Home
http://www.faz.net/-gy9-73g45
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 10.10.2012, 08:00 Uhr

Apples iPhone 5 im Test Die kühle Klasse zeigt erste Brüche

Das iPhone 5 im Praxistest: LTE begeistert, aber die neuen Karten und das Design lassen zu wünschen übrig. Den Fortschritt muss man suchen.

© Hersteller Schon jetzt ein Bestseller, aber wie immer teuer

Nimmt man das Gerät zum ersten Mal in die Hand, ist man doch überrascht, dass es so viel leichter und dünner als der Vorgänger ist. Die eingesparten 28 Gramm sind fühlbar, das iPhone 5 bescheidet sich mit insgesamt 112 Gramm, und es ist nur noch 7,6 Millimeter dünn. So wirkt dann plötzlich das iPhone 4S wie ein gedrungenes Moppelchen. Die zusätzliche Höhe ist der vergrößerten Display-Diagonale von 4 Zoll (10,2 Zentimeter) und der auf 1136 × 640 Pixel gewachsenen Bildschirmauflösung im Seitenverhältnis 16:9 geschuldet. Das Neue kleidet sich jetzt rückseitig mit Aluminium, die Fläche ist etwas empfindlicher gegenüber Kratzern.

Michael Spehr Folgen:

Wie gehabt, verwendet Apple für den Bildschirm die IPS-Technik, die im Unterschied zu einer Amoled-Anzeige auch bei hellem Sonnenlicht ablesbar bleibt, aber nicht die satten Schwarzwerte der Konkurrenz liefert. Allerdings ist das Gebotene überragend, wenn es um Farbtreue und -sättigung, Helligkeit und Kontrastverhältnis geht. In dieser Hinsicht ist das Display ein Meilenstein. Nur meinen wir nach wie vor, dass die Anzeige wie beim Samsung Galaxy S3 und anderen Androiden breiter sein könnte. Das iPhone 5 ist nur in die Höhe geschossen, andere Oberklasse-Modelle trumpfen mit Auflösungen von 1280 × 720 Pixel auf.

Apples Argument ist stets, dass man das iPhone mit einer Hand bedienen können soll. Das erscheint wenig stichhaltig, zumal ja der Finger nur selten nach links oben wandern muss. Viele Apps sind mittlerweile an das neue Bildschirmformat angepasst, man sieht mehr Inhalte auf einen Blick, etwa zehn E-Mails in der zweizeiligen Ansicht untereinander, großartig. Bei älteren Apps erscheint oben und unten ein schwarzer Streifen, erwähnenswerte Kompatibilitätsprobleme gibt es nicht. Nur ist die unzuverlässig arbeitende Helligkeitsregulierung des 5er-Displays ein fortwährendes Ärgernis.

Mehr zum Thema

Die zweite wichtige Neuerung betrifft die Kamera. Sie löst wie beim Vorgängermodell mit acht Megapixel auf, ist aber lichtempfindlicher. Wo man in dunkler Umgebung mit dem iPhone 4S und maximal ISO 800 so gut wie nichts sieht, liefert das iPhone 5 ein (verrauschtes) Bild mit ISO 3200. Die Unterschiede sind krass. Jenseits solcher Extremversuche ist der Gewinn bei Aufnahmen mit wenig Licht immens. Abends im Restaurant oder in der Bar gelingen durchaus ordentliche Schnappschüsse. Derzeit allerdings nur mit Apples Kameraanwendung und nicht mit anderen Apps, die zunächst den „Low-Light-Boost-Mode“ adaptieren müssen. Aber: Es nähert sich schon ein Rivale, der mit schwachem Licht noch besser umgehen kann, das Nokia Lumia 920.

