Home
http://www.faz.net/-gy9-77quo
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Audi A1 Quattro Die Muskeln des Mopses

Der stärkste Audi A1 kostet nicht 50.000, sondern 100 Euro weniger. Angeblich ist die Auflage auf 333 Exemplare limitiert. 12,52 Euro für jeden Millimeter pure Lust am Fahren.

© Hersteller Vergrößern Der kleine Audi Quattro macht keinen Hehl aus seiner Veranlagung

Um 1965 herum gab es einen Fiat Abarth 850 TC. Das war eigentlich ein Fiat 600 mit Heckantrieb, eine veraltete, aber wunderbar leichtfüßige Konstruktion mit Sitzen wie Stühle am Strand auf Capri und mit dubiosen Fahreigenschaften. Als Abarth kam er auf ungefähr 65 PS. Das schmalhüftige Auto wog etwas über 600 Kilo, rannte 145 km/h und machte jeden VW Käfer nieder. Damit war man also schon der Hälfte des damaligen Autovolkes überlegen. Und die Opel Rekord und die Ford Taunus waren zwar ebenbürtig, aber ihre Fahrer bremsten immer viel zu früh. Vielleicht hätten wir den Abarth noch heute, wenn die B300 diese Kurve nicht so entschlossen zugemacht hätte.

Audi A1 quattro /Standaufnahme © Hersteller Vergrößern Das schwarze Dach staucht das 1,42 Meter hohe Auto optisch zusammen

Wolfgang Peters Folgen:  

Die sanft beginnende, dann immer stärker nach innen ziehende Kurve haben wir jetzt mit dem 49900 Euro teuren Audi A1 2.0 TFSI quattro wieder besucht. Und haben sie kaum bemerkt. Dabei waren wir mit dem A1 aus dem schieren Vergnügen an der Stabilität des Fahrens durchaus zügig, aber im Rahmen der Vorschriften unterwegs. Das bedeutete, mit den erlaubten 100 km/h anzukommen, rechtzeitig in den dritten Gang zu gehen, den A1 ganz kurz im Schiebebetrieb zu halten, einzulenken und dann, die Leistung nutzend, wieder unter Gas und ohne Zögern oder Lupfen herauszuziehen. Die Kurve müssen wir nicht mehr aufsuchen, sie hat ihren Schrecken verloren, der Abarth ist gerächt durch ein modernes Auto, das sein Erbe trägt.

Audi A1 quattro /Cockpit © Hersteller Vergrößern Im Innenraum vorne eng geschnittene Sportsitze

Audi ist ja nicht als besonders humorig in der Branche bekannt. Eher das Gegenteil ist der Fall. Die Marke ist mit der Ernsthaftigkeit des Goldesels im VW-Konzern um Reputation und Rendite bemüht. Man kann ihr das nicht verdenken, die Kunden honorieren das coole Design, Qualität und Leistung, und unter den vier Ringen findet vorzugsweise jener technische Fortschritt statt, der pragmatisch ist für den Alltag und der zu hohen Preisen offeriert wird, aber noch bezahlbar ist. Als Grundsatz gilt in der Ingolstädter Zentrale: Wenn die deutsche Kanzlerin Audi fährt, dann darf im Umfeld der Marke weder gekichert, gelächelt oder gelacht noch gekeucht oder gestöhnt werden. Arbeiten ist erlaubt, geschwitzt wird nicht. Aber dann gibt es diesen fesch-forschen, alle Hierarchien in Grund und Boden brummenden, summenden, knallenden und lospfeifenden A1, der ist wie ein in der Kraftkammer aufgepumpter Kampf-Mops, der nicht mehr als Schoßhund taugt, weil er nur noch dampfender Muskel und dynamische Masse ist.

Kurze Schnauze, stark abgesetzte dunkle Schatten und statt des Ringelschwanzes ein Spoiler aus dem Kabinett eines Tuners, der eigentlich Tischler werden wollte: der heftigste und kräftigste Serien-A1 (angeblich limitierte Auflage von 333 Exemplaren) aller Zeiten ist wahrlich keine Lachnummer, aber doch Beweis für die Fähigkeit zum Lächeln in der Audi-Entwicklungsabteilung. Diese kleine Heiterkeit überträgt sich rasch auf den Fahrer. Er löst sich nach einer längeren, strengen Fahrt aus dem A1 quattro mit dem verklärten Gesichtsausdruck eines Menschen, der das Glück fühlt, den Abarth überlebt zu haben, und streicht sich das durchgeschwitzte Hemd am Rücken glatt.

