Das Unheil nimmt langsam Anlauf. Mal fassen wir Kraftstoff bei Shell, mal bei Esso, mal bei Aral. Hin und wieder sitzt der Junior mit im Gefährt, am Vorgang „aussteigen, Tankdeckel öffnen, Pistole einführen, zapfen, Pistole einhängen, Tankdeckel schließen, an der Kasse warten, bezahlen, über den Preis stöhnen, einsteigen“ hat er nach anfänglicher Neugier die Lust verloren. Und er hat, soweit wir das überblicken, keine Lieblingsmarke. Er hatte.
Plötzlich taucht bei den blauen Freunden des Verbrennungsmaterials eine Werbeaktion auf, welche die geschätzte Aufmerksamkeit entfacht. „Tank dich fit“, fordert Aral, je zehn Liter Kraftstoff drückt der Tankwart einen Stempel in ein Heft, und schon nach 40 Stempeln gibt es zum symbolischen Preis von 99 Cent einen Fußball. Fortan sind Shell doof und Esso öde, der betriebswirtschaftliche Exkurs über den Gegenwert von 400 Litern verpufft wie holländische Ballkunst am Elfmeterpunkt. Endlich ist das Heft voll, da spricht der freundliche Tankwart: „Der Chef hat die Kammer schon zugesperrt, kommen Sie bitte morgen wieder. Außerdem läuft die Aktion ja noch bis Anfang September.“ Am nächsten Tag: „Oh, leider sind keine Fußbälle mehr da. Aber wir bekommen jede Woche eine neue Ladung.“ Solange Vorrat reicht, steht in den Teilnahmebedingungen, wir ahnen, wie die Sache ausgeht. Den Sohn nicht enttäuschen, Fußball im Sportgeschäft kaufen, bei Shell tanken.
Solange der Vorrat reicht? Lug und Trug.
Karl S. Walter (skeptiker01)
- 20.06.2012, 22:11 Uhr