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Streit mit GM Opel ringt um Fabrikstandorte für neue Modelle

17.11.2011 ·  Am Montag tagt der Aufsichtsrat in Rüsselsheim. Das Gremium wird unter anderem darüber streiten, ob ein Teil der Autoproduktion in Billiglohnländer abwandert. Bochum konkurriert mit Mexiko.

Von Christoph Ruhkamp
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© Röth, Frank Wer baut wo Opel? Bild von der Astra-Fertigung in Rüsselsheim

Auch zwei Jahre nach dem geplatzten Verkauf kommt Opel nicht zur Ruhe. Gerade erst musste der amerikanische Mutterkonzern General Motors - entgegen dem Zeitplan für die Sanierung der europäischen Tochtergesellschaft - für dieses Jahr abermals einen Verlust bei Opel ankündigen.

Seither steht fest, dass Opel nicht nur wegen der hohen Abfindungen für den Abbau von 8000 Stellen keinen Gewinn macht. Auch im Kerngeschäft mit der Herstellung und dem Verkauf von Autos sind die Kosten angesichts des langsam schrumpfenden europäischen Markts noch immer zu hoch.

Opel steuert deshalb im Jahr 2011 bei stagnierendem Absatz auf den vierten Milliardenverlust in Folge zu - und auf einen handfesten Konflikt zwischen dem Betriebsrat in Rüsselsheim und der Konzernspitze in Detroit.

Wer folgt auf Reilly?

Die ersten Turbulenzen werden an diesem Montag auftreten. Dann tagt der Aufsichtsrat der Adam Opel AG. Dessen Vorsitzender - der als Sanierer vor zwei Jahren zu Opel entsandte Waliser Nick Reilly - geht im März in den Ruhestand.

Dennoch steht noch immer nicht fest, wer ihn als Aufsichtsratschef in Rüsselsheim ablösen soll. Vor allem aber dürfte es in dem Kontrollgremium Streit um die anstehenden wichtigen Investitionen für die Produktion neuer Modelle geben. Schon in den kommenden Wochen muss der im April neu angetretene Opel-Chef Klaus-Friedrich Stracke entscheiden, wo der geplante kompakte Geländewagen sowie der Minivan Agila und das SUV Antara hergestellt werden.

Korea oder Saragossa

Denn im nächsten Jahr müssen die Gelder fließen, um die Anlagen aufzubauen. Das Problem: Bei jedem der drei Modelle konkurriert ein billiger Fabrikstandort in einem Schwellenland mit einem teureren in Europa.

Eigentlich will GM den neuen kompakten Geländewagen bei der Konzernmarke Chevrolet in Korea produzieren lassen. Opel-Betriebsratschef Klaus Franz, der zugleich Vize-Aufsichtsratschef ist, fordert dagegen, das Modell im spanischen Werk Saragossa anzusiedeln. Dort wird ohnehin der Kleinwagen Corsa gebaut, auf dessen Grundgerüst die Architektur des neuen kompakten Geländewagens basiert, und die 7000 Beschäftigten sind nicht ausgelastet: Sie wurden gerade für einige Wochen in Kurzarbeit geschickt.

Auch beim Minivan Agila gibt es die Notwendigkeit zu wählen: zwischen Korea oder dem polnischen Standort Gleiwitz. Und beim Geländewagen Antara konkurriert Bochum mit Mexiko. „Für uns ist es lebensnotwendig, neben dem Familienwagen Zafira ein zweites Modell zu bekommen", sagt der Bochumer Betriebsratschef Rainer Einenkel, der jüngst den Abbau von 2000 der 5000 Stellen im Bochumer Werk akzeptieren musste.

Der einzige Verlustbringer

Früher gab es bei Opel einen nahezu vollständig öffentlich ausgetragenen Wettbewerb der Standorte um die Produktion neuer Modelle. „Das hat GM abgeschafft", sagt Franz bedauernd. Der 59 Jahre alte Gewerkschafter ist seit zehn Jahren der oberste Arbeitnehmervertreter bei Opel und lebt ebenso lange im Dauerstreit mit dem Mutterkonzern.

Franz fürchtet in diesen Tagen, dass die Konzernstrategen in Detroit unter Führung des ehemaligen Finanzinvestors Daniel Akerson ein neues Sparprogramm auflegen, damit Opel nicht der einzige Verlustbringer im GM-Reich bleibt.

Konkurrenz mit Chevrolet

Aus Sicht des Betriebsratschefs geht die Sparwut aber in eine völlig falsche Richtung. Besser sei es, Wachstum für Opel zu schaffen: „Man kann wachsen - oder man kann sich zu Tode schrumpfen", sagte Franz der F.A.Z. GM müsse endlich die aufstrebenden Märkte in Russland, China, Indien und Lateinamerika für Opel freigeben - ohne Rücksicht auf mögliche Konkurrenz zur Schwestermarke Chevrolet.

„Das Wachstum in diesem Märkten ist uns in den vergangenen Märkten vorenthalten worden. Bevor wir nicht alle Absatzpotentiale mit Engagement ausgeschöpft haben, brauchen wir gar nicht über Kürzungen zu reden", sagt Franz in Erwartung des wieder erhöhten Drucks aus Detroit. Zu den Äußerungen von GM-Finanzchef Dan Ammann und damit losgetretenen Spekulationen über Werksschließungen äußert der IG-Metaller sich eindeutig: „Nach Aussagen von Opel-Vorstandschef Karl-Friedrich Stracke ist die Sanierung von Opel in Europa erfolgreich abgeschlossen."

Die Verträge zwischen den Beschäftigten und dem Unternehmen, mit einer Laufzeit bis mindestens Ende 2014, schlössen kategorisch Werksschließungen und Personalabbau aus. Die Verträge seien vom GM-Verwaltungsrat genehmigt und auch für GM rechtsverbindlich.

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Jahrgang 1972, Redakteur in der Wirtschaft.

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