Tag 1:
Der Volvo C 30 Electric kommt auf dem Anhänger in die Redaktion, der Weg von Köln nach Frankfurt wäre zu weit. Wir nehmen uns vor, die kommende Woche ganz normal zu gestalten, unseren Tagesablauf nicht umzustellen - nur dass als automobiler Untersatz ein rein elektrisch betriebenes Fahrzeug dient. Unser Glück: Am Abstellplatz im Büro ist eine Steckdose angebracht. Der Volvo hat einen gewöhnlichen Haushaltsstecker. Wir werden ihn aber erst später brauchen, denn die Fahrbatterie ist voll aufgeladen. Die Anzeige für die Reichweite meldet 105 Kilometer. Das ist der Moment, in dem wir sonst ans Nachtanken denken. Egal, der Weg nach Hause beträgt 20 Kilometer, kein Problem also. Abfahrt in Frankfurt, erste positive Überraschung. Der elektrische Volvo ist so hochwertig ausgestattet wie ein normaler C 30. Es gibt sogar Sitzheizung, elektrische Fensterheber und einen schicken Wählhebel für Vorwärts- und Rückwärtsgang. Das Platzangebot ist nahezu identisch. Anlassen erfolgt wie gehabt mit dem Schlüssel, aber dann: diese Beschleunigung, diese Stille. Beeindruckend. Auf der Autobahn geht die Reichweite in die Knie, der Volvo ist auf 130 km/h limitiert, aber die zerren an der Batterie. Zu Hause werden 70 Kilometer Rest angezeigt. Wir stellen den Volvo in die Garage, holen das Kabel aus dem Kofferraum und stecken den Stecker ein. Leichter Schauer.
Die Frage des Tages: Wie ist der Stecker bei Regen geschützt, so dass ich keinen Stromschlag riskiere?
Volvo sagt: Im verdickten Teil des Ladekabels, der Kontrolleinheit, befindet sich ein Fehlerstromschutzschalter, der die Benutzung auch bei Regen oder Schnee vollständig sicher macht.
Tag 2:
Der Plan sieht eine Fahrt an die Bergstraße vor. Wichtiger Termin. 60 Kilometer sind das, darunter ein größeres Stück Autobahn. Erste Hürde: Die zu besuchende Familie wohnt in einer Mietwohnung, eine Steckdose vor deren Haus ist nicht bekannt, und eine öffentliche Ladestation ist nicht in der Nähe. Was soll’s, no risk, no fun. In der Reserveradmulde ohne Reserverad liegt ein Verlängerungskabel, das wird schon irgendwie genügen. Wir drehen den Schlüssel, die Reichweite zeigt noch immer 70 Kilometer. Oh Schreck, das ist wohl zu knapp, was für eine peinliche Panne. Am Ladekabel befindet sich ein An-/Aus-Knopf, das wussten wir nicht und haben ihn folglich am Vorabend nicht gedrückt. Wir drücken ihn, ein blaues Lämpchen am Armaturenbrett kündet vom Ladevorgang, ein Lüfter springt hörbar an. Keine Chance für unseren Ausflug. Letzter Versuch: Im Ort gibt es eine Ladestation, doch auf deren durch Halteverbot gekennzeichnetem Platz parkt ein Audi. Wäre eine Schnellladung überhaupt möglich? Wir wissen es nicht, der Termin drängt, wir kapitulieren und nehmen unseren Renault Scénic.
Frage des Tages: Ist eine Schnellladung vorgesehen?
Antwort von Volvo: Eine Schnellladung wird für den Volvo C 30 Electric nicht angeboten.
