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Aries Mini von Auralic im Test : Fehlt nur noch ein Paar Lautsprecher

Aries Mini: Sieht einfach aus, hat aber komplexe Funktionalität Bild: Hersteller

Der Aries Mini versorgt Freunde digitaler Musik mit allen Funktionen, die sie brauchen. Ergänzt um aktive Lautsprecher, wird aus der Kiste eine feine HiFi-Anlage.

          Die Kiste ist etwas kleiner als drei übereinandergestapelte CD-Hüllen. Mit diesen Maßen könnte der Aries Mini von Auralic die kleinste HiFi-Anlage der Welt sein. Um Musik oder Radio hören zu können, muss man nur noch ein Paar Lautsprecher anschließen. Die Boxen müssen entweder aktiv sein oder von einem Verstärker separat versorgt werden, weil eine Endstufe natürlich nicht mehr in so eine kleine Kiste passt. Mit dieser Kombination lässt sich nahezu jede digitalisierte Musik mit einem Tablet oder Smartphone verwalten und abspielen.

          Nun wächst der Markt dieser Netzwerkspieler stetig. Ihre Hauptaufgabe ist das „Streaming“. Solche Geräte können Audiodaten aus dem Internet oder von der Netzwerkfestplatte verarbeiten, um sie an analoge oder digitale Geräte weiterzugeben. Die Hersteller reagieren dabei auf den wachsenden Markt von Streaming-Diensten, also Online-Angebote wie Spotify, Tidal, Deezer, Qobuz oder Apple Music, die ein riesiges Sortiment an Alben im Internet gegen eine monatliche Gebühr zur Verfügung stellen, werden zunehmend abonniert. Neue HiFi-Komponenten haben sie über die Software immer häufiger integriert.

          Doch Auralics kleine Kiste kann nicht nur mit Daten ausgewählter Streaming-Dienste umgehen. Im Aries Mini ist auch Platz für eine Festplatte im 2,5-Zoll-Format. Darauf lassen sich lokale Musikdateien mit dem Computer über das heimische Netzwerk kopieren. Wozu sollte man dies tun? Aus zwei Gründen: Erstens gibt es nach wie vor Musik, die in Online-Diensten fehlt. So sind etwa die Beatles bei keinem Anbieter zu finden. Wer sie hören will, braucht eine Datei, CD oder Schallplatte. Zweitens gibt es immer mehr Musikliebhaber, die sich ein Archiv aus hochauflösenden Audiodateien aufgebaut haben. Das sind digitalisierte Alben, deren Klangqualität sogar über die der Compact Disc hinausgeht.

          All diese lokal verfügbare Musik kann der Aries Mini auf einer Festplatte speichern und verwalten. Wählt man die günstige HDD-Variante, die noch in vielen Computern üblich ist, darf die Kapazität beliebig groß sein. Die teurere, leisere und sicherere SSD-Festplatte sollte höchstens ein Terabyte Kapazität haben. Der Aries Mini ist somit auch eine Netzwerkfestplatte (Nas) für Audiodateien. Wer schon ein eigenes Nas in Betrieb hat, kann auf dieses natürlich auf dem gleichen Weg zugreifen. Wer noch kein Nas für seine Musik hat, spart sich mit dieser Funktion den Kauf. Die Festplatte kann auch ein USB-Stick sein, den der Aries ebenso als „Musikbibliothek“ erkennt.

          Für jeden etwas dabei: Ethernet, USB (Stick und DAC) sowie optischer, koaxialer und analoger Ausgang Bilderstrecke
          Für jeden etwas dabei: Ethernet, USB (Stick und DAC) sowie optischer, koaxialer und analoger Ausgang :

          Die Steuerzentrale ist die App „Lightning DS“. Sie läuft auf dem iPad und iPhone. Noch in diesem Jahr wird eine Android-Version folgen. Mit der App nimmt man auch den ersten Kontakt zum Aries Mini auf, um ihn danach zu bedienen und die Musik zu verwalten. Einrichtung und Betrieb sind von Anfang an kabellos. Der Mini kann also gleich dort positioniert werden, wo die Lautsprecher oder die „alte“ HiFi-Anlage mit Verstärker stehen. Logisch nachvollziehbar und verständlich wird man durch das Menü geführt, bis die App einsatzbereit ist. Auralic hat sie übersichtlich und hübsch gestaltet, sie funktioniert reibungslos.

          Die überzeugende Idee, die hinter dem Konzept des Aries Mini steckt, ist die Reduktion auf ein Gerät und eine App. Die Hardware versorgt den Verstärker, was zum Beispiel auch ein Kopfhörerverstärker sein könnte, oder die Aktivboxen mit den nötigen Signalen, die entweder aus dem Internet oder von lokalen Festplatten kommen. Die App verwaltet übergreifend die Musik. Gibt man in die Suche Titel, Album oder Interpret ein, folgt eine Liste, die nacheinander die Treffer aus den verschiedenen Quellen zeigt. Wählt man das entsprechende Lied aus, holt sich der Aries die passende Audiodatei. Über den koaxialen, optischen oder USB-Ausgang gibt er sie digital weiter.

          Dieser Anschluss eignet sich für all jene, die Wert auf ihren bestehenden Digital-Analog-Wandler legen. Wer keinen eigenen besitzt, kann die Dienste des Wandler-Chips im Aries Mini in Anspruch nehmen und sich von ihm die digitalen Signale in analoge wandeln lassen. Dann kommt der Cinch-Ausgang zum Einsatz, an dem entweder Aktivboxen oder Verstärker Zugang finden.

          Auralic hat sich dazu entschlossen, nur Streaming Dienste zu integrieren, die ihre Musik unkomprimiert, also in CD-Qualität, zum Abruf bereitstellen. Audiophile dürfte es daher nicht überraschen, dass die App nur Abonnenten von Tidal oder Qobuz die volle Integration schenkt. Dies ist mittlerweile üblich bei Herstellern aus dem High-End-Bereich. Wer noch kein Tidal-Abo abgeschlossen hat und einen Mini kauft, kann übrigens die ersten drei Monate kostenlos testen.

          Doch Auralic schließt die Spotify- und Deezer-Gemeinde nicht aus. Denn der Aries Mini nimmt auch Signale per Airplay entgegen. Apple-Nutzer können also mit ihrem Macbook, iPad oder iPhone Kontakt mit der kleinen Kiste aufnehmen und so ihre Musik über das Netz schicken. Und sollte jemand weder die integrierten Streaming Dienste nutzen noch Nutzer von Apple sein, gibt es immer noch eine Bluetooth-Schnittstelle.

          Auch wenn der Begriff der „eierlegenden Wollmilchsau“ abgegriffen ist, passt er auf den Aries Mini. Nun könnte man glauben, dass so ein digitaler Universalversorger in dieser Größe einen hohen Preis hat, gerade weil Auralic bei seinen anderen Produkten in einer deutlich höheren Kategorie ansetzt und sich Qualität, Verarbeitung und Designs selbstbewusst bezahlen lässt. Doch den in dieser Kategorie als fair anzusehenden Preis von 500 Euro für den Aries Mini will das chinesische Unternehmen wohl nutzen, um noch mehr auf sich aufmerksam und potentielle Kunden schwach zu machen. Das könnte gelingen.

          Quelle: F.A.Z.

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