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100 Jahre Plastik Vor dem Plastik

06.08.2007 ·  Es war ein langer Weg bis zu Erfindung des Plastiks. Viel wurde probiert, um einen formbaren Stoff zu gewinnen: Von Lehm mit zerkleinertem Mammutelfenbein über Pappmaché bis hin zum Phenolharz.

Von Nils Schiffhauer
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Früh begann die Suche nach Materialien, die denen in der Natur vorgefundenen unter anderem an Formbarkeit überlegen waren. Jungsteinzeitler mischten zerkleinertes Mammutelfenbein mit Lehm und kneteten aus dieser plastischen Masse Tierfiguren. Das seit dem 15. Jahrhundert in Europa bekannte Pappmaché aus Tonschiefer, Lumpenpapierbrei, Gips und Wasser ist eine späte Fortführung, die sogar für Sessel taugte.

Bis zum vollsynthetischen Bakelit wurden weiterhin Naturstoffe modifiziert, um ihre Eigenschaften zu verbessern. 1530 braute der Schweizer Handelsherr Bartholomäus Schobinger aus Ziegenkäse ein Kunsthorn für Intarsien, das Wilhelm Krische und Adolf Spitteler 1897 zum Galalith aus Kasein und Formaldehyd verfeinerten.

Edel knisterndes Cellophan

1820 kamen die Kautschuk-Patente, die 1823 zu den ersten wasserdichten Regenmänteln führten. Aus voroxidiertem Leinöl wurde seit 1844 der Fußbodenbelag Linoleum hergestellt, und sogar die ein Jahr später erfundene Schießbaumwolle ist ein Kunststoff - Nitrocellulose.

Dieser setzte 1853 Alexander Parks Kampfer zu, sein „Parkesine“ war Vorläufer des von 1870 an produzierten Celluloids, das bis heute verwendet wird (Tischtennisbälle). 1884 sponn eine Französin Cellulosenitrat zu Nitroseide, der drei Briten 1892 Viscose zur Seite stellten, aus der später Reyon-Kunstseide gefertigt wurde. 1902 kam mit Laccaine das erste Phenolharz zunächst auf den deutschen Markt. Noch bevor schließlich von 1910 an Bakelit gefertigt wurde, erfand 1908 ein Schweizer Chemiker das noch heute edel knisternde Cellophan.

Quelle: F.A.Z., 07.08.2007, Nr. 181 / Seite T1
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