Tag 3:
Gestern Nachmittag, als wir von der Bergstraße zurückkamen, stand der Audi noch immer an „unserer“ Ladesäule. Wir überlegen, ob wir die Polizei, den Abschleppdienst oder die GSG 9 holen sollen. Eine Inspektion der Säule ergibt, dass sie einen Mennekes-Stecker fordert. Dieser speziell für Elektrofahrzeuge entwickelte Stecker soll sich nach Möglichkeit in ganz Europa durchsetzen, doch in unserem Volvo ist keiner zu finden, obwohl wir das halbe Gepäckfach ausräumen. Wir lassen den Audi also stehen, wo er steht, und fahren an die Tankstelle - an eine echte. Was der Liter Super kostet, ist uns doch egal, wir fahren lässig an Zapfsäule 1 vor und vorbei, schlendern an die Theke und bestellen sechs Brötchen. „Haben Sie auch getankt?“, fragt der Tankwart. Nein, haben wir nicht. Der Hammer, dieses Gefühl, umsonst zu fahren. Das stimmt natürlich nicht, aber die Psyche spielt uns einen Streich. So langsam macht die Fahrt in dem elektrischen Volvo richtig Spaß, im städtischen Verkehr können wir ohnehin locker mithalten, in der Beschleunigung lassen wir die meisten anderen stehen. Und immerzu diese Stille. Die Schweden haben ihr Auto offenbar so gut isoliert, dass selbst das gefürchtete Straßenbahn-Geräusch von Elektromaschine und Reduktionsgetriebe kaum in den Innenraum vordringt. Wir fahren ins Waldstadion, das Commerzbank-Arena heißt, Eintracht Frankfurt spielt. An der Tiefgarage fragen wir die Sicherheitsleute, ob es eine Stromtankstelle gibt. Nein, sagen sie allesamt. Doch das stimmt nicht. Zwei Stück sind direkt am ansonsten unerreichbaren VIP-Eingang reserviert, an einer tankt ein Opel Ampera. Vorbildlich, und die Eintracht gewinnt. Was für ein schöner Sonntag.
Frage des Tages: Welche Kosten rechnet Volvo je 100 Kilometer Fahrt in Deutschland, Schweden, Frankreich?
Volvo sagt: Der Verbrauch auf 100 km liegt bei rund 15 kWh. Die Kosten für 100 Kilometer liegen je nach Strompreis zwischen 2 und 2,50 Euro.
Tag 4:
Der normale Wochenanfang. 105 Kilometer meldet der Reichweitenmesser. Das (dem Wetter ausgesetzte, langsam verdreckende) Kabel fliegt in den Kofferraum, auf ordentliches Verstauen unter der Abdeckung haben wir schon keine Lust mehr. Dazu stapeln sich Schulranzen, Turnbeutel und Aktentasche. Autobahn macht uns noch immer etwas nervös, sie ist der Reichweitenkiller schlechthin. 120 km/h ist ein guter Kompromiss, im Berufsverkehr geht es sowieso meist nicht schneller. Der Tagesplan sieht vor: Haus-Büro-Flughafen. Gibt es dort eine Steckdose? An der Einfahrt zum Parkhaus in Terminal 1 prangt ein Plakat: Der Versorger Mainova und der Flughafenbetreiber Fraport freuen sich auf uns, in Parkbucht 222 ist eine Ladestation eingerichtet. Die Freude währt kurz: Schranke 222 öffnet nicht, die Parkbucht ist besetzt, auf den drei blau gekennzeichneten Flächen stehen andere Autos - allesamt keine elektrischen. Der Parkwächter sagt, da könne er leider nichts machen, Abschleppen dürfe er nicht. Und sein Einsatzleiter vom Dienst ist zwar ein höflicher Mann, aber genauso ohnmächtig. „Das passiert mir das erste Mal“, sagt er, er werde einen Bericht schreiben. Was, wenn wir auf der letzten Kilowattstunde in die Tiefgarage eingefahren wären?
Frage des Tages: Funktioniert der Warnblinker noch, wenn ich mit leerer Batterie liegenbleibe?
Volvo sagt: Der Warnblinker wird wie in jedem Fahrzeug aus der 12-V-Batterie gespeist und funktioniert auch dann noch, wenn das Auto mit leerer Batterie liegenbleiben würde. Aber bevor das eintritt, wird der Fahrer gewarnt und sollte dann noch über ausreichend Restreichweite verfügen, um einen sicheren Parkplatz zu erreichen.
Tag 5:
Der Weg vom Flughafen in die Heimat ist 15 Kilometer lang. Wir haben noch 25 Kilometer auf der Uhr und sind inzwischen cool geworden. Feuchte Hände bei Annäherung an den Nullpunkt sind Vergangenheit. Wir surren nahezu lautlos dahin und kommen auf andere Gedanken: Ein Schild am Straßenrand mahnt zur Geschwindigkeitsbegrenzung mit dem Zusatz „Lärmschutz“, und wir fragen uns, ob wir es ignorieren dürfen. Zu Hause ist die Garage belegt, wir stellen den Volvo vor die Tür. Der Wagen riecht nach dem Abstellen leicht nach verbranntem Gummi, was den Angaben von Volvo zufolge an einer Besonderheit dieses Autos liegt. Es hat eine Zusatzheizung, die mit E85-Kraftstoff betrieben wird. Wir laden nach, das Kabel liegt quer über dem Bürgersteig, hoffentlich stolpert niemand. Alter Schwede, geht das langsam. Nach einer Stunde sind nur 5 bis 10 Kilometer Reichweite getankt. Die Nacht ist des Elektroautos Freund.
