26.12.2008 · Der fränkische Fernseher-Spezialist Metz wird 70 Jahre alt: Während andere deutsche Branchenmitspieler, ob Telefunken, Nordmende, Saba oder Grundig, längst die Segel streichen mussten, produziert Metz unverdrossen weiter.
Von Wolfgang TunzeAsterix lässt grüßen: Wie das kleine Dorf in Gallien mit Witz und Mut der römischen Umzingelung trotzt, so sieht sich Metz, der mittelständische fränkische Fernsehgerätehersteller, als unerschütterliche Bastion im Wettbewerbsumfeld globalisierter Elektronik-Riesen. Weshalb uns der launige Vergleich einfällt? Weil es im ausgehenden Jahr noch eine kalendarische Notiz zu würdigen gilt: Metz erlebte anno 2008 sein 70. Lebensjahr. Während andere deutsche Branchenmitspieler, ob Telefunken, Nordmende, Saba oder Grundig, längst die Segel streichen mussten, produziert Metz unverdrossen weiter.
Und das ist uns einen zweiten Blick auf das Unternehmen wert. Was hält die Franken im Spiel? Unter anderem die Grundsatzentscheidung, die Vertriebsform der großen Elektronik-Supermärkte zu meiden und ganz auf den Fachhandel zu setzen – auf Geschäfte also, in denen sich der Chef persönlich noch Zeit für intensive Beratung nimmt und nach der Auslieferung nicht eher weicht, bis alles funktioniert.
In der Röhren-Ära zählten Guckkästen im Nussbaum-Outfit
Das klingt nach wertkonservativem Idyll – einer Ausrichtung, die zeitweilig bis hin zum Gerätedesign das Bild des Unternehmens prägte: In der Röhren-Ära zählten Guckkästen im Nussbaum-Outfit, passend zur Schrankwand, durchaus zum Kernsortiment. Doch mit der Flachbild-Revolution trat auch der Hang zu biederen Farben und Formen in den Hintergrund: Die jüngsten Spitzenmodelle des Hauses schmücken sich mit zeitgemäß kühlen Werkstoffen wie Glas und Aluminium, und vor allem: Das Innenleben der Apparate war schon auf der Höhe der Zeit, als die japanischen Matadoren der Branche noch mit keinem einzigen Gerät der Tatsache Rechnung trugen, dass es seit 1997 in Deutschland digitale Fernsehübertragung gibt.
Bereits zur Jahrtausendwende ließen sich in die modular aufgebauten Chassis der Metz-Geräte digitale Empfänger einstecken. Heute gehören sie in allen Modellen zum Standard-Inventar. Und Geräte der gehobenen Klassen kann man mit diversen Empfangsteilen ganz nach Wunsch konfigurieren – HDTV-Empfang eingeschlossen. Selbst Festplatten zum Mitschneiden gehören zu den Ausstattungsoptionen im Modulkonzept. Die Hochrüstung nach dem Baukastenprinzip klappt sogar nachträglich: Wer mag, kann auch mit einem drei Jahre alten Apparat HDTV gucken, ohne dazu eine Settop-Box anstöpseln zu müssen.
Vorzüge, die ein Global Player nicht bieten kann
Und wenn es gilt, hierzu nötige Operationen am offenen Gerät durchzuführen, verschwindet der elektronische Hausgenosse keineswegs in einem anonymen Servicebetrieb. Die Kundendiensttechniker des Hauses sind persönlich an ihren Arbeitsplätzen erreichbar – eine Wohltat im Zeitalter von Callcentern, die ihre Anrufer gern in Warteschleifen verrotten lassen. Dies alles sind bestechende Vorzüge, die ein Global Player so überhaupt nicht bieten kann. Und deshalb haben die Franken sportliche Chancen, auch das nächste Jubiläum im Geiste des ungebrochenen Widerstands zu feiern.