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60 Jahre Fernsehen Guten Abend, meine Damen und Herren!

Das Fernsehen in Deutschland wird 60 Jahre alt. In der DDR begann der reguläre Sendebetrieb schon am 21. Dezember 1952, der NWDR folgte vier Tage später. Technisch hat sich seitdem einiges geändert.

© dpa Vergrößern Mrs. Tagesschau: Dagmar Berghoff begrüßte im Juni 1976 zum ersten Mal das Publikum

Das Weihnachtsfest 1952 brachte den Deutschen ein Geschenk von beispielloser Nachhaltigkeit: Mit einem Doppelstart in Ost und West nahm das Fernsehen seinen regelmäßigen Betrieb auf, und zwar nach einem Wettbewerbsmuster, das wir später im Zusammenhang mit dem Sputnik-Schock noch genauer kennenlernen sollten. Schon zwei Jahre zuvor hatte sich in der Bundesrepublik die ARD (die Arbeitsgemeinschaft der Rundfunkanstalten Deutschlands) formiert und mit Volldampf begonnen, die regelmäßige Ausstrahlung bewegter Bilder vorzubereiten. Doch die DDR war schneller: Am 21. Dezember, pünktlich zum Geburtstag des Genossen Stalin, legte der Deutsche Fernsehfunk (DFF) mit zwei täglichen Sendestunden los - im eigens errichteten Ostberliner Fernsehzentrum Adlershof.

So erlebten die Westfunker zunächst einen taktischen Rückstand, doch ein paar Tage später, am 25. Dezember, schafften sie mit dem „NWDR-Fernsehen“ den Ausgleich. Schon am zweiten Weihnachtsfeiertag ging dann zum ersten Mal die Tagesschau über den Äther. Damals waren Westdeutscher Rundfunk und Norddeutscher Rundfunk noch im NWDR vereint (bis 1955).

Abenteuerliche Relation von Preis und Bildfläche

Technisch nahm der Fernsehstart eigentlich schon die friedliche Koexistenz vorweg, denn das Fernsehen diesseits und jenseits der innerdeutschen Grenze beruhte auf identischen Parametern. Auf 576 sichtbare Bildzeilen hatten sich Europas Fernseh-Vordenker schon sieben Monate zuvor in der Stockholmer Konferenz geeinigt - eine Auflösung, die heute noch Millionen Bildschirme füllt und die erst allmählich von HDTV-Rastern mit 720 oder 1080 Zeilen abgelöst wird.

22551249 1952: Ansagerin Angelika Feldmann © NDR Bilderstrecke 

Auch die Frequenz von 25 Einzelbildern - genauer: von 50 Halbbildern in jeder Sekunde nach dem Prinzip des Zeilensprungs - war identisch. Folglich funktionierte grenzüberschreitender Fernsehempfang problemlos, von limitierten Sender-Reichweiten einmal abgesehen. Allerdings sollte die technische Kompatibilität erst später ihre so wichtige politische Bedeutung erlangen. Denn anno 1952 war die Errungenschaft des Fernsehens noch ein Thema für exklusive Minderheiten. Ganze 300 Empfänger standen zum Weihnachtsfest in westdeutschen Wohnstuben, nur 60 gab es in der DDR.

Bis zum Jahresende gingen in der Bundesrepublik Deutschland immerhin 4000 Fernsehgeräte über den Ladentisch - zu Preisen von etwa 1000 Mark, dem Mehrfachen eines Monatslohns von Arbeitern und Angestellten. Die Relation von Preis und Bildfläche blieb vorerst noch abenteuerlicher: 22×22 Zentimeter maßen die ersten Bildröhren.

Tragbare Dimensionen

In Richtung Massenphänomen entwickelte sich das Fernsehen zunächst im Schneckentempo. Immerhin: Als Elisabeth II. 1953 in London zur Königin gekrönt wurde und das Medium seine erste internationale Live-Übertragung erlebte, hockte vor jedem Bildschirm nicht nur die Familie, sondern gleich die ganze Nachbarschaft. Ein Jahr später, 1954, hatte der Bestand schon 100.000 Geräte erreicht. Von da an ging es steiler bergauf: 1957 meldeten die Statistiken die erste Fernseher-Million in den Wohnzimmern, von der zweiten kündeten die Marktdaten bereits 1959. Keine Frage: Der Guckkasten avancierte zum Statussymbol im fortgeschritten Wirtschaftswunder.

In den frühen sechziger Jahren nahm in der Bundesrepublik die Idee, das bis dahin einzige Fernsehprogramm um ein zweites zu ergänzen, konkrete Gestalt an. So erprobte die ARD zwischen 1961 und 1963 zunächst ein ARD2 genanntes Projekt, zog diese Initiative aber wieder zurück. Bundeskanzler Konrad Adenauer entwickelte Ambitionen auf einen Fernsehkanal im Dienst der Regierung, scheiterte damit aber schließlich am Verfassungsgericht. 1963 dann startete das ZDF - und damit die unaufhaltsame Entwicklung zu mehr Vielfalt. Schon ein Jahr später nahmen in den Bundesländern Dritte Programme den Sendebetrieb auf.

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