Frage des Tages: Wie verhindern Laternenparker Kabelklau?
Volvo sagt: Ein Kabelklau lässt sich leider nicht vermeiden, das Kabel kann während des Ladevorgangs nicht diebstahlsicher mit dem Fahrzeug verbunden werden.
Tag 6:
Das Auto lässt sich nicht starten. In der Anzeige im Kombiinstrument erscheint „Ladekabel angeschlossen“. Sehr schlau, wir erinnern uns noch an Zeiten, in denen ein guter Freund Notarztwagen fuhr und es schon mal vorkam, dass in der Hektik des Einsatzes losgefahren wurde, ohne den Stecker (für die medizinischen Geräte an Bord) zu ziehen, was jener dann unter Anrichten unschöner Bruchstellen selbst erledigte. Haus-Büro-Mittagstermin in der Stadt-Büro-Fußballplatz-Haus lautet der Tagesplan. Zwischen 9 und 19 Uhr hängt der Volvo an der Steckdose im Büro und saugt sich so voll, dass ihm die Ampere zu den Außenspiegeln rauskommen. Zu unserer Überraschung zeigt der Reichweitenmesser am Abend diesmal 110 Kilometer an. Das eröffnet ungeahnte Möglichkeiten, und wir werden so mutig, nicht mehr wie ein zittriger Mobiltelefonnutzer schon dann nachzuladen, wenn die Batterie noch halb voll ist. Der Volvo bleibt über Nacht ohne Stecker vor dem Haus stehen, was seinen Grund auch in der Tatsache hat, dass die im Kühlergrill untergebrachte Dose unbeleuchtet ist und man eine gewisse Erfahrung mitbringen muss, um den massigen Stecker unter der Plastikabdeckung in die Buchse einzurasten. Dann scheucht uns die Neugier doch noch mal vor die Tür. Wir fahren auf Suche nach öffentlich zugänglichen Ladestationen umher und finden recht viele. Manche stehen unverständlicherweise irgendwie an der Straße, manchmal sogar mit Solarpanel auf einer extra angefertigten Überdachung, andere stehen praktisch in der Innenstadt. Kleines Problem: Manche erfordern besagten Mennekes-Stecker, in andere passt unser Haushaltsstecker. Die Säule wird zur Stromspende mittels Handyanruf bei einer auf ihr angezeigten Mobilnummer des Versorgers überredet, dann öffnet sich seitlich eine Klappe an der Säule und man kann „tanken“. Der regionale Versorger Mainova bietet das um Frankfurt herum bislang gar umsonst feil, an anderen Säulen ist (ziemlich klein) ein Preis aufgedruckt. Nach dem Tankvorgang ruft man die Mobilnummer wieder an, die Klappe an der Ladesäule gibt den Stecker frei und schließt sich.
Frage des Tages: Gibt es für den Volvo auch einen Mennekes-Stecker oder nur den für die Haushaltssteckdose? Und gibt es einen Adapter?
Volvo sagt: Ein entsprechendes Ladekabel wird momentan entwickelt, wir können aber noch nicht sagen, wann dieses Kabel verfügbar sein wird.
Tag 7:
Schon der letzte Tag, schade. Wir haben fast vergessen, wo die Tankstellen liegen. Den Benzinpreis kennen wir nicht mehr. Aber am Samstag steht wieder die Fahrt an die Bergstraße bevor, diesmal wären wir besser vorbereitet. Die Nachteile sind nicht wegzudiskutieren. Die Vorteile aber auch nicht. Es bleibt die letzte Frage des Tages: Was kostet das Auto?
Volvo sagt: Wir bieten für diese erste Kleinserie ausschließlich ein Leasingmodell an, also 950 Euro (netto) monatlich ohne Anzahlung, inklusive Winterreifen und Service, Rückgabe an Volvo nach drei Jahren, ohne Kilometer-Begrenzung. In der Herstellung kostet ein Fahrzeug der Kleinserie um 80 000 Euro.
Das Elektroauto ist bereits gescheitert. Hier die Gründe:
Andreas Seidl (ASeidl)
- 06.04.2012, 20:57 Uhr
Übergangsphase
Werner Bült (xenonia65)
- 06.04.2012, 20:49 Uhr
Dei Antwort heisst: Volvo V60 Plug in
Robert Hofer (hoferrob)
- 06.04.2012, 16:07 Uhr
Die verlogene Illusion
Gerhard Rinker (GerdR)
- 06.04.2012, 14:07 Uhr
das liest sich gut
Dieter Lust (raimondo2)
- 06.04.2012, 12:39 Uhr