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Bücher zu Digitalfotografie Von Rohdaten und hohem Dynamikumfang

24.10.2008 ·  Es gibt kaum andere Wissensgebiete, zu denen sich ähnlich viele gedruckte Ratgeber finden lassen wie zu gutem Sex, leichter Küche und digitaler Fotografie. Wir haben uns fürs Erste mal nur die Digitalfotografie vorgenommen.

Von Hans-Heinrich Pardey
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Betriebsanleitungen, so viel steht fest und nicht erst seit heute, taugen nichts. Das scheint ganz besonders bei Fotoapparaten zu gelten, denn die Bücher, die wie eine gebundene Paraphrase der Betriebsanleitung wirken, haben eine lange Tradition. „Lernen Sie Ihre Kamera richtig kennen, und machen Sie Fotos wie die Profis!“ ruft nicht erst heute der Verlag Markt und Technik den Käufern von Digitalbilder machenden Mobilcomputern zu. Die fast wortwörtlich gleiche Verheißung galt schon vor mehr als fünfzig Jahren und für Gehäuse, die ein ungleich weniger kompliziertes Innenleben bargen.

Am Programm des deutschen Ablegers von Pearson Education kann man aber auch deutlich die meist unausgesprochene, deshalb aber nicht weniger wichtige zweite Funktion dieser Kamerabücher ablesen: Da gibt es nämlich neben den um 300 Seiten starken Kompendien, die für rund 40 Euro als eingehendere Einführung ins jeweilige Modell schon durchgehen - zum Beispiel für Canons Eos 400D und 40D, neu nun auch für die Canon Eos 1000D, sowie Nikons D40/D40x, D80 und D300, der Band zur D700 ist in der Pipeline - für gängige Einsteigerkameras dünnere und mit rund 15 Euro wesentlich günstigere Bändchen: Nikon D40/D40x, Canon Eos 400D - der Kauf eines Buches kostet eben nur einen Bruchteil der Kamera: Und so kann er die Zeit bis zu einer Anschaffung tröstend verkürzen und durch sachkundige Tipps diese vorbereiten.

Gängige Kameras in der „Foto Pockets“-Reihe

Wer sich für weniger gängige, gleichwohl keineswegs exotische Kameras interessiert, der muss sich etwa beim Franzis Verlag umschauen: Da gibt es in der „Foto Pockets“-Reihe nicht nur Sonys Alpha 700, und die Olympus E-3, E-420 und E-510, sondern es wird auch Bücher zur Eos 1000D und über die Olympus E-520 geben. Maximal ein halbes Jahr, schätzt man bei dem Verlag im oberbayerischen Poing, vergeht zwischen dem Zeitpunkt der Markteinführung einer Kamera, die für ein ausführliches Buch interessant ist, und dem Erscheinen des Buches. Die Preise bei Franzis staffeln sich ganz gleich: rund 15, 20 und 40 Euro. Bei den 350 Seiten dicken Wälzern bietet der Verlag aber auch System-Bücher, die mehr abhandeln als ein einzelnes Kameramodell. Markt und Technik wiederum versucht, den Beratungsbedarf der Interessenten preisgünstigerer Kameras zu wecken: Nicht eine, sondern vier Superzoom-Modelle von Panasonic, die FZ50, die FZ18, die TZ5 und die TZ4, werden mit ihren markentypischen Gemeinsamkeiten, aber auch mit ihren nicht unerheblichen Unterschieden in einem Band für rund 25 Euro abgehandelt.

Neben den Büchern zur Hardware (Kamera und Objektive, Blitztechnik, Makrozubehör und Studiotechnik) erstreckt sich der größte Teil der Digitalfoto-Literatur auf die Bildbearbeitung - oder wie gern gesagt wird: die virtuelle Dunkelkammer. Die Rohdatenverarbeitung einerseits, etwa mit Silkypix oder Camera Raw Plug-ins, und die Gestaltung von Bildern mit besonders hohem Dynamikumfang (HDR wie High Dynamic Range) mit einem Programm wie Photomatix sind dabei Schwerpunkte. Die Verlage verspüren gleichzeitig ein Anziehen der Nachfrage nach Software-Literatur für Apples Mac. Und ein Buch wie das bei Addison-Wesley ganz dem Thema der Photoshop Ebene gewidmete kann wohl nichts anderes bedeuten als dass dieses zentrale Prinzip der Standardsoftware zur Bildbearbeitung immer noch nicht so ganz begriffen worden ist.

Von Monitorkalibrierung bis Maskierung

Das klassische Fotolehrbuch scheint gegenüber dieser Fülle von Monitorkalibrierung bis Maskierung und Compositing ins Hintertreffen zu geraten. Die Standardwerke basierten ja auch nicht zuletzt auf der bei Digitalkameras so nicht mehr gegebenen weitgehend gleichen Bedienung der analogen Kameras. So hat sich vieles Aufnahmetechnische in die kameraspezifischen Hardware-Bücher verlagert. Daneben blüht aber die an Bildthemen orientierte Ratgeberkultur: Ob Erotik, Hochzeit oder Familie zu fotografieren ist, Markt und Technik hat - nicht ganz in dieser Reihenfolge - jeweils einen Spezialband zwischen 20 und 30 Euro im Angebot seiner Digital-fotografieren-Serie.

So weit aussplittern will man bei Franzis das Angebot nicht: Man setzt auf eine umfängliche „Fotoschule“ in der 40-Euro-Klasse, auf Klassiker wie „Aktfotografie“ und die Verheißung „Besser Fotografieren“ - dank „Fotografisch sehen“. Der Gemeinplatz, dass es darauf vor allem und auf den Menschen hinter der Kamera ankomme, summiert sich bei Addison-Wesley zum Titel „Das weibliche Auge“, und auch das müht sich vergebens, wenn - Henri Cartier-Bresson steh uns bei - „Der entscheidende Moment“ versäumt wird: „Wann Top-Fotografen auf den Auslöser drücken“, will der Ratgeber vermitteln.

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Jahrgang 1949, Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

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