Fernseher mit Internetverbindung sehen mehr. Freie Mediatheken, digitaler Videotext, Youtube oder Online-Videotheken wie Videoload, Maxdome oder Lovefilm erweitern das klassische Fernsehen gewinnbringend. Drei von vier Haushalte in Deutschland verfügen über einen DSL-Zugang. Doch nicht mit jedem Fernsehgerät lässt sich ohne weiteres im Internet surfen. Wie stellt man also eine kabellose Verbindung zwischen Fernsehapparat und Router her? Wir zeigen sechs Varianten zwischen 60 und 130 Euro. Die Zuverlässigkeit der Verbindung haben wir getestet, indem wir mit einem 6-MBit-DSL-Zugang einen Film gestreamt, also direkt übertragen haben. Dieses Ergebnis vorweg: Für Video-Streaming in SD-Qualität eignet sich jedes Produkt.
Dongle als Minimalausstattung
Sony wirbt bei seinen Artikeln gerne mit Wireless-Lan. Der Hersteller verkauft „internetfähige“ Geräte mit „W-Lan optional“. Wer ein solches WiFi-Modell erwirbt, soll - so rät Sony - noch einmal knapp 60 Euro für einen Dongle ausgeben. Das ist ein einfacher USB-Stick, über den das Fernsehgerät erst Zugang zum W-Lan-Netz erhält. Es ist eine dezente Erweiterung: Der USB-Stick verschwindet zur Hälfte hinter dem Bildschirm und benötigt keine Steckdose.
Im Menü „Netzwerk“ gestaltet sich die Suche nach dem Router noch flüssig. Die Eingabe des Passwortes mit der Fernbedienung ist jedoch eine echte Tortur. Hat man die automatischen Netzwerkeinstellungen gewählt, läuft der Dongle stabil. Der Fernsehapparat merkt sich die Einstellungen für den Router, auch wenn man den Dongle mal abzieht oder im Netzwerk auf Lan wechselt.
Mit Powerline durch den Strom
Der Vorteil des Powerline-Systems - in diesem Fall ein Produkt von Devolo - ist der flexible Einsatz. Die kabellose Brücke verbindet alle Geräte mit Lan-Schnittstelle und den Router. Die Adapter bedienen sich des Stromnetzes, um Daten zu übermitteln. Man steckt Strom- und Netzwerkkabel des Routers in einen Adapter, der wiederum an der Steckdose hängt. Genauso verfährt man mit einem zweiten Adapter und dem Fernsehapparat. Im Netzwerkmenü des Fernsehgeräts muss der Nutzer nur noch „Lan“ auswählen.
Die aktuellen Powerline-Modelle versprechen eine Bruttodatenrate von 500 Megabit pro Sekunde (MBit/s). Netto beträgt diese in der Regel nur noch 200 MBit/s. Das ist die vierfache Geschwindigkeit des verbreiteten W-Lan-Standards 802.11g, der eine Bruttorate von 54 MBit/s hat. Eine höhere Geschwindigkeit beim Transfer von Internetdaten ergibt sich faktisch nicht, weil DSL-Zugänge mit 6 oder 16 MBit/s den Flaschenhals darstellen und die Datenübertragung zwischen Fernsehgerät und Router bremsen.
Powerline hat allerdings zwei Nachteile. Die Adapter werden recht warm, setzen somit unnötig Energie in Wärme um. Schaltet man den Fernsehapparat aus, geht ein Adapter in den Ruhezustand und verbraucht weniger Leistung. In Zusammenhang mit Powerline-Adaptern wird zudem immer wieder über die Störung anderer Funksysteme geklagt. So sollen etwa CB-Funker bei ihren Gesprächen wahrnehmen, wenn sich in unmittelbarer Nähe ein Haushalt befindet, der mit Powerline vernetzt ist. Dies dürfte sich auch auf andere Geräte auswirken, die im gleichen Frequenzbereich arbeiten.
