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Assistenzsysteme in der S-Klasse : Denken, lenken, duften, massieren

Voll animierte Bildschirme, Uhren mit Zeigern Bild: Daimler AG

Die neue S-Klasse von Mercedes-Benz macht mit ihren zwanzig Assistenzsystemen (fast) alles selbst. Unfälle vermeiden oder deren Folgen minimieren ist ein Ziel der Ingenieure. Den Komfort erhöhen ein zweites.

          „Die Einführung einer Mercedes-S-Klasse ist ein Jahrhundertereignis. Nur viel häufiger“, schrieb diese Zeitung im Jahr 2005. Schon ist wieder ein Jahrhundert vorbei, und die Vorstellung der S-Klasse des Jahres 2013 ist tatsächlich wieder ein Großereignis geworden. Vor allem aber ist das Auto ein Großereignis der Technik. Sage und schreibe zwanzig Assistenzsysteme verrichten in der neuen Luxusklasse aus Stuttgart ihren Dienst.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Unfälle vermeiden oder deren Folgen minimieren ist ein Ziel der Ingenieure, über das man nicht diskutieren muss. Den Komfort erhöhen ein zweites. Über das dritte lässt sich streiten: Mercedes-Benz möchte das autonome Fahren so weit vorantreiben, dass sich ein Auto vollkommen selbständig bewegen kann. Es gehe darum, „lästige Situationen dem Fahrer abzunehmen“, sagt der Vorstand. Und immer dann, wenn Fahren Spaß mache, solle der Fahrer übernehmen können. So weit ist es noch nicht, auch weil rechtliche Gründe gegen den Autopiloten sprechen. Die Vorstufe aber, das teilautonome Fahren, führt die jetzt vorgestellte S-Klasse an Bord.

          Im Stau oder zähen Verkehr lenkt und bremst und beschleunigt sie bis zu einer Geschwindigkeit von 60km/h automatisch. Ein Dutzend Kameras und Radarsensoren erfassen das Geschehen rund um das Auto. Sie erkennen durchgezogene und gestrichelte Linien, Verkehrszeichen, Fahrzeuge vor und hinter der S-Klasse sowie Fußgänger und Tiere sogar in unbeleuchteter Umgebung. Daraus speisen sich auch jene Sicherheitssysteme, welche die Spur halten und belegte Nachbarspuren erkennen, das Dauerfernlicht einregeln, den Grad der Müdigkeit des Fahrers überwachen, die Bilder der Wärmebildkamera ins Armaturenbrett einspielen, im Gefahrenbereich laufende Fußgänger anblinken und eine Kollision durch eine autonome Vollbremsung bis zu einer Fahrgeschwindigkeit von 50 km/h verhindern sollen.

          Erste Testfahrten Anfang Juli

          Auf den nachfolgenden Verkehr nimmt das Auto Rücksicht, indem es die Intensität von Bremslicht und Blinker bei Nacht oder während des Halts an einer roten Ampel abschwächt. Zuständig dafür sind LED-Leuchten, die auch sonst überall einziehen. Es gibt im gesamten Fahrzeug keine einzige Glühlampe mehr. Fast 500LED sind für die Beleuchtung von Straße, Fahrzeug, Innen- und Kofferraum zuständig: Je Scheinwerfer bis zu 56, je Rückleuchte 35, und im Innenraum mit seiner in sieben Farben einstellbaren Ambientebeleuchtung weitere 300.

          Dem Fahrwerk werden geradezu magische Fähigkeiten zugesprochen, was sich nach ersten Testfahrten, die für Anfang Juli vorgesehen sind, beurteilen lassen wird. Mercedes-Benz verspricht einen Zustand des Schwebens wie auf einem fliegenden Teppich, jedenfalls wenn man zum S 500 mit Achtzylinder greift. Denn (nur) für dieses Modell lässt sich Magic Body Control zum Aufpreis von 5057,50Euro bestellen. Mit Kameras soll die S-Klasse als erstes Auto der Welt Bodenwellen im Voraus erkennen und das Fahrwerk in Millisekunden einregeln, so dass die Insassen von Unruhen weitgehend verschont bleiben. Serienmäßig sind adaptive Dämpfer und Luftfederung. Für die Abschottung gegen Lärm sind zudem aufwendige Dämmung sowie der rekordverdächtige cw-Wert von 0,24 zuständig.

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