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Veröffentlicht: 18.01.2017, 11:00 Uhr

Airpods von Apple im Test Das können Apples neue Ohrcomputer

Das weiße Pärchen fürs Ohr hat es uns angetan. Denn die Airpods-Stöpsel von Apple eignen sich nicht nur zum Musikhören. Sie sind intelligente Wearables.

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© F.A.Z. Apples Airpods ausprobiert

Man kann es sich einfach machen und diese Bluetooth-Ohrenstöpsel als ein wie gehabt viel zu teures Apple-Produkt abtun. Andere Mitbewerber sind günstiger. 180 Euro verlangt Apple, und sie klingen nicht einmal herausragend. Doch das weiße Pärchen fürs Ohr hat es uns angetan. Die Funktionalität geht weit über die Musikwiedergabe und Telefonie hinaus. Eigentlich sind es Ohrcomputer. Sie warten brav in ihrem Häuschen auf den Einsatz, und wenn sie dann gefordert sind, verhalten sie sich so clever, als hätten sie eine eigene Intelligenz. Die Rede ist von den Airpods, die Apple Anfang September vorstellte und erst jetzt in kleinen Stückzahlen in den Handel kommen.

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Die Airpods sind ein typisches Apple-Produkt, sie verzichten fast vollständig auf Bedienelemente, was den Umgang mit ihnen einfach macht. Muss man bei einem herkömmlichen Headset wissen, welche Taste fürs Bluetooth-Koppeln zu betätigen ist und welche die Wiedergabe startet, ist hier alles simpel: Man öffnet die mitgelieferte Ladebox (mit Lightning-Anschluss an der Unterseite) in der Nähe eines iPhones: Schon sind die Airpods für alle zum iCloud-Konto des Nutzers gehörenden Geräte angemeldet - und einsatzbereit.

Denn es gibt nicht einmal einen Ein- und Ausschalter. Man nimmt die beiden Stöpsel aus der Box, setzt sie ins Ohr, und sie werden automatisch aktiviert. Auch während laufender Musikwiedergabe oder eines Telefonats. Mit optischen Sensoren und Beschleunigungssensoren erkennen die Airpods, ob sie sich im Ohr befinden. Man kann sie im Monobetrieb einohrig betreiben, auch das wird selbsttätig detektiert, und wenn man den Stöpsel dann aus dem Ohr nimmt, pausiert die Musikwiedergabe.

Gut für Siri und Spracherkennung

Nach dem Koppeln werden die Airpods allein mit dem Finger bedient: Ein doppelter Fingertipp auf das Gerätchen aktiviert Siri, um beispielsweise mit Spracherkennung die Musik auszuwählen oder die Lautstärke zu regeln - oder jede andere Siri-Aufgabe zu starten. Die Lautstärke kann man natürlich auch mit den Seitentasten des iPhones steuern. Die Airpods eignen sich jedoch aus einem Grund besonders gut für Siri und Spracherkennung: Eine Nebengeräuscherkennung filtert Störendes heraus, und zwei Mikrofone sind bei solchen Rechentricks immer besser als eins. Wir konnten im fahrenden Auto (auf dem Beifahrersitz) nahezu fehlerfrei Whatsapp-Nachrichten diktieren.

Jedoch funktioniert die Geräuschunterdrückung nur fürs Mikro, nicht für die Klangwiedergabe. Im Flugzeug muss man die Lautstärke sehr hoch aufdrehen, die Außengeräusche werden nicht unterdrückt. Auch ist der Klang der Kleinen bestenfalls gut, aber gewiss nicht sehr gut. Das sind die Kompromisse, die man angesichts der sehr kompakten Bauform machen muss.

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Außergewöhnlich indes ist die Reichweite und Stabilität der Audio-Verbindung. Im aktiven Ohreneinsatz laufen die Airpods etwa vier bis fünf Stunden für Musikwiedergabe und Telefonie. Ins Ladecase eingesetzt, lassen sie sich schnell wieder mit frischer Energie bestücken: Nach 15 Minuten sind drei Stunden Laufzeit erreichbar. Der im Ladecase fest eingebaute Akku erlaubt mehrfaches Betanken der Stöpsel, so dass Apple auf eine rechnerische Gesamtlaufzeit von 24 Stunden kommt.

Den Sitz der Airpods im Ohr hält der Autor für perfekt, auch beim Sport. Sie fallen nicht aus dem Ohr heraus. Dass ihr Design an eine Oral-B-Aufsteckzahnbürste erinnert, muss man als Spott hinnehmen. Apple gibt an, dass die Airpods nur mit iOS-10-Geräten oder einem Mac mit dem jüngsten Betriebssystem Sierra zusammenarbeiten. Sie lassen sich jedoch auch mit anderen Bluetooth-Geräten koppeln, indes verzichtet man auf einige Komfortmerkmale, etwa die Anzeige ihres Akkustands auf dem iPhone. Alles in allem ein teures Vergnügen, aber wegweisend. Die Airpods sind intelligente Wearables mit diskretem Charme, viel Zusatznutzen und zum Hören allein viel zu schade.

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