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Taschengeld 900 Euro im Jahr

23.01.2006 ·  Der erste Gang mit Einkaufszettel und Geldschein ist für jedes Kind ein besonderes Erlebnis. Die richtige Ware finden. Feststellen, daß ein Überraschungsei soviel kostet wie ein Liter Milch. Aufpassen, daß das Geld am Ende auch reicht.

Von Gunda Achterhold
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Der erste Gang mit Einkaufszettel und Geldschein ist für jedes Kind ein ganz besonderes Erlebnis. Die richtige Ware finden. Feststellen, daß ein Überraschungsei soviel kostet wie ein Liter Milch. Aufpassen, daß das Geld am Ende auch reicht. An der Kasse blitzschnell das Wechselgeld zählen und es zu Hause noch mal vorrechnen. Lauter wichtige Schritte auf dem Weg in die Selbständigkeit.

Was früher selbstverständlich war, wird heute seltener. Großeinkäufe und das Bezahlen per Karte haben das Einkaufsverhalten in Familien drastisch verändert. "Durch den bargeldlosen Zahlungsverkehr ist Geld für Kinder viel weniger transparent geworden", bedauert Inga Lichtenberg, Leiterin des Aachener Modellprojekts "Kids und Knete". "Welche Mutter führt heute denn noch ein Haushaltsbuch?"

Den Frust muß der Nachwuchs aushalten

Mit Richtwerttabellen und praktischen Tips hilft das Info-Portal www.kidsundknete.de Kindern und ihren Eltern in Taschengeld-Fragen auf die Sprünge. Wieviel Taschengeld soll mein Kind bekommen? Wie reagiert man, wenn alle Euros schon am ersten Tag weg sind?

Keine Panik, den Frust muß der Nachwuchs aushalten. Beim nächsten Mal wird er sich zweimal überlegen, ob dieser teure Comic wirklich sein muß. Oft ist es für Kinder auch nicht einfach, den Überblick über ihre Finanzen zu behalten. Hier mal zehn Euro von der Oma, dort Geburtstagsgeld von der Patentante, und Weihnachten gibt es auch noch was. Mit Hilfe von "Peters Taschengeldplaner", einer ganz einfachen Einnahme-Überschuß-Rechnung, bringen selbst Grundschüler schon Ordnung in ihr Portemonnaie.

Comics, Zeitschriften und Süßigkeiten

Die Höhe des Taschengeldes ist meistens gar nicht das Problem. Im Durchschnitt halten sich Eltern sehr wohl an die von Pädagogen empfohlenen Richtlinien. Trotzdem kalkulieren sie häufig falsch. "Eltern bekommen oft gar nicht mit, was kinderspezifische Produkte eigentlich kosten", stellt Christine Feil vom Deutschen Jugendinstitut (DJI) in München fest. Die Kriterien müssen klar sein: Wer Handygebühren, Klamotten oder Meerschweinchenfutter in die Abmachung einbezieht, sollte auch die Preise kennen. "Von fünf Euro Taschengeld bleibt nicht viel übrig, wenn sich ein Kind eines der vielen bunten Heftchen kauft", sagt Feil.

Jedem kleinen Verbraucher stehen laut IJF 270 Euro im Jahr zur Verfügung. Die Kids Verbraucheranalyse (KVA), die über zwölf Jahre alte Jugendliche einbezieht, kommt sogar auf 915 Euro.

Neben Comics und Zeitschriften stehen Süßigkeiten hoch im Kurs, gefolgt von Spielzeug und Getränken. Bei den 11- bis 12-jährigen schlagen auch Simsen und teure Klingeltöne fürs Handy schon zu Buche. Laut Taschengeldkalender des Instituts für Jugendforschung (IJF) machen fünf Prozent dieser Altersgruppe für ihre Wünsche Schulden bei Eltern, Freunden und Geschwistern.

Jüngere Kinder bringen Ausgeben und Anlegen dagegen noch gut unter einen Hut. Kein Wunder: Kids von heute haben eine zweite Geldquelle entdeckt. Ein oder zwei Euro außer der Reihe sind in vielen Familien üblich geworden. "Im Geldbeutel vermischen sie sich schnell mit den eigenen Münzen", warnt DJI-Forscherin Feil. Der pädagogische Sinn des Taschengeldes, Geld auszugeben und über Frust und Sehnsucht den Warenwert zu erkennen, werde so eigentlich unterlaufen. "Gerade unter den Jüngeren wird das eigene Geld nur noch gesammelt. Da sollten Eltern mal genauer hinsehen."

Taschengeld-Tips im Internet: www.checked4you.de, www.starke-eltern.de, www.elternimnetz.de

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 22.01.2006, Nr. 3 / Seite 45
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