Home
http://www.faz.net/-gyf-128er
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Advance Acoustic EZY 8 Von iPod bis Feinkost: Alles in einem Gehäuse

14.04.2009 ·  Dass man sich bei Advance Acoustic auch die gängigen Pfade zu verlassen traut, beweisen seine Music-Center der Baureihe EZY. Als Spitzenmodell der Serie überzeugt der EZY 8 vorallem durch eine USB-Buchse und eine Docking-Station für den iPod.

Von Gerold Lingnau
Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Zwischen billigem Zeug und erlesener Teuerware gibt es auch für den HiFi-Freund ein breites Zwischenreich, in dem natürlich in erster Linie die Wiedergabequalität zählt, aber für alle Nichtmillionäre auch das Preis-Leistungs-Verhältnis. Hier nach Vorteilhaftem zu suchen lohnt sich. Und man kann dem funktionierenden Markt dankbar sein, dass er derlei auch in anderen Ländern aufspürt und deutschen Käufern zugänglich macht.

So geschehen mit der 1995 gegründeten französischen Marke Advance Acoustic, deren Hersteller FVS unweit von Paris seinen Sitz hat und zunächst nur Lautsprecher produzierte, von 2003 an auch Verstärker und seit 2006 CD-Spieler. Heute hat er ein komplettes in Frankreich entwickeltes, aber wie üblich in China gefertigtes HiFi-Programm, das sich durchweg mit bestem Klang zu vernünftigen Preisen beliebt macht. In Deutschland hat sich seiner der Wiesbadener Importeur Domino Design angenommen (Telefon 06 11/70 01 65, www.domino-design.de).

Stramme 2 × 80 Watt Leistung an 8 Ohm

Dass man sich bei Advance Acoustic auch die gängigen Pfade zu verlassen traut, beweisen seine Music-Center der Baureihe EZY (der Anklang zu easy ist gewiss nicht unbeabsichtigt). Sie sind die Antwort auf die Hörgewohnheiten einer jungen Generation, die sich eher MP3-Downloads reinzieht als fertig gekaufte CDs und in der Wahl ihrer Musikquellen möglichst frei sein will. Ihnen ist der EZY 8 als Spitzenmodell der Serie (Preis rund 1000 Euro) auf den Leib geschneidert – zugleich als latente Versuchung, auch einmal den Schritt in höhere Musikgenüsse zu wagen. In einem Gehäuse der üblichen HiFi-Breite (44 Zentimeter), dessen Aluminium-Mittelteil in der sonst schwarzen Frontplatte zum Markenbild gehört, ist eine Fülle von Funktionen vereint.

Das fängt an bei einem CD-Spieler mit hochwertigem Laufwerk von CEC/Sanyo, dem man überdies eine klangverbessernde Röhren-Ausgangsstufe spendiert hat, und führt über einen RDS-Tuner und eine Verstärker-Sektion mit strammen 2 × 80 Watt Leistung an 8 Ohm bis hin zum eigentlichen Clou, einem kleinen Balkon links an der Gerätefront, der ganz den neuen Speichermedien gewidmet ist. Dort findet sich nicht nur eine Docking-Station für fast alle Sorten iPod, sondern auch eine USB-Buchse und ein Schlitz, den man mit SD-, MMC- und MS-Karten füttern kann. Die Steuerung der Vielfalt übernimmt eine Fernbedienung, die mit ihrem schmucken Aluminium-Gehäuse solide in der Hand liegt, aber leider nicht den Versuch macht, optische Ordnung in ihre insgesamt 35 identischen Knöpfchen zu bringen. Ohne genaues Hinschauen wird es also immer wieder zu Fehlgriffen kommen.

Keine Zufallswiedergabe, kein Anspiel-Scan und keine Titelprogrammierung

Die Gerätefront ist dagegen erfreulich übersichtlich geraten. Hier gibt es neben dem Netzschalter – Advance Acoustic hat bewusst auf eine Standby-Funktion verzichtet, aus heißt also wirklich aus –, dem Lautstärkesteller (mit fernbedienbarem Motorpotentiometer) und einer Taste für die Quellenwahl nur wenige weitere für die wichtigsten Laufwerks-Funktionen, außerdem eine Kopfhörer-Buchse. Die blaue Schrift im Display lässt sich gut entziffern. Nach Einlegen einer CD in die filigrane Schublade dauert das Einlesen eine ganze Weile. Und dann wird man mit ungewöhnlichem Purismus konfrontiert: Außer der Titelnummer und der abgelaufenen Titelzeit wird nichts angezeigt (also auch keine Restzeiten), und von ein paar Wiederholungsfunktionen abgesehen verweigert sich das Laufwerk allen zusätzlichen Wünschen – keine Zufallswiedergabe, kein Anspiel-Scan und, besonders bitter, keine Titelprogrammierung.

