Home
http://www.faz.net/-gyf-to2q
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Bridgekameras Vierfacher Brückenschlag auf drei Wegen

 ·  Zwischen Spiegelreflex und Knipskästchen: Bridgekameras sind eine unterschätzte Kameragattung. Das liegt vielleicht an der unterschiedlichen Qualität der verschiedenen Modelle wie etwa Samsung NV7, Fuji Finepix S6500fd, Panasonic Lumix DMC-FZ50, Leica V-Lux1.

Artikel Bilder (3) Lesermeinungen (0)

Wenn es doch nur so einfach wäre! Anständige Digitalfotos, hört man immer wieder, ließen sich nur mit einer - sich professionell wenigstens nennenden - Spiegelreflexkamera machen. Die sogenannten Bridgekameras hingegen seien nur die Ansammlung sämtlicher Nachteile der von ihnen verbundenen Welten: so unhandlich wie eine Spiegelreflex, abbildungstechnisch aber wie eine Kompaktkamera durch eine zu geringe Sensorgröße und einen lahmen Autofokus eingeschränkt. Daß das tatsächlich nicht alles sein kann, zeigt der Erfolg der nur digital existierenden Gattung und die Verschiedenartigkeit der Konzepte.

Man braucht nur einmal die Samsung NV7 und die Fuji Finepix S6500fd nebeneinanderzuhalten: Die eine schaut aus wie eine Kompaktkamera mit angeschraubtem Telekonverter, die andere geht gut als Einsteiger-Spiegelreflex durch. Eher klassischen Brückenbau für „Prosumer“, diese anspruchsvollen und zugleich bequemen Hobbyfotografen, bieten die Lumix FZ50 und die Leica V-Lux1; bei beiden handelt es sich um die gleiche, in Kooperation von Panasonic (Elektronik und Herstellung) und Leica (Optik) entstandene Kamera. Für einen satten Aufpreis kommt sie von Leica mit mehr Software ausgestattet und mit Retuschen am Gehäuse und in der Firmware.

Gemeinsam ist allen vier Kameras - und zwar ohne Objektivwechsel - der große Brennweitenbereich. Bei der Fuji reicht er von 28 bis 300 Millimeter, bei der Lumix und der Leica von 35 bis 420 und bei der Samsung von 38 bis 270 Millimeter (bezogen auf das Kleinbildformat). Mit dem einen festeingebauten Objektiv hat man seine ganze Kameraausrüstung beisammen. Und von Staub und Reinigung ist nicht die Rede, die Gehäuse sind geschlossen. Außer der Fuji arbeiten alle mit Bildstabilisierung. Bei Lumix und Leica ist ein optischer Bildstabilisator in Form von beweglichen Linsenelementen ins Objektiv integriert.

Zittern mit dem Sensor

Die Samsung zittert mit dem Sensor und kann außerdem aus zwei verschiedenen Belichtungen des gleichen Motivs einerseits Konturen und andererseits Farbinformationen zu einem scharfen Bild zusammenrechnen. Die Fuji verzichtet auf die Bildstabilisierung und setzt stattdessen auf Rauscharmut und hohe Empfindlichkeit - bis ISO 3200, um Unschärfen durch Kamerabewegung mittels kürzerer Verschlußzeiten (bis 1/4000 Sekunde) zu vermeiden. Wie in der Leica und der Lumix mißt ihr CCD-Sensor 1/1,8 Zoll, bildet aber nicht zehn, sondern 6,3 Millionen Bildpunkte ab; die NV7 arbeitet mit einem 1/2,5-Zoll-Sensor, der 7,2 Megapixel liefert. Während bei der Samsung mit ISO 1000 Schluß ist, können Leica und Lumix die Empfindlichkeit bis ISO 3200 steigern. Das kann selbsttätig - und mit deutlichem Anstieg des Bildrauschens geschehen, sobald die Kamerasoftware schnelle Bewegung im Bild wahrnimmt. Nur die Fuji hat die Gesichtserkennung, einen Modus der Entfernungs- und Belichtungsmessung, der Mehrfachporträts spürbar erleichtert (F.A.Z. vom 5. Dezember). Während Leica, Lumix und Fuji einen elektronischen Sucher und einen Monitor haben, der bei den beiden Schwestern mit zwei Zoll eher klein geraten ist (Fuji: 2,5 Zoll), wird die Samsung, die keinen Sucher hat, über das Monitorbild gesteuert: Dazu betätigt man wie bei der NV10 (F.A.Z. vom 17. Oktober) Tasten an den Seiten des Displays.

Bis auf die Samsung können alle Kameras Bilder außer im komprimierten JPEG-Format auch als rohe Bilddaten abspeichern. Beim Speichermedium tanzt die Fuji aus der Reihe: Sie verarbeitet ausschließlich xD-Karten, während die anderen SD-Karten wollen. Störender ist, daß der S6500fd wie der NV7 ein Blitzschuh fehlt. In diesem Punkt wurden Panasonic und Leica aufgewertet: Über ihren Blitzkontakt ist nun TTL-Betrieb möglich. Angenehm ist hier die Möglichkeit, komplette Einstellungen abzulegen und auf alle Parameter mit einem Tastendruck zuzugreifen.

Für wen eignen sich nun Bridgekameras? Für den Sparsamen - die komplette Ausrüstung ist deutlich preisgünstiger als Vergleichbares in Spiegelreflextechnik: Genauso für den, der gelegentlich doch einen kleinen Film drehen möchte. Für den, der zwar häufig den Komfort von Motivprogrammen und anderer Automatiken nutzen will, im Fall des Falles aber auch alle Aufnahmeparameter von Hand einstellen können möchte. Und schließlich auch für den, der nicht schon früher in Objektive eines Spiegelreflexherstellers investiert hat.

Die Preise in der Spanne zwischen einem am Listenpreis orientierten Fachhandel und Internetanbietern: Samsung NV7 von 450 bis 350 Euro; Fuji Finepix S6500fd von 480 bis 335 Euro; Panasonic Lumix DMC-FZ50 von 650 bis 475 Euro. Die Leica V-Lux1 kostet einheitlich rund 800 Euro.

Quelle: F.A.Z., 19.12.2006, Nr. 295 / Seite T2
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Jahrgang 1949, Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

Jüngste Beiträge

Seniorenbook

Von Michael Spehr

Die Jugend wendet sich von Facebook ab. Es wird ein Netz der Eltern und Alten. Wir Alten können es uns jetzt also richtig gemütlich machen, auf Facebook. Mehr 1 4

Hinweis
Die Redaktion