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Burmester-HiFi im Porsche Cayenne : So hört sich ein Schnäppchen an

Zentralstation für HiFi und mehr: PCM-System im Porsche Cayenne Bild: Hersteller

HiFi-Ausstattung auf höchstem Niveau: Burmester fährt im Porsche Cayenne mit. Die 15 einzeln angesteuerten Lautsprecher im Innenraum lassen viel erwarten.

          Als die High-End-Manufaktur Burmester vor fünf Jahren ihre erste Musikanlage für den 2009 debütierenden Porsche Panamera vorstellte, horchte man auf. Denn bis dahin hatte das Berliner Unternehmen seine audiophile Spitzentechnik nur in einer Kleinserie von Bugatti auf die Straße gebracht. Aber nun musste sich Burmester mit den altbekannten Fahrzeugausstattern der Oberklasse wie Bose oder Bang & Olufsen messen. Burmester im Panamera war ein voller Erfolg, eine der besten HiFi-Anlagen, die man fürs Auto kaufen kann, und der Aufpreis für den mobilen Hörraum blieb mit knapp 4000 Euro moderat. Mittlerweile ist Burmester auch im Mercedes-Benz zu hören, und bei Porsche ist das Soundsystem aus Berlin im 911er, Cayenne und demnächst auch im ganz neuen Macan erhältlich.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Wir haben die Anlage, die als „High End Surround Sound-System“ bezeichnet wird, im aktuellen Cayenne ausprobiert, und schon die Basisdaten sind ein Paukenschlag: 15 einzeln angesteuerte Lautsprecher im Innenraum plus ein 300-Watt-Aktivlautsprecher in der Reserveradmulde des Kofferraums lassen viel erwarten. Eine Gesamtleistung von „mehr als 1000 Watt“ steht für das Muskelspiel der Töne parat, und natürlich kommen durch die Bank feine Details zum Einsatz, die man indes bis auf die Burmester-Gravuren an den Rändern der Lautsprecherverkleidungen nicht sieht. Zu den besonderen Ingredienzien zählen unter anderem Mehrwegesysteme in allen vier Türen. Formstabile Glasfasermembranen in den Mitteltönern, Neodym-Magneten, die mit geringer Masse hohe Wirkungsgrade erzielen, gefaltete Bändchen-Hochtöner nach dem Wandlerprinzip der Air Motion Transformer - mit solchen Details setzt sich die Burmester-Installation von schlichteren Einbauten ab.

          Für die feinen Töne: Porsche Cayenne

          Wer jetzt befürchtet, dass die highfidele Soundausstattung zu langwierigen Bedienungsarien am Bordsystem führt, liegt falsch. Vielmehr ist Burmester in die hauseigene PCM-Anlage mitsamt berührungsempfindlichem Monitor eingebunden. Was die Zuspieler betrifft, ändert sich nichts: Neben der Audio-CD und -DVD ist das Porsche Communication Management für die Musikwiedergabe von Apples Kleingeräten, USB, Bluetooth-Zuspielern und der Jukebox genannten internen Festplatte gerüstet, sie nimmt bis zu 40 Gigabyte auf. Die Audioquelle lässt sich flink über eine Hauptmenütaste am Bordsystem wählen, wobei ein Bluetooth-Gerät erst ein, zwei Minuten nach Beginn der Fahrt identifiziert und einsatzbereit ist.

          Die Klangeinstellungen der Burmester-Anlage sind bereits programmiert. Spezielle Presets optimieren die Wiedergabe entweder für die vorderen oder die hinteren Sitze, eine weitere Option bietet den besten Kompromiss für alle Mitfahrer. Eine Matrixschaltung bereitet Stereosignale für die Surround-Wiedergabe auf, ein „Smooth“-Algorithmus soll stark komprimierter MP3-Musik Glanz und Wärme zurückgeben, dabei werden, wie die Anleitung formuliert, „überbetonte Frequenzanteile“ in den Mitten und Höhen abgesenkt. Ist Konzertatmosphäre gefragt, macht sich die Live-Funktion für das große Raumgefühl stark. Schließlich soll der „Sound Conditioner“ die Wiedergabe dynamisch an das Spektrum und den Pegel der Störgeräusche im fahrenden Auto anpassen, um Lärm zu kaschieren und die Klangfarben stets in Balance zu halten. Dazu wird die Akustik des Innenraums in Echtzeit mit einem Mikrofon vermessen.

          In der praktischen Erprobung bemerkt man eins sofort: Die Anlage spielt in allen Disziplinen ungemein harmonisch auf und ist nicht auf vordergründige Effekthascherei aus. Selbst wenn man es übertreibt und Hardcore-Techno à la Thunderdome zur Wiedergabe bringt, lässt sich die Burmester-Anlage kein bisschen provozieren. Mit allertiefsten Bässen gibt es keine Verzerrungen, kein noch so leises Scheppern, sondern nur eine geradezu traumhafte Souveränität über den gesamten Frequenzbereich hinweg. Auch bei musikalischer Alltagskost der Gattungen Rock und Pop musiziert die Anlage mit gleicher Überzeugungskraft. Leise, subtile Klangdetails entfalten sich ebenso lebensecht wie Rockkonzerte in authentischen Lautstärken. Nie klingt die Anlage scharf oder spitz, selbst bei extremen Lautstärken gibt es noch hinreichende Reserven. Klassische Musik und Jazz werden auf einer sehr transparenten Bühne dargeboten, wir hörten die Cello-Konzerte von Edward William Elgar und Elliot Carter in der neuen Einspielung der Staatskapelle Berlin mit Alisa Weilerstein.

          Hat man einige Tage mit Lust und Leidenschaft in den Porsche hineingehört, fällt die Entscheidung leicht: Statt einer Burmester-Anlage fürs heimische Wohnzimmer zu Preisen von um die 100.000 Euro nehme man die mobile Lösung. Nämlich den kompletten Cayenne (von 60.000 Euro an) plus Burmester-Paket für 3600 bis 4800 Euro. Das ist doch ein echtes Schnäppchen.

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