Audi A1 quattro /Fahraufnahme © Hersteller Vergrößern Auf einer Länge von 3987 Millimeter bietet dieser Audi eine Welt des Gegensatzes

Auf einer Länge von 3987 Millimeter bietet dieser Audi eine Welt des Gegensatzes. Der Anabolika-Kleinwagen kauert breit und böse auf der Straße, vorne die schwarze Mops-Schnauze mit den tückisch blinzelnden Scheinwerfern und den riesigen Einlässen für die kühlende Luft. Das schwarze Dach staucht das 1,42 Meter hohe Auto optisch zusammen. Hinten der bereits erwähnte Spoiler, darunter eine schwarze Fläche mit dem Kennzeichen, dann die Abschlussschürze mit den beiden dicken Endrohren der Abgasanlage. Im Innenraum vorne eng geschnittene Sportsitze (absolut tauglich für die lange Strecke) in Leder mit roter Paspelierung, ein geriffelter Alu-Schaltknauf, der jederzeit kühl bleibt, das kleine Lenkrad mit der unangenehmen Abflachung unten, dann rot glühende Instrumente, Drehzahlmesser bis 7000, Tacho bis 280, alles etwas zu sehr auf Hitze und Hölle getrimmt. Aber dann startet die 2-Liter-Maschine: direkte Einspritzung von Super Plus, 256 PS (188 kW) bei 6000/min, 350 Newtonmeter Drehmoment, aus dem Stand in etwa sechs bis sieben Sekunden auf 100 km/h.

Der Allradantrieb vermeidet kraftzehrenden Schlupf, Höchstgeschwindigkeit sind 248 km/h, als Durchschnitt werden 9,8 Liter notiert, 11,4 als Maximum, minimal waren es 9,5 Liter, der Tank fasst nur 45 Liter. Schon der etwas unruhige Leerlauf gibt eine Ahnung von jener Glut, die man dem A1 trotz der tuninghaften Aufmachung nicht zutraute. Der erste Gang fällt in den brodelnden Kessel der Kraft, dann schmilzt schon der zweite, und der dritte genügt für die Landstraße. Hochschalten holt neue Töne ins Innere, der Motor reagiert auf winzige Bewegungen des Gaspedals. Sechsganggetriebe, die präzise Lenkung, alles passt zusammen und fügt sich wie vorbestimmt zu einem faszinierenden Ablauf der fahrerischen Prozesse. Da zeigt sich das ernsthafte Wesen des A1 quattro, die seriöse Andersartigkeit.

Audi A1 quattro /Standaufnahme © Hersteller Vergrößern Der Tank fasst nur 45 Liter

Humor ist, so lernt es der Fahrer, wenn man nach 300 Kilometern trotzdem noch lachen kann. Denn es wird nicht wirklich gemütlich in der kleinen Kraftkapsel. Der Motor tobt, die harte Federung klopft den Fahrer mürbe. Wenn die Vorderachse eine Querfuge trifft, dann kracht es wie Donnerschlag durch das Auto, und die Lenkung fordert kräftiges Zupacken. Zudem ist hohe Konzentration gefordert. Jenseits von 220 km/h wird das Auto unruhig, es bewegt sich etwas um die Hochachse, die Räder folgen gerne den Rinnen in der Fahrbahn, und die Winterreifen verwässern ein wenig die Präzision des Fahrwerks. Dieser A1 kann natürlich auch bummeln und grummeln, aber dann könnte man auch einen Diesel nehmen.

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Renault Twingo Der macht die Technikwelt verrückt

Weil immer mehr Menschen nicht mehr auf dem Land leben, reden alle vom urbanen Auto. Renault baut es. Der neue Twingo ist von 9590 Euro an zu haben. Mehr

14.09.2014, 08:00 Uhr | Technik-Motor
Von lauen Lüften und stürmischen Verführungen

Das kleine Cabriolet von Audi ist ein echter Himmelsstürmer. Der gewachsene Kofferraum macht es reisetauglich, das leise Akustik-Stoffverdeck ebenfalls. Wenn nur die lange Aufpreisliste nicht wäre. Mehr

07.05.2014, 09:00 Uhr | Technik-Motor
Mazda MX-5 Der macht die Roadsterwelt verrückt

Kürzer und knackiger: Mazda hat die vierte Generation seines legendären Roadsters MX-5 vorgestellt. Dank Leichtbautechnologie schaffte es Mazda, das Gewicht unter 1000 Kilogramm zu drücken. Mehr

11.09.2014, 17:04 Uhr | Technik-Motor
Große Schäden nach Unwetter im Taunus

Es dauerte nur wenige Sekunden, aber der Schaden ist groß, den eine Windhose am Sonntag in Bad Schwalbach im Taunus hinterließ. Zuvor waren schwere Unwetter über Rheinland-Pfalz und Hessen hinweggezogen. Mehr

11.08.2014, 14:35 Uhr | Gesellschaft
Fahrbericht: Mitsubishi Outlander PHEV 4WD Top Wegweisend oder weg weisend?

Der Mitsubishi Outlander PHEV ist das erste Hybrid-SUV mit Plug-in-Technik. Das bringt ihm ordentlichen Aktionsradius und die japanische Marke ein gutes Stück voran. Mehr

05.09.2014, 11:21 Uhr | Technik-Motor
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 23.03.2013, 08:00 Uhr

Umfrage

Wird die Apple Watch ein Erfolg?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.

Alle Jahre wieder

Von Lukas Weber

Der erste bundesweite „Blitzmarathon“ im vergangenen Jahr muss ein schöner Erfolg gewesen sein. Sonst würde die Prozedur nicht an diesem Donnerstag wiederholt. Mehr 4 2