Dafür wartet es mit einer hervorragenden Fehlerkorrektur auf. Der Tuner empfängt Mittelwelle und UKW, die Sender können mit einem manuellen oder einem automatischen Suchlauf durchforstet und auf 30 Speicherplätzen abgelegt werden. Wo vorgesehen, kann die Programmart gewählt und angezeigt werden. Mit der Verwendung datenreduzierter Medien gibt es keine Probleme, iPod-Inhalte sind zum Abspielen mühelos über die Fernbedienung zu sortieren. Externe Hochpegel-Quellen können über vier analoge Cinch-Eingänge angeschlossen werden, zudem ist ein Vorverstärker-Ausgang verfügbar. Für AM- und FM-Antennen sind getrennte Anschlüsse vorhanden. Digitale Signale kann der EZY 8 über einen Cinch- und über einen optischen Ausgang weitergeben. Für die Lautsprecher stehen solide Schraubklemmen bereit, die auch Bananenstecker aufnehmen.

Das Aufstellungsproblem

Advance Acoustic empfiehlt zum EZY 8 ein Lautsprecher-Set zum Preis von rund 1100 Euro, das aus zwei Satelliten namens EZY-Sat und dem Aktiv-Subwoofer EZY-Sub besteht. Dieser hat nicht die gewohnte Würfelform, sondern ein 67 Zentimeter hohes und knapp 30 Zentimeter breites Bassreflex-Gehäuse in schwarzem oder weißem Hochglanz-Finish. Hinter der abnehmbaren Stoffbespannung arbeiten zwei langhubige Konus-Chassis mit 17 Zentimeter Durchmesser, die von einem 100-Watt-Verstärker angetrieben werden; mit Drehstellern lassen sich Lautstärke, Phase und die Übergangsfrequenz zu den Satelliten vorgeben. In diesen sind zwei 11-Zentimeter-Konusmitteltöner – ebenfalls von einem Bassreflexrohr unterstützt – symmetrisch zu einer 25-Millimeter-Hochtonkalotte plaziert (sogenannte D’Appolito-Anordnung). Die 36 Zentimeter hohen und 18 Zentimeter breiten Gehäuse passen optisch perfekt zu dem des Subwoofers.

Probleme macht allerdings die Aufstellung. Hochkant, wie eigentlich gedacht, können die Satelliten nicht stehen, weil sie auf der einen ihrer Schmalseiten sofort umkippen würden und an der anderen die vom Terminal wegführenden Lautsprecherkabel im Wege sind. Es bleibt also nur die waagerechte Lage nach Art eines Center-Lautsprechers oder die ebenfalls vorgesehene Wandaufhängung. Der Woofer, den man gleichermaßen an der Wand montieren kann, vermag zwar auch aufrecht zu stehen, doch beide Positionen bieten einen unschönen Anblick, weil sowohl Netz- wie Verbindungskabel seitlich und nicht hinten angeschlossen werden. Fürs Einstellen der Woofer-Parameter am Terminal ist damit freilich beste Zugänglichkeit gesichert.

Doch entscheidend ist der Klang der vierteiligen Anlage

Wie immer man das Aufstellungsproblem auch löst: Entscheidend ist der Klang der vierteiligen Anlage. Und da lässt sie nichts anbrennen. Die Einstellung des Subwoofers auf den Hörplatz – der Tiefbass muss sich unaufdringlich ins Gesamtbild einfügen – erfordert einige Sorgfalt, ist aber bald erledigt. Und dann spielt der EZY 8 wirklich tadellos auf. Mit guten CDs baut er weit ausgeleuchtete Räume auf, die Röhren-Endstufe rundet speziell die Höhenwiedergabe vorteilhaft ab. Der Bass lässt sich von keiner noch so harten Attacke einschüchtern, er bleibt sauber konturiert und ohne Mulmigkeit.

Auch die UKW-Wiedergabe kann sich hören lassen, wenn das Sendematerial von ausreichender Qualität ist; für schwache Stationen kann als Nothilfe von Stereo auf Mono umgeschaltet werden. Und der iPod? Er ist im Handumdrehen auf seinen Stecker geschoben und legt dann los, als wolle er sich mit High-End-Geräten messen. Das kann er natürlich nicht, aber der EZY 8 macht eine ganze Menge aus dem Signalangebot des kleinen Apple. So kann aus datenreduziert Eingemachtem durchaus eine wohlschmeckende Ohrenmahlzeit werden. Das gilt auch für anderes Material auf Karte oder an der USB-Buchse: Mit welchen Musikspeichern die Kumpels auch ins Haus fallen, abgespielt wird alles. Und wen es nach Höherwertigem gelüstet, der ist mit der Anlage ebenso gewappnet. Das Upgrade jederzeit zur Hand: Wenn das keine nette Option ist?

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Mit Mazda ein Romeo

Von Wolfgang Peters

Wenn sich zwei leidlich gesunde Automarken, ohne eine Hochzeit im Himmel zu zelebrieren, miteinander ins Bett legen, dann kommt ein Roadster dabei heraus. Alfa Romeo und Mazda haben genau diese Autoform im Sinn. Mehr