19.01.2009 · Erproben ist für Technikredakteure angesichts immer rascher auftauchender Neuheiten, wenn es denn ein Vergnügen ist, immer ein kurzes. Entgegen der sonstigen Verfahrensweise besteht die Absicht, dies im Falle dieser Kamera aber zu verlängern.
Von Hans-Heinrich PardeyMit Ehrlichkeit macht man sich bekanntermaßen nicht nur Freunde. Vielleicht war es nicht klug, die Affinität des Schreibers zu Canons Powershot-G-Serie gleich zu bekennen. Aber die grundsätzlich positive Einstellung, mit der das aktuelle Modell G10 ausprobiert und beschrieben wurde, war auch nichts, was dem Leser hätte peinlich verborgen werden müssen.
Denn sie erwächst aus nichts anderem als der Erfahrung mit mittlerweile vier Geräte-Generationen, wobei vor allem die vorletzte, die Powershot G9, große Ähnlichkeit mit der 14-Megapixel-Kompaktkamera besitzt. Und auf die G9 vor allem bezog sich der Hinweis, dass sie gern anstelle der schweren Spiegelreflex-Ausrüstung mitgenommen werde, um Berichte für FAZ.NET zu bebildern.
Es sind keine fassadengroßen Banner zu bebildern
Das sollte doch niemand seine Einsteiger-Spiegelreflex, die man etwa zum gleichen Preis wie die G10 (rund 450 Euro) bekommt, madig machen. Aber wenn keine besonders ausgefallene Brennweiten gefragt sind, wenn man sich zwar die Möglichkeit, Rohdaten nachzubearbeiten, vorbehalten möchte, aber keine fassadengroßen Banner zu bebildern sind, und wenn man unter gar keinen Umständen als Fotoprofi-Darsteller mit kiloschwerem Equipment behängt unterwegs sein möchte, dann ist die G10 (wie schon die G9) eine unbedingt beruflich einsetzbare Kamera. Es gibt ja schließlich eine Menge professioneller Fotografie, die nicht zum Schöndruck bestimmt ist.
Ja aber, bekamen wir auf die Veröffentlichung unserer Überzeugung hin zu hören, diese Kamera sei doch „erkennbar nicht für den professionellen Einsatz“ konzipiert. Das sehe man doch schon daran, dass die Frontlinsenabdeckung mit einem anfälligen Lamellenrollo ausgeführt sei. Nie und nimmer halte das im „harten Profieinsatz“ durch. Da gehöre bei einer Profikamera natürlich ein harter, abnehmbarer Objektivdeckel hin. Aber das sei den Testern, die jede neue Kamera nur mal eben in die Hand nähmen, um gleich nach der nächsten zu greifen, natürlich wurscht, weil sie es nie erlebten.
Die Lamellen öffnen klaglos
O nein, das ist der Redaktion keineswegs wurscht. Richtig ist allerdings, dass bei allen unseren Erprobungen nicht an die Grenzen des Ermüdungsbruchs vorgedrungen wird. Wir können zwar sagen, dass bei unserer Powershot G7 der feste Objektivdeckel nach einem Jahr hin war, weil er und nicht das Halteschnürchen irgendeinem Zerren nachgab, woraufhin der Deckel zertreten wurde, aber wir können nicht mehr behaupten als dies: die Lamellen unserer G9 halten seit knapp zwei Jahren, das heißt, sie gehen klaglos auf und zu – wobei das Geräusch, das sie vor allem beim Schließen machen, ein etwas anderes Schnalzen geworden ist, als es anfangs war.
Genau das Gleiche hat sich in dem knappen Vierteljahr, durch das uns nun schon die G10 seit der letzten Oktoberwoche 2008 in so gut wie täglichem Einsatz begleitet, auch bei dieser ereignet. Mag sein, wir haben einfach gelernt damit zu leben, dass das passiert. Eine ernste Gefahr für den Betriebsablauf scheint nicht damit verbunden zu sein.
Was ist schon „harter Profieinsatz“?
Genauso aufmerksam wollen wir verfolgen, wie lange der Tubus des Objektivs sauber aus- und einfährt. „Alles Plastik“, lästern diesbezüglich die Verächter der G10 – als ob die Kit-Objektive ihrer Spiegelreflexen aus dem vollen Magnesium-Block gefräst wären. Wiederum haben wir Anhaltspunkte: Auch bei der nun seit mehr als fünf Jahren benutzten G2 – längst hat sie den dritten Akku, und ihr Minidisplay nervt genauso wie ein paar andere Mucken – ist der Objektivtubus nie Anlass zur Klage gewesen. Von der G9 wissen wir aus Erfahrung, dass es auf den sogar mal kurz regnen darf, was dann zwar rasches und besonnenes Handeln erfordert, aber nicht den sofortigen exitus letalis bedeutet.
Was immer der Begriff „harter Profieinsatz“ bedeuten soll, wir haben nicht vor, eine koffeinhaltige Limonade, Latte macchiato oder Litschi-Likör über die G10 zu kippen oder sie zu sandstrahlen. Wir werden sie einfach für längere Zeit und ständig in bestimmungsmäßen Gebrauch nehmen. Sie wird häufig reisen, in der Handtasche genauso wie locker im Jacket und auf dem Autositz, sie wird durch verschiedene Hände gehen, zwar kaum Partys, aber viele Messen sehen und, so unsere Vermutung, ob Raw, ob Jpeg jede Menge Illustrationen für diese Spalten liefern. Über den Dauerversuch werden wir berichten. Übrigens: Die Illustration zu diesem Artikel entstand mit der Canon Powershot G9 im M-Modus (wie: manuell), Belichtungszeit 1 Sekunde bei Blende 8, ISO 80 und bei natürlichem Tageslicht im Innenraum; die Entfernung betrug etwa 30 Zentimeter, es wurde ein Stativ benutzt, die Makrofunktion war eingeschaltet, und ausgelöst wurde mit dem Selbstauslöser der Kamera.
Nur befriedigend!
Dr. Andreas Frick (Hephaistos)
- 19.01.2009, 16:18 Uhr
Tests vermisst?
Robert Klemme (rklemme)
- 19.01.2009, 18:53 Uhr