Wasser lockt im Sommer fast jeden an. Verspricht doch das erfrischende Nass zwischen intensivem Sonnenbaden angenehme Abkühlung und Entspannung. Dabei lohnt auch ein Blick unter die Oberfläche. Denn hier wartet eine andere Welt, die es zu entdecken gilt. Eine kleine Grundausrüstung genügt, und das Tor in die Unterwasserwelt ist geöffnet.
Scharf sieht man nur durch eine Maske, denn Wasser hat einen anderen Brechungsindex als Luft. Ohne Luft zwischen den Augen und dem Wasser ist alles nur unscharf. Mit einer Schwimmbrille funktioniert das nicht, denn damit ist der nötige Druckausgleich, der durch den steigenden Wasserdruck bei zunehmender Tiefe erforderlich wird, nicht möglich. Eine Maske zum Abtauchen muss deshalb die Nase für den Druckausgleich mit einschließen.
Um beim entspannten Liegen auf der Wasseroberfläche noch atmen zu können, ist außerdem ein Schnorchel nötig. Ergänzt wird die Ausrüstung durch Flossen, denn ohne die Schwimmhilfen kommt man mit dem begrenzten Luftvorrat in den Lungen nicht sehr weit. Mit Flossen sind einige Meter Tiefe auch für Anfänger drin. Taucher nennen eine solche Grundausstattung aus Maske, Schnorchel und Flossen ABC-Ausrüstung. Damit kann jeder ohne aufwendige Technik die Unterwasserwelt erkunden.
Schon in den Anfangsjahren des Sporttauchens hat sich daraus eine eigene Sportart entwickelt, das Apnoe-Tauchen. Hier geht es zum Teil um Tiefenrekorde und möglichst langes Anhalten der Luft. Für Normalschnorchler stehen dagegen der Spaß und das Beobachten der Lebewesen, die sich im Wasser tummeln, im Vordergrund. Mit etwas Übung erreichen gute Schnorchler durchaus zehn Meter Wassertiefe und mehr. Wichtig dabei ist der Druckausgleich im Innenohr und den Nebenhöhlen. Der muss durch Zuhalten der Nase und leichtes Eindrücken von Luft hergestellt werden. Bei manchen Menschen klappt das nicht sehr gut, weil die Verbindungsröhren zu eng sind. Dann sollte man nicht schnorcheln. Gleiches passiert bei Erkältungen. Auch dann darf nicht getaucht werden, denn das angeschwollene Gewebe macht den Druckausgleich oft unmöglich. Im Zweifel sollte man einen Arzt befragen.
Große Unterschiede gibt es bei der Ausrüstung. Das Angebot ist auf den ersten Blick unübersichtlich. Im Sommer haben selbst Lebensmittel-Discounter komplette Sets für Anfänger im Sortiment. Beim Erwerb solcher Billigware ist allerdings Vorsicht geboten, weil sie das Wichtigste oft nicht bietet: eine perfekte Passform. Mit einer schlecht sitzenden Ausrüstung hält sich die Freude in Grenzen. Wenn ständig Wasser in die Maske eindringt oder das viel zu harte Mundstück des Schnorchels am Zahnfleisch reibt, macht Schnorcheln keinen Spaß. Passt jedoch die Flosse wie der bequeme Hausschuh und dichtet die Maske aus weichem Silikonkautschuk einwandfrei, dann ist die Ausrüstung schnell vergessen und man kann sich auf das Entdecken der Unterwasserwelt konzentrieren.
Im Fachgeschäft können in aller Ruhe mehrere Modelle verschiedener Marken auf die optimale Passform geprüft werden. Bei der Maske sollte auf weiche Dichtflächen geachtet werden. Sie muss ohne Anlegen des Halteriemens bei leichtem Andrücken sitzen, ohne vom Gesicht zu fallen. Funktioniert das nicht, sollte ein anderes Modell probiert werden. Die Nase sollte bequem im Nasenerker Platz haben und nirgends anstoßen. Außerdem sollte der Riecher für den nötigen Druckausgleich beim Abtauchen in größere Tiefen gut mit Daumen und Zeigefinger zu fassen sein. Ein geringes Innenvolumen ist außerdem vorteilhaft, weil dann bei zunehmendem Druck in der Tiefe weniger Luft aus den Lungen in die Maske gelassen werden muss.
Der große Vorteil von Markenware ist auch die Versorgung mit Ersatzteilen. Reißt mal ein Riemen oder geht ein Glas kaputt, liefert der Fachhandel Ersatz. Außerdem gibt es dort auch Masken, die mit optischen Gläsern ausgestattet werden können - ein unschlagbarer Vorteil für Brillenträger. Schnorchel werden mit oder ohne Ausblasventil angeboten. Die Ventile sind nicht immer von Nutzen. Sie erleichtern zwar das Ausblasen etwas, sind beim schnellen Schwimmen aber manchmal auch hinderlich und ein Ärgernis, wenn sie nicht richtig dichthalten. Bei einem einfachen Schnorchel ohne Ventile muss zwar nach dem Auftauchen etwas stärker hineingeblasen werden, um die Wassersäule zu entfernen, aber es gibt auch keine Schwierigkeiten mit der Technik. In Schnorcheln mit Faltschläuchen bleibt oft Restwasser zurück, das dann beim Atmen an der Oberfläche stört. Wichtig dagegen ist ein gut passendes, bequem sitzendes Mundstück aus weichem Silikonmaterial.