Ein weiterer Pluspunkt der 5er-Kamera ist neben der Videoaufzeichnung mit Verwacklungsreduzierung die Panoramafunktion. Sie erlaubt unkomprimierte Aufnahmen über einen Blickwinkel von bis zu 240 Grad. Auf diese Weise entstehen Fotos mit bis zu 28 Megapixel ohne sichtbare Bildübergänge. Die Ergebnisse sind abermals verblüffend gut, selbst mit Schnappschüssen „aus der Hand“. Eine kleine Unstimmigkeit sei nicht verschwiegen: Aufnahmen mit grellem Gegenlicht zeigen bisweilen Verfärbungen am Bildrand, ein Softwareproblem.

21681432 © Spehr Vergrößern Die Panoramafunktion von iOS 6 ist eine Wucht

Drittens LTE: Wir hatten bereits geschrieben, dass der superschnelle Datenfunk vom iPhone 5 nur auf einem der drei deutschen LTE-Frequenzbänder unterstützt wird, nämlich auf den 1800 Megahertz, die von der Telekom in rund 60 Großstädten verwendet werden. LTE-Kunden von Vodafone und O2 bleiben also außen vor. Der jüngste Datenturbo bietet momentan Geschwindigkeiten von bis zu 100 MBit/s, während UMTS in der höchsten Ausbaustufe bei 42 MBit/s endet. Wie immer gilt jedoch: Es sind Maximalwerte, die man nur selten erreicht. LTE in der Großstadt ist dennoch eine faszinierende Erfahrung: Die Inhalte aus dem Internet sind sofort da, mobil hat man mehr Tempo als am DSL-6000-Anschluss, alles fließt reibungslos. Nun hat es wirklich Sinn, neue Fotos sofort in die Cloud oder zu Facebook hochzuladen, die Zeit des Wartens ist vorbei. Aber nur im Telekom-Netz, nur in den Großstädten. Wir kamen im Frankfurter Raum mit LTE fast immer über 10 MBit/s und erreichten Spitzenwerte jenseits der 20 MBit/s.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Verkehrs-Apps Lieber etwas zu spät, als lange im Stau

Wenn es mal nicht punktgenau auf die Ankunftszeit ankommt: Präzise Verkehrsdaten erlauben mittlerweile eine Reisezeitoptimierung mit dem Smartphone. Gerade im Berufsverkehr geht diese Rechnung oft auf. Mehr Von Michael Spehr

07.02.2016, 08:26 Uhr | Technik-Motor
Raumfahrt Orbit um die nächtliche Erde

Der britische Astronaut Tim Peak hat von Bord der Internationalen Raumstation aus Aufnahmen während eines Erdüberflugs bei Nacht erstellt. Zu sehen sind faszinierende Bilder von Gewitterstürmen über Europa und Afrika. Mehr

10.02.2016, 14:45 Uhr | Wissen
Error 53 Wie ein mysteriöser Fehler das iPhone lahmlegt

Wer sein iPhone 6 reparieren lässt, der sollte es unbedingt an Apple-Werkstätten schicken. Sonst könnte das Smartphone im Anschluss Probleme bereiten. Mehr

06.02.2016, 17:44 Uhr | Wirtschaft
Selten und anmutig Weißer Elch abgelichtet

Dem norwegischen Fotograf und Kameramann Lasse Dybdahl hat einen weißen Elch über ein Jahr von 2014 bis 2015 begleitet. Die Aufnahmen, die er von dem Tier schoss, sind eine Seltenheit. Mehr

12.02.2016, 15:50 Uhr | Gesellschaft
Nummer eins der Börse Alphabet stößt Apple vom Thron

Die Google-Mutterholding erfreut die Börse mit besser als erwarteten Quartalszahlen und wird zum teuersten Unternehmen der Welt. Dabei gibt es außerhalb des Kerngeschäfts Milliardenverluste. Mehr Von Roland Lindner, New York

02.02.2016, 05:41 Uhr | Wirtschaft

Ende Gelände

Von Hans-Heinrich Pardey

Gegen diese allzu lange, allzu warm gewesene, aber doch dunkle Jahreszeit mag jemand haben, was er will - sie hat auch ihr Gutes. Mehr 0