http://www.faz.net/-gy9-722xv

150 Jahre : Jubiläum light bei Opel

Enkel Fritz fährt 1928 mit dem Raketenwagen in die Geschichtsbücher Bild: Archiv Opel

Opel wird 150 Jahre alt. Grund zum Feiern hat die GM-Tochtergesellschaft aber wenig. Obwohl die Produkte so gut wie nie sind, kämpfen die Rüsselsheimer mit einer hausgemachten Imagekrise und sinkendem Absatz.

          Schade, eine Hommage an den Firmengründer Adam Opel ist der brandneue Opel Adam keineswegs, wie man glauben könnte. Vielmehr habe die Marketingabteilung schlicht nach etwas Maskulinem gesucht. Und der Kleinwagen soll zudem englisch „Ädäm“ ausgesprochen und in Versalien geschrieben werden: ADAM. Die Neuentwicklung ist der große Hoffnungsträger im Jubiläumsjahr, in dem man in Rüsselsheim freilich andere Sorgen hat, als eine Sause zum runden Geburtstag zu veranstalten. Zum 125sten wurde im Mai 1987 noch drei Tage lang Party gemacht, Bundeskanzler Helmut Kohl schwebte im Hubschrauber ein, stieg in einen Opel Torpedo von 1911 und hielt später eine Festrede, die mit minutenlangem Beifall quittiert wurde.

          Mit Motorrädern hat Opel 1901 begonnen
          Mit Motorrädern hat Opel 1901 begonnen : Bild: Archiv Opel
          Frank Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Im Jahr 2012 wird es dagegen am 22. September ein bescheidenes Fest geben, zu dem Beschäftigte und ihre Familien sowie die Freunde der Marke eingeladen werden. Zu diesem Anlass öffnet das Rüsselsheimer Werk seine Pforten für Besucher. Mehr findet nicht statt. In der Tat würde eine große Party nicht zur momentanen Situation von Opel passen. Opel 2012: Der Marktanteil in Deutschland beträgt nur noch 7,2 Prozent, und der neue Opel-Chef Thomas Sedran - der neunzehnte (!) seit 1948 - musste sich unlängst vom Massenblatt „Bild“ fragen lassen: „Alle Welt redet nur über die Krise bei Opel, keiner über Ihre neuen Modelle. Warum soll ich eine Verlierer-Marke kaufen?“ So weit ist es gekommen.

          Die fünf Opel-Söhne machen sich ab 1886 für das Fahrrad stark
          Die fünf Opel-Söhne machen sich ab 1886 für das Fahrrad stark : Bild: Archiv Opel

          1987 sah der Himmel über Rüsselsheim noch viel heller aus. Opel verkaufte weit mehr als 450 000 Autos in Deutschland, der Marktanteil lag bei 15,6 Prozent. Es gab einen soliden Gewinn, es war das beste Ergebnis seit 1979. In den vergangenen 25 Jahren hat Opel viel Boden verloren. Eine nicht endende Kette von falschen Entscheidungen und beständige Reibereien mit dem Betriebsrat nagen an dem einst so guten Ruf der Marke. Der Marktanteil fällt und fällt. Den Rekord-Nachfolger Omega 2003 einzustellen war einer der Fehler wie jener, nach dem Erfolg des Geländewagens Frontera (auf Anhieb Marktführer) nicht konsequent am Ball zu bleiben. Am schwersten wiegt jedoch die über Jahre mangelnde Qualität, weil die Kosten gedrückt werden sollten und mussten (in den neunziger Jahren). Zum Glück gab es auch Lichtblicke wie den Minivan Zafira (seit 1998, von Porsche im Auftrag entwickelt). Und ohne Frage sind die heutigen Opel (vor allem der Insignia, aber auch der Meriva und der Zafira III sowie der Imagebringer Astra GTC) gut wie noch nie, nur verkaufen sie sich alle unter Wert, weil der Ruf so gelitten hat.