Netgear hat Platz für vier
Dongle und Powerline ersetzen nur eine fehlende W-Lan-Schnittstelle am Fernsehgerät (Dongle) oder ein Lan-Kabel vom Router zum Fernsehapparat (Powerline). Die beiden folgenden Produkte bieten nun einen echten Mehrwert, der auch für Fernsehbesitzer interessant sein dürfte, deren Gerät bereits Wireless-Lan kann. Netgear hat einen „Internet Adapter for Home Theatre“ im Angebot, der die Verbindung ebenfalls über das Stromnetz herstellt, zusätzlich aber noch einen Ethernet-Switch enthält. (Fairerweise muss man erwähnen, dass es auch von Devolo eine Variante mit drei Ethernet-Ports gibt.)
Nutzer können also nicht nur ihr Heimkino per Kabel mit dem Netgear-Adapter verbinden, sondern sie können auch einen Bluray-Player, eine Spielekonsole oder einen Verstärker anschließen. Insgesamt gibt es vier Lan-Ports. Erfreulich ist sowohl bei diesem als auch beim folgenden Produkt, dass ein echter An- und Ausschalter integriert ist.
Auf Knopfdruck W-Lan
Eine Mischung aus Dongle und Netgear-Produkt hat Cisco im Angebot. Die Lösung besteht aus einem einzigen Adapter, der allerdings schon fast die Größe eines Routers hat - wenngleich er wesentlich leichter ist. Die „4-Port Dual-Band N Entertainment Bridge“ wird lediglich per Ethernet-Kabel mit dem Fernsehgerät verbunden. Die W-Lan-Verbindung entsteht per Knopfdruck. Dafür nutzt Cisco eine Technik, die normalerweise an Geräten als Zusatzfunktion gedacht ist. „Wi-Fi Protecting Set-Up“ (WPS) ermöglicht die Verbindung zweier Geräte per Knopfdruck. Die Eingabe von Passwörtern mit der Fernbedienung entfällt bei dieser Methode.
Wenn ein Router WPS ausführen kann, befindet sich am Gehäuse ein Knopf mit einem der folgenden Zeichen: entweder ein stilisiertes Schloss oder zwei gebogene Pfeile, die in die jeweils andere Richtung zeigen. Man drückt kurz diesen Knopf am Router, danach hat man zwei Minuten Zeit, den gleichen Knopf am Cisco-Gehäuse zu drücken. Zwischen beiden Geräten wird nun eine sichere W-Lan-Verbindung hergestellt. Auch hier hat man vier Lan-Ports frei.
Express für Video und Audio
Apple hat zwei Produkte im Programm, die sich für die Verbindung mit dem Fernsehapparat eignen. Da ist zunächst Airport Express. Das kleine weiße Kästchen steckt man in die Steckdose und verbindet es per Lan-Kabel mit dem Fernsehempfänger. Nun muss nur noch der Adapter ins heimische Netzwerk eingebunden werden. Dies geschieht mit dem Airport-Dienstprogramm, das auf Mac OS bereits vorhanden ist, auf Windows-Rechnern noch installiert werden muss. Nach wenigen Sekunden erscheint Airport Express als Netzwerkkomponente.
Bis dahin wäre Airport Express lediglich eine Art Dongle in der Steckdose. Doch das Apple-Teil kann mehr. Neben Ethernet hat das weiße Kästchen auch einen optischen Audio- und druckerfähigen USB-Ausgang. Man kann also zusätzlich einen Drucker und etwa einen Verstärker oder aktive Boxen anschließen und sie kabellos vom Rechner aus ansteuern. Zudem lässt sich in Apples Musikverwaltungsprogramm iTunes die Ausgabe regeln: Auf dem Computer vorhandene Musik kann direkt an Airport Express ausgegeben werden.
Apple TV braucht nur HDMI
Apple bringt mit einem kleinen schwarzen Kästchen das Internet auf den Fernsehapparat, ohne dass das Fernsehgerät einen Internetanschluss benötigt. Für den Einsatz von Apple TV braucht der Nutzer an seinem Fernsehgerät lediglich einen HDMI-Eingang. Das schwarze Kistchen versorgt das Fernsehgerät mit Daten, die es per W-Lan vom Router bezieht. Der Fernsehapparat dient dann quasi nur als Ausgabegerät der Daten, die Apple TV mit seiner Software verarbeitet. Diese Variante eignet sich besonders für iTunes-Nutzer, weil diese auch auf die Musik- und Filmdateien des Computers zugreifen, sie mit der beiliegenden Fernbedienung steuern und auf dem Fernsehgerät wiedergeben können. Das Konzept geht vor allen Dingen dann auf, wenn der heimische Verstärker mit dem Fernsehapparat oder mit dem optischen Ausgang von Apple TV verbunden ist. Es können zudem Lieder und Filme vom iPhone oder iPad auf den Fernsehapparat gestreamt werden. Da Nutzer bei iTunes auch Filme direkt leihen und anschauen können, sind sie nicht auf die installierten Apps des jeweiligen Fernsehgeräts angewiesen.
