gewünschten Effekt - mal mehr, mal weniger nach den Gesetzen der Optik. Eine witzige Facette des wirklichen Lebens ist, dass wie vorher bei der Eos 450 und 400 nahezu unisono das "billige Plastikgehäuse" und seine vermutlich mangelnde Robustheit bekrittelt werden. Die Reaktion der - zu einem erklecklichen Anteil weiblichen - Zielgruppe auf die Kamera hingegen ist ein erfreutes: "Ach, ist die schön leicht" - nämlich mit Objektiv knapp 700 Gramm.
Sie ist nicht nur leicht, sie macht es einem auch leicht, ansehbare Bilder zu schießen - ohne viel Vorwissen und ohne hohen Bedienungsaufwand. Typisch für eine Canon ist, dass die kamerainterne Bildbearbeitung frühzeitig beginnt, das Ergebnis "glattzubügeln". Aber auch das liegt im Interesse derer, für die diese Kamera gemacht ist: etwa sanfte Hauttöne "für Nahaufnahmen von Frauen und Kindern" oder leuchtendes Blau und Grün für gehöhte Landschaften. Überzeugend ist die Arbeitsgeschwindigkeit des Autofokus (neun Messfelder, Phasendetektion), auch die Serienbildfunktion (3,4 Bilder je Sekunde, bis zu 170 Jpeg- oder 9 Raw-Aufnahmen in Serie) geht in Ordnung.
Kurz und bündig: Die Canon Eos 500 D bedient konsequent den, der mit der digitalen Spiegelreflextechnik eben erst anfängt - und zwar mit schönen Bildern.