          Sohn Fritz probiert 1902 das erste Auto
          Sohn Fritz probiert 1902 das erste Auto : Bild: Archiv Opel

          Das Schiff wieder auf Kurs zu bringen, Opel wieder zu einer begehrenswerten Marke zu machen, ist eine der vordringlichsten Aufgaben von Interims-Chef Sedran. Neue Produkte sollen ihm dabei helfen, allen voran das neue Trio, das noch binnen Jahresfrist zu den Händlern kommt. Neben dem Adam, der in Eisenach produziert werden wird, sind das der Geländewagen Mokka und ein neues (Stoffdach-)Cabriolet, das zwischen Astra und Insignia einzuordnen ist. Es hat noch keinen Namen. Außerdem sollen bis 2016 rund 20 weitere neue Opel folgen (inklusive Facelifts), Milliardenbeträge stünden dafür bereit, verspricht Sedran.

          Den Karren aus dem Imagetief zu holen, ist eine der schwierigsten Aufgaben, die ein Automobil-Manager heute haben kann. Doch kaum war Sedran im Amt (seit dem 12. Juli), musste er auf den designierten Design-Chef, der aus Detroit kommen sollte, verzichten. David Lyon wurde plötzlich fristlos entlassen. Über die Gründe kann nur spekuliert werden. Dass Sedran als Chef auf Abruf gilt, macht die Sache nicht einfacher. Und natürlich soll auch noch weiter am Personal gespart werden - harte Zeiten ausgerechnet im Jubiläumsjahr.

          Weitere Themen

          Grand ohne vier

          Opel Grandland : Grand ohne vier

          Der Grandland rundet die SUV-Reihe von Opel nach oben ab. Er bringt hohen Komfort, gutes Raumgefühl und zeitgemäße Assistenzsysteme mit, jedoch keinen Allradantrieb.

          Hinter dem unsichtbaren Eisernen Vorhang Video-Seite öffnen

          Weißrussland : Hinter dem unsichtbaren Eisernen Vorhang

          „Weißer Fleck auf der Landkarte“ oder „letzte Diktatur Europas“: Weißrussland ist für viele Europäer Terra incognita im Schatten Russlands – daran ändert auch die neue Visafreiheit nichts. Oder doch? Zeit für eine Zwischenbilanz.

          Zwist im Aufsichtsrat

          Defizit bei der Documenta : Zwist im Aufsichtsrat

          Die Documenta endete mit einem Millionendefizit. Seitdem sind die Stadt Kassel und das Land Hessen nur wenig um eine Lösung bemüht. Doch jetzt macht ein einflussreicher Aufsichtsrat Druck.

          Topmeldungen

          Brexit-Verhandlungen : Ohne Qualen geht es nicht

          Theresa May flehte diese Woche in Berlin, Paris und Brüssel um Hilfe bei den Brexit-Verhandlungen. Die Europäer blieben hart. Aber sie gaben sich Mühe, nett zu sein.
          Erst mal shoppen in der Stadt, dann zu Hause noch bei Zalando bestellen.

          Geld in der Partnerschaft : Hilfe, meine Frau wirft das Geld raus!

          In Gelddingen zeigt sich oft die Wahrheit über eine Beziehung, sagen Paartherapeuten. Aber wer wird denn gleich an Scheidung denken, wenn die Ehepartnerin über die Verhältnisse lebt?
          Für mehr Recht und Ordnung im eigenen Land: Macron will härter gegen kriminelle Ausländer vorgehen.

          Macrons Abschiebekurs : Mit harter Hand

          Der brutale Mord an zwei jungen Frauen durch einen illegalen Einwanderer erschüttert Frankreich. Nun plant Präsident Macron konsequenter bei der Abschiebung krimineller Ausländer durchgreifen. Doch die Umsetzung gestaltet sich schwerer als gedacht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.