Im Vergleich zu Lovefilm, das wir an einem Sony-Fernsehapparat als Online-Videothek für den Test auswählten, erlaubt Apple TV es, Filme in einer Full-HD-Auflösung mit iTunes wiederzugeben. Das geht bei allen anderen Online-Videotheken noch nicht. Bestenfalls werden Filme - etwa bei Maxdome - in HD-Auflösung angeboten. Zwei Dinge stören bei Apple TV. Wer zwischen iTunes und dem Fernsehprogramm wechseln will, muss in den Einstellungen des Fernsehgeräts die Quelle ändern: Für den Betrieb von Apple TV muss HDMI ausgewählt sein, für den Fernsehempfang TV als Quelle. Des Weiteren ist die Fernbedienung von Apple, die dann auf dem Wohnzimmertisch noch hinzukommt, zwar recht schick, aber auch recht klein. Mit dicken Männerdaumen drückt man schon häufiger daneben.
Zwischen zwei Welten
Wenn man über den Einsatz eines der Produkte nachdenkt, muss man drei Ausstattungstypen von Fernsehgeräten unterscheiden: ohne Ethernet-Anschluss, mit einem solchen oder Wireless-Lan. Vom teuren Dongle für 60 Euro ist auf jeden Fall abzuraten. Wessen Gerät eine Lan-Schnittstelle hat, sollte sich die Lösung von Cisco anschauen, weil sie mit ihren vier Ports Zugänge für weitere Geräte bietet und recht einfach zu installieren ist. Die Lösung von Netgear kostet mit zirka 90 Euro ähnlich viel, hat aber den Nachteil, dass am Router ein zweiter Adapter eine Steckdose und einen Lan-Port blockiert. Das Produkt von Devolo ist mit mehr als 130 Euro zu teuer, weil es lediglich eine kabellose Brücke zwischen Fernsehapparat und Router schafft. Ebenso hat der knapp 90 Euro teure Airport Express die Schwäche, über nur einen Port zu verfügen. Allerdings wartet das Produkt noch mit einem Audio- und Druckerausgang auf.
Apple TV ist mit knapp 110 Euro hinter der Powerline-Variante von Devolo zwar die teuerste Variante, liefert neben einer kabellosen Brücke vom Router zum Fernsehgerät (dieses braucht lediglich einen HDMI-Anschluss) noch eine Verwaltungssoftware für eigene und zu leihende Audio- und Videodateien mit. Dann muss sich der Nutzer allerdings auf die iTunes-Welt von Apple einlassen - was dann hervorragend funktioniert. Hat das Fernsehgerät W-Lan integriert, kann er auch zur Welt des Fernsehherstellers wechseln und alternativ in den dort vorgegebenen Online-Videotheken Filme ausleihen. Letztlich ist die Wahl auch eine Frage des Qualitätsanspruchs und des Geldes; iTunes bietet einige Filme mit einer Auflösung von 1080 Zeilen in Full-HD-Qualität an. Die Ausleihe für 48 Stunden kostet zwischen 3,99 und 4,99 Euro. Lovefilm etwa bietet eine Flatrate für monatlich 9,99 Euro, sodass man beliebig viele der knapp 1200 Filme anschauen kann. Dafür ist die Qualität mit einer Auflösung von 576 Zeilen auf DVD-Niveau.
... "Der Fernseher muss ins Netz" ...
Klaus Mueller (Jeeves3)
- 03.04.2012, 11:02 Uhr
Äpfel mit Birnen
Hans Kannes (Hanskanes)
- 02.04.2012, 15:36 Uhr
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Frank Marx (NoGreen)
- 02.04.2012, 14:25 Uhr
Zum Thema Störstrahlung
Christopher Lüning (cluening)
- 02.04.2012, 14:08 Uhr
Oh Apple über alles
Closed via SSO (Krakz)
- 02.04.2012, 12:08 Uhr