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Veröffentlicht: 28.10.2014, 16:38 Uhr

Studenten-Umfrage Generation Privatleben

Immer weniger Studenten in Deutschland interessieren sich einer Umfrage zufolge für Politik. Es gebe einen Trend zu Apathie und Passivität. Einer Mehrheit der Befragten geht es vor allem um die eigene Zukunft und die Karriere.

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© dpa Studenten in Heidelberg: Trend zu Apathie und Passivität?

Eine so unpolitische Studentengeneration hat es seit langem nicht gegeben. Nur 24 Prozent der Befragten des alle drei Jahre stattfindenden „Studierenden-Survey“ stufen ihr Interesse an Politik als „sehr stark“ ein, 29 Prozent halten Politik hingegen für unwichtig. Das geht aus der aktuellen Befragung aus dem Wintersemester 2012/13 hervor. Es ist der tiefste Stand an politischem Interesse seit 1993, als sich in der Umfrage der Universität Konstanz noch 46 Prozent der Studenten als politisch sehr interessiert gezeigt hatten. Allein in den Jahren 2001 bis 2013 ist der Anteil der politisch sehr interessierten um dreizehn Prozentpunkte gefallen.

Heike Schmoll Folgen:

Auffallend ist, dass vor allem Fachhochschulstudenten kaum noch politisch interessiert sind, Universitätsstudenten hingegen etwas mehr. Zu den Gründen stellt die Studie nur Vermutungen an. Politik werde immer komplexer und unüberschaubarer, zugleich gebe es einen Trend zu Apathie und Passivität, der sich auch bei den Studenten ausbreite, heißt es darin.

Wanka: „Freiheit in unserem Land nutzen“

Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) zeigte sich am Dienstag in Berlin irritiert über das wachsende politische Desinteresse und rief die Studenten dazu auf, die politische Freiheit, nach der sie sich selbst immer gesehnt habe, auch zu nutzen: „Gerade zum 25. Jahrestag des Mauerfalls möchte ich eindringlich an die junge Generation appellieren, die politische Freiheit in unserem Land zu nutzen.“

Pressekonferenz Bildungsministerin Wanka © dpa Vergrößern Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) und der Hochschulforscher Tino Bargel bei der Vorstellung der Umfrage an diesem Dienstag in Berlin

Interessiert sind die Studenten laut dem am Dienstag vorgestellten „12. Studierenden-Survey“ vor allem an der eigenen Zukunft und Karriere. Sie erhoffen sich von ihrem Studium laut Befragung nicht nur eine gute fachliche Ausbildung, sondern auch einen sicheren und interessanten Arbeitsplatz, sowie ein gutes Gehalt. Angesichts der Ergebnisse der jüngsten Shell-Jugendstudien überrascht dieser Befund nicht, denn auch dort zeigte sich eine um ihr Privatleben und persönliches Fortkommen besorgte pragmatische Generation, der Familie und persönliches Glück zunächst näher stehen als das Gemeinwohl und die Politik.

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Dem Tiefststand des politischen Interesses unter Studenten entspricht, dass die Rücklaufquote der Fragebögen beim „Studierenden-Survey“ noch nie so niedrig war wie dieses Mal. Insgesamt haben sich im Wintersemester 2012/13 nur noch 18,6 Prozent der zur Befragung aufgeforderten 27200 Studenten beteiligt, 17,2 Prozent an Fachhochschulen und 19 Prozent an Universitäten.

Als repräsentativ kann die Umfrage trotzdem gewertet werden. Denn die Auswahl der teilnehmenden Universitäten und Hochschulen ist weitgehend stabil geblieben, sonst wären auch keine Vergleiche mit früheren Befunden möglich.

Wenig Forscherdrang

Die Unzufriedenheit mit den Bologna-Studiengängen hat abgenommen, 73 Prozent der Befragten sagten, sie studierten gern und beurteilten Aufbau und Struktur ihres Studiengangs positiv. Ministerin Wanka versäumte es deshalb nicht, dies als Bestätigung der eigenen Politik zu werten.

41 Prozent der Universitätsstudenten und 20 Prozent der Fachhochschulstudenten wünschen sich einen stärkeren Praxisbezug. Ein Drittel der Studenten wünscht sich mehr Studienveranstaltungen im kleinen Kreis, vor 14 Jahren waren das schon einmal doppelt so viele. Alarmierend ist, dass sich Studenten kaum noch Forschungsbezüge oder die Beteiligung an Forschungsprojekten wünschen.

Im Vordergrund scheint für die meisten die Fixierung auf die berufliche Praxis zu stehen. Dabei gibt es auch fächerspezifische Unterschiede. So ist die Praxisnachfrage in den Wirtschafts-, Sozial- und Kulturwissenschaften mit etwa 50 Prozent am höchsten, in der Medizin sind es immerhin auch noch 45 Prozent.

Über zu große Lehrveranstaltungen und zu wenig „Betreuung“ wird vor allem in den Rechts- und Wirtschaftswissenschaften und in der Medizin geklagt. Bessere Angebote zur Finanzierung des Studiums wünschen sich Studenten der Sozial-, Rechts- und Kulturwissenschaften am häufigsten. Angehende Juristen fordern vor allem geänderte Prüfungsordnungen.

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