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Antischall-Headset von Bose : Mit dem Stöpsel kommt die Stille

Inklusive Akku- und Elektronikbox: Bose-Headset QC 20 Bild: Hersteller

Bose präsentiert seine ersten Ohrstöpsel mit Nebengeräuschunterdrückung. Die Quiet Comfort 20 kosten 300 Euro und liefern im Test ein gutes Ergebnis.

          Vielflieger kennen den schönen Luxus eines Antischall-Kopfhörers: Der Motorenlärm des Flugzeugs wird reduziert, man kann besser ruhen oder arbeiten. Die Antischalltechnik ist bereits einige Jahrzehnte alt und basiert auf einem einfachen physikalischen Prinzip: Die störenden Frequenzen werden ausgeschaltet, indem ihr Verlauf gemessen, die Phasenlage mit Elektronikhilfe um 180 Grad gedreht und dieses Ergebnis zusätzlich an die Ohren gegeben wird - auf fast wundersame Weise löschen sich die überlagernden Schallwellen aus.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Die klassische Bauform des Kopfhörers dominiert den Markt, seit Bose in den 1970er Jahren mit dieser Gerätekategorie startete. Neben Bose sind hier auch AKG, Sennheiser und Panasonic aktiv. Der Bose Quiet Comfort 15 (für rund 300 Euro) gilt unter Vielfliegern als das Maß aller Dinge. Nun präsentieren die Amerikaner ihre ersten Ohrstöpsel mit Nebengeräuschunterdrückung, die Quiet Comfort 20, die im September für ebenfalls 300 Euro in den Handel kommen. Das Reisegepäck wird dadurch leichter, man steckt sie wohl eher als den großen Kopfhörer ein.

          Was die Pressefotos in den Hintergrund rücken

          Die QC 20 haben wir einige Wochen ausprobiert, sie sind in einer Standardvariante (für Smartphones mit Android-, Windows-Phone- oder Blackberry-Betriebssystem) sowie in einer Apple-Version erhältlich. Die Musikübertragung erfolgt stets allein mit dem Kabel, Bluetooth fehlt. Sofort augenfällig ist, was die Pressefotos des Herstellers weit in den Hintergrund rücken: Die in den Kabelweg eingelassene Elektronik- und Akkubox, die neun Zentimeter hoch und fast drei Zentimeter breit ist. Sie befindet sich nahe dem (vergoldeten) 3,5-Millimeter-Klinkenstecker, und dieses baumelnde Anhängsel macht nicht immer eine gute Figur.

          Seitlich befinden sich ein Micro-USB-Anschluss zum Laden der Einheit und ein Schalter für die Aktivierung der Nebengeräuschunterdrückung. Die Ohrhörer selbst wirken unspektakulär, sieht man von dem hellen „Schiffchen“ ab, das in verschiedenen Größen auf die braunen Stöpsel gesteckt wird. Diese Einsätze sollen für eine mechanische Abdichtung des Innenohrs sorgen und den Umgebungslärm passiv (also ohne Elektronikeinsatz) senken. Auf Mundhöhe landet schließlich der Bediensatellit mit Mikrofon sowie drei Fronttasten und einer an der Seite. Die Verarbeitungsqualität wirkt sehr ordentlich.

          Leicht zu bedienen: Mit etwas Übung sitzen die Ohrstöpsel gleich beim ersten Versuch

          Im praktischen Einsatz gibt es nicht viel zu beachten: Mit etwas Übung sitzen die Ohrstöpsel gleich beim ersten Versuch. Da die Kabel sehr steif sind, können allerdings heftige Bewegungen dazu führen, dass sie aus ihrer optimalen Sitzposition herausgedrückt werden. Und dann stört, wie gesagt, die Elektronikbox, die ja irgendwo am Mann verstaut werden will.

          Ist die Antischalltechnik aktiviert, kommt man sogar ohne Musikberieselung ins Staunen: Niedrige, gleichförmige Frequenzen, wie sie etwa im Zug oder Flugzeug auftreten, werden so souverän beseitigt wie bei den großen Kopfhörern. Die sehr laute Klimaanlage im Büro wurde akustisch perfekt ausgeblendet. Und im Auto fährt es sich mit Gegenschall ebenfalls deutlich angenehmer. Glückwunsch, eine tolle Leistung. Höhere Frequenzen und menschliche Stimmen dämmt die Antischalltechnik prinzipbedingt weniger gut.

          Bis zu 16 Stunden Akku-Laufzeit

          Wer im Bahnhof auf die Durchsagen achten will, kann mit einem Tastendruck am Bediensatellit in den „Aufmerksamkeitsmodus“ umschalten, Stimmen aus der Umgebung sind dann verständlich zu hören, ohne dass man den Kopfhörer abnehmen muss. Bis zu 16 Stunden hält der Akku des QC 20 nach Angaben des Herstellers durch. Musik lässt sich danach auch ohne Stromversorgung und Antischalleinsatz hören.

          Geht es um die HiFi-Qualitäten des jüngsten Bose, kann man zufrieden sein. Aber es gibt durchaus noch Luft nach oben, wenn es um Präzision, Detailreichtum und Strahlkraft der Musikwiedergabe geht. Wer bei Bose-Lautsprechern als Erstes an ein aufdringliches Bass-Fundament denkt, darf sich bei diesem Kopfhörer hingegen über einen ausgewogenen Klang freuen. Hier hat man wohl auf die Kritik gehört. So ist das neue Bose-Headset eine spannende Erfahrung und eine gelungene Alternative zum großen Kopfhörer. Dass Antischall mit kleinen Ohrstöpseln so gut funktioniert, hätten wir nicht gedacht.

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