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Agfaphoto 830s : Nach dreißig Jahren ist der rote Punkt wieder da

Agfaphoto 830s: Der rote Punkt ist wieder da Bild: Hersteller

Hat da jemand an der Schraube einer Zeitmaschine gedreht? Die digitale Box Agfaphoto 830s mit Sensorauslöser erinnert in mehr als einer Beziehung an vergangene Zeiten. Und doch wäre es gemein, sie auf eine Stufe mit ihren Vorgängern zu stellen.

          Die aktuelle Agfaphoto 830s auspacken und einmal tief durchatmen: Es war, als habe jemand an der Schraube einer Zeitmaschine gedreht. Etwa 35 Jahre wird es her sein: Das wilde Schnappschießen der Lomographie konnte noch gar nicht erfunden sein, weil eben erst die Minox 35 EL - das Vorbild der Lomo LCA - als kleinste Kleinbildkamera der Welt auf den Markt gekommen war.

          Hans-Heinrich Pardey

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Da legten ein paar Studenten ihr Ausbildungswerkzeug, kiloschwere Mittelformat-Kamera und die subjektive Ästhetik à la Otto Steinert, an die Seite und begannen, im Stil der eigentlich nur im Urlaub knipsenden werktätigen Massen ihren eigenen Alltag zu fotografieren. Entsprechend dem hochpolitischen Blickwinkel dieses Projekts hatte das Werkzeug so einfach und kostengünstig wie möglich zu sein. Statt sorgfältiger Ausarbeitung schätzte man Billigabzüge von Foto-Quelle. Die Rollei 35 oder die neue Minox waren viel zu elitär, der PAK-126-Kassettenfilm (bekannter als Kodak Instamatic) musste es als Material sein. Negativformat 28 × 28 Millimeter, ausschließlich für den Amateurmarkt mit 12, 20 oder 24 Bildern konfektioniertes Filmmaterial.

          Die Design-Ikone Sensorpunkt

          Eine passende Kamera war die Agfamatic 200 Sensor - nicht das primitivste Modell einer sehr erfolgreichen Serie kleiner Kameras: Sie hatte den großen roten Punkt als Auslöser, und Rot war ja schon mal an sich gut. Das Triplet-Objektiv Agnar 1:8,2/40 mm war schärfer als der einlinsige Scherben in der Agfamatic 50. Die Einstellmöglichkeiten blieben volksnah bescheiden: vier Wettersymbole, das Incognito der vier Kombinationsmöglichkeiten von Blende und Belichtungszeit.

          Es wäre wirklich hundsgemein, die neue Agfaphoto 830s (rund 150 Euro) mit dieser Simpelkamera von anno dazumal auf eine Stufe zu stellen. Sicher, die heute an Plawa-Feinwerktechnik lizenzierte Marke versucht durch die Gestaltung mit dem kühn „Design-Ikone“ getauften Sensorpunkt bei den geschäftlich erfolgreichen alten Agfa-Zeiten anzuknüpfen. Und in heutiger Diktion handelte es sich anfangs der siebziger Jahre genauso wie bei der aktuellen Kamera um ein „Einsteigermodell“, das es seinem Benutzer bewusst einfach machen will. Aber in den drei Jahrzehnten sind die Ansprüche doch schon etwas gestiegen.

          Viele Funktionen und etwas Firlefanz

          Die in China gefertigte 8-Megapixel-Digitalbox (maximale Bildgröße 3264 × 2448 Pixel) mit einem CMOS-Sensor hat ein Dreifach-Zoom-Objektiv (entsprechend 36-108 Millimeter Kleinbildbrennweite) der Lichtstärke 2,8-4,8. Statt eines Suchers gibt es einen 2,4-Zoll-Monitor. Anders als beim noch einfacheren Modell Agfaphoto 530s lässt sich die Empfindlichkeit bis ISO 800 einstellen, was allerdings in keinem Fall eine Großtat ist.

          Die 830s speichert ihre Jpeg-Bilder auf eine SD/SDHC-Karte und wird mit Strom von zwei überall erhältlichen Mignonzellen (AA) versorgt. Sie kann Videos mit 720 × 480 Bildpunkten aufzeichnen und ist über USB 2.0 an den PC anschließbar. Sie bringt außer der Software dafür ein Täschchen und 32 MB internen Speicher mit sowie neben der Programmautomatik weitere zehn Motivprogramme und solchen Firlefanz wie Dekorrahmen, die man um Bilder legen kann.

          Reißt der Sensor-Auslöser alles raus?

          Nichts von alledem, weder die Bildqualität noch die winzige Menüführung oder die Arbeitsgeschwindigkeit, lässt einen stehend applaudieren. Reißt der Sensor-Auslöser alles raus? Er sieht sehr ähnlich dem, was Agfa 1969 auf den Markt brachte. 14 Millimeter Durchmesser in Rot lassen keinen Zweifel, wo und wie diese Kamera ausgelöst wird. Ja, das klappt gut, ist geradezu ein sinnliches Erlebnis: „Vollflächig“ drückt der Finger die Polyamid-Membran, ein Dorn unter der Mitte bewegt sich einen Zehntelmillimeter nach unten, ein Stromkreis wird geschlossen.

          Ganz abgesehen davon, dass man sich das präzise Druckgefühl heftig bei den Bedienungstasten auf der Rückseite wünscht: Der Sensor-Auslöser ist trotz Größe und trotz des gut tastbaren Druckpunkts heute seiner Konkurrenz nicht so weit voraus, wie es der rote Punkt seinerzeit gewesen sein mag.

          Quelle: F.A.Z.

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