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150 Jahre Jubiläum light bei Opel

 ·  Opel wird 150 Jahre alt. Grund zum Feiern hat die GM-Tochtergesellschaft aber wenig. Obwohl die Produkte so gut wie nie sind, kämpfen die Rüsselsheimer mit einer hausgemachten Imagekrise und sinkendem Absatz.

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© Archiv Opel Vergrößern Enkel Fritz fährt 1928 mit dem Raketenwagen in die Geschichtsbücher

Schade, eine Hommage an den Firmengründer Adam Opel ist der brandneue Opel Adam keineswegs, wie man glauben könnte. Vielmehr habe die Marketingabteilung schlicht nach etwas Maskulinem gesucht. Und der Kleinwagen soll zudem englisch „Ädäm“ ausgesprochen und in Versalien geschrieben werden: ADAM. Die Neuentwicklung ist der große Hoffnungsträger im Jubiläumsjahr, in dem man in Rüsselsheim freilich andere Sorgen hat, als eine Sause zum runden Geburtstag zu veranstalten. Zum 125sten wurde im Mai 1987 noch drei Tage lang Party gemacht, Bundeskanzler Helmut Kohl schwebte im Hubschrauber ein, stieg in einen Opel Torpedo von 1911 und hielt später eine Festrede, die mit minutenlangem Beifall quittiert wurde.

Im Jahr 2012 wird es dagegen am 22. September ein bescheidenes Fest geben, zu dem Beschäftigte und ihre Familien sowie die Freunde der Marke eingeladen werden. Zu diesem Anlass öffnet das Rüsselsheimer Werk seine Pforten für Besucher. Mehr findet nicht statt. In der Tat würde eine große Party nicht zur momentanen Situation von Opel passen. Opel 2012: Der Marktanteil in Deutschland beträgt nur noch 7,2 Prozent, und der neue Opel-Chef Thomas Sedran - der neunzehnte (!) seit 1948 - musste sich unlängst vom Massenblatt „Bild“ fragen lassen: „Alle Welt redet nur über die Krise bei Opel, keiner über Ihre neuen Modelle. Warum soll ich eine Verlierer-Marke kaufen?“ So weit ist es gekommen.

1987 sah der Himmel über Rüsselsheim noch viel heller aus. Opel verkaufte weit mehr als 450 000 Autos in Deutschland, der Marktanteil lag bei 15,6 Prozent. Es gab einen soliden Gewinn, es war das beste Ergebnis seit 1979. In den vergangenen 25 Jahren hat Opel viel Boden verloren. Eine nicht endende Kette von falschen Entscheidungen und beständige Reibereien mit dem Betriebsrat nagen an dem einst so guten Ruf der Marke. Der Marktanteil fällt und fällt. Den Rekord-Nachfolger Omega 2003 einzustellen war einer der Fehler wie jener, nach dem Erfolg des Geländewagens Frontera (auf Anhieb Marktführer) nicht konsequent am Ball zu bleiben. Am schwersten wiegt jedoch die über Jahre mangelnde Qualität, weil die Kosten gedrückt werden sollten und mussten (in den neunziger Jahren). Zum Glück gab es auch Lichtblicke wie den Minivan Zafira (seit 1998, von Porsche im Auftrag entwickelt). Und ohne Frage sind die heutigen Opel (vor allem der Insignia, aber auch der Meriva und der Zafira III sowie der Imagebringer Astra GTC) gut wie noch nie, nur verkaufen sie sich alle unter Wert, weil der Ruf so gelitten hat.

Das Schiff wieder auf Kurs zu bringen, Opel wieder zu einer begehrenswerten Marke zu machen, ist eine der vordringlichsten Aufgaben von Interims-Chef Sedran. Neue Produkte sollen ihm dabei helfen, allen voran das neue Trio, das noch binnen Jahresfrist zu den Händlern kommt. Neben dem Adam, der in Eisenach produziert werden wird, sind das der Geländewagen Mokka und ein neues (Stoffdach-)Cabriolet, das zwischen Astra und Insignia einzuordnen ist. Es hat noch keinen Namen. Außerdem sollen bis 2016 rund 20 weitere neue Opel folgen (inklusive Facelifts), Milliardenbeträge stünden dafür bereit, verspricht Sedran.

Den Karren aus dem Imagetief zu holen, ist eine der schwierigsten Aufgaben, die ein Automobil-Manager heute haben kann. Doch kaum war Sedran im Amt (seit dem 12. Juli), musste er auf den designierten Design-Chef, der aus Detroit kommen sollte, verzichten. David Lyon wurde plötzlich fristlos entlassen. Über die Gründe kann nur spekuliert werden. Dass Sedran als Chef auf Abruf gilt, macht die Sache nicht einfacher. Und natürlich soll auch noch weiter am Personal gespart werden - harte Zeiten ausgerechnet im Jubiläumsjahr.

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15.08.2012, 16:00 Uhr

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Von Lukas Weber

Wenn die Tage länger werden, macht sich der Hobbygärtner an die Arbeit. Das ist auch die rechte Zeit für alle, die noch keinen haben, sich einen Komposthaufen anzulegen. Mehr