Ähnlich sieht es bei den Fußteilen der Flossen aus. Weiches Material passt sich dem Fuß besser an und verursacht weniger Druckstellen. Das Flossenblatt dagegen sollte nicht zu nachgiebig sein, deshalb sind gute Flossen aus verschiedenen Materialien gefertigt. Weder mit zu weichen, noch mit sehr kurzen Flossen kommt man gut vorwärts. Für Anfänger sind die sehr langen und deshalb besonders effizienten Apnoe-Modelle aber auch nicht empfehlenswert. Die Blätter sind recht hart und erfordern regelmäßiges Training, ansonsten drohen Wadenkrämpfe. Ideal ist für den Durchschnitts-Schnorchler also der Mittelweg.
Flossen mit Fersenriemen sind in der Regel fürs Gerätetauchen konzipiert und erfordern spezielle Neopren-Füßlinge. Zum Schnorcheln eignen sich solche Modelle nicht sonderlich, hier sollte Flossen mit Fußteilen, die den ganzen Fuß umschließen, der Vorzug gegeben werden. Auch Schnorchelflossen mit Fersenband, die dem Jüngsten wie der Oma passen sollen, haben wenig Sinn. Universalmodelle passen keinem richtig, und geschlossene Fußteile bieten mehr Schutz vor Seeigeln oder scharfkantigen Muschelschalen, wenn der Schnorchler mal auf dem Meeresboden steht.
Viel Geld muss auch für die Markenware nicht ausgegeben werden. Ordentliche Masken sind im Fachhandel schon für weniger als 30 Euro zu bekommen. Ein einfacher Schnorchel geht für gut 10 Euro über den Ladentisch, ein paar sehr gute Flossen liegen bei 30 bis 40 Euro. Über die Haltbarkeit einer solchen Markenausrüstung muss man sich wenig Gedanken machen. Bei sorgsamem Umgang geht da auch nach vielen Jahren der Nutzung nichts kaputt.
Wem das Erforschen der Unterwasserwelt viel Spaß bereitet, der möchte möglichst lange im Wasser bleiben. Ein dünner Anzug aus Neopren-Schaumgummi verhindert, dass der Körper auskühlt. Ein richtiger Taucheranzug ist dazu nicht nötig - viel zu dick. Genauso wenig nützen hauchdünne Anzüge aus Stoff, die bestenfalls vor Sonnenbrand schützen, jedoch keine isolierende Eigenschaften bieten. Zum Schnorcheln tut es in sommerlich warmen Gewässern meist ein dünner Neopren-Anzug mit kurzen Ärmeln und Beinen, Shorty genannt. Wer mehr will, greift zum Komplettanzug. Eine Materialstärke von etwa drei Millimetern ist ausreichend. Besonders wichtig auch hier: die Passform. Zwischen Anzug und Haut darf nur eine hauchdünne Wasserschicht sein, dann funktioniert das mit der Isolation. Dringen in schlecht sitzende Anzüge größere Mengen Wasser ein, die der Körper dann ständig erwärmen muss, ist das Resultat das gleiche wie ohne Anzug, man friert. Also führt auch beim Anzugkauf nichts an einer ordentlichen Anprobe und Beratung vorbei.
Da das Material durch die isolierenden Bläschen im Neopren-Schaum auch für Auftrieb sorgt, kann es nötig sein, mit einer geringen Menge an Blei entgegenzuwirken. Je Millimeter Materialstärke sollte höchstens ein Kilogramm Blei kalkuliert werden. Besser etwas weniger, denn die Luftbläschen im Anzug werden bei zunehmender Tiefe durch den Wasserdruck komprimiert und verlieren ihren Auftrieb. Mit zu viel Blei ist es also schwieriger, wieder an die Oberfläche zu kommen. Die Gewichte werden an einem speziellen Bleigürtel für Taucher getragen, dessen Schnalle sich im Notfall für den Abwurf mit einem Handgriff öffnen lässt.
Natürlich muss das alles auch transportiert werden. Dazu gibt es praktische Netztaschen, in denen die ABC-Ausrüstung nach dem Einsatz abtropfen kann und gut durchlüftet aufbewahrt wird. So ausgestattet, kann es losgehen: Schon im heimischen Baggersee lässt sich vom Flusskrebs bis zum Hecht einiges entdecken. In den Urlaubsregionen am Mittelmeer oder gar in tropischen Gewässern gibt es dann aber noch beeindruckendere Naturerlebnisse mit einer Farbenpracht, für die es sich lohnt, eine Schnorchelausrüstung dabeizuhaben. Wer daheim schon einmal üben oder seine Technik verbessern will, findet in vielen Tauchsport-Vereinen oder Tauchschulen auch Kursangebote zum Schnorcheln.
Guter Artikel
Wolfgang Richter (langweiler2)
- 30.07.2012, 23:16 Uhr
Weiter Tips
Herbert Frank (HerbertFrank)
- 30.07.2012, 21:55 Uhr
Und sollte es doch mal kalt werden,
Stefan Bönisch (Stefboe)
- 30.07.2012, 13:51 Uhr