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Modewoche New York : Das Erbe ist im Trend

Escada präsentiert die Kollektion für Frühjahr und Sommer 2019 in der Armory an der Park Avenue. Bild: Helmut Fricke

Die Modewoche in New York feiert viele Jahrestage – und sucht guten Stil vor allem im Gestern.

          Vor allem für den Regen wird diese Modewoche in Erinnerung bleiben. Beim Dinner von Ralph Lauren, vor der Schau von Boss, während des Open-Air-Defilees von Phillip Lim: Im schönsten Monat, den New York zu bieten hat, verdirbt der Regen die Stimmung. Immerhin: Kelly Rowland ist auch unterm Schirm unvergesslich. Und die Regentropfen auf den Kleidern von Rodarte sehen aus wie Kristalle. Oder umgekehrt? Man wird es nie erfahren: Denn leisten kann man sich die guten Stücke ohnehin nicht.

          Alfons Kaiser

          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Wenn es noch etwas gibt, an das man sich erinnern wird, dann ist es die Erinnerung. Longchamp feiert siebzigstes Jubiläum, Ralph Lauren fünfzigstes, Escada vierzigstes, und alle blicken zurück. Die Fixierung auf die Vergangenheit ist schön in einer Szene zusammengefasst, die sich nach der Schau und vor dem Dinner von Ralph Lauren im Central Park ereignet: Da steht der Achtundsiebzigjährige mit Calvin Klein und Donna Karan zusammen, und von rechts schiebt sich noch Tommy Hilfiger ins Bild, living legends allesamt. Es ist ein Foto für die Ewigkeit: Die großen Namen, die seit den Achtzigerin eine ganze Generation lang die New Yorker Mode bestimmten, traut vereint, wenn auch teils mittlerweile ein bisschen shaky.

          Die Fotografen stürzen sich auf die Szene, weil sie schon ahnen, dass sie solche big shots nie wieder gemeinsam einfangen werden. Denn in der Mode in Manhattan wimmelt es zwar von Talenten. Aber die Namen Jonathan Simkhai, Self-Portait oder Proenza Schouler kann man den Menschen tausendmal buchstabieren – in der großen Öffentlichkeit bleiben sie nur Zeichenfolgen, die schwer zu dechiffrieren sind.

          Die wahren Heroen nennt man mit ihren Vornamen: Ralph, Donna, Calvin, Tommy. Ihre Marken haben sie sogar auf noch weniger Zeichen verdichtet: CK, RL, DKNY, also Buchstabenfolgen, die erfüllt sind von Erinnerungen an Werbespots, Hosenanzüge, Parfums, Designergesichter. Das muss man niemandem erklären, das versteht sich alles von selbst, das hat seinen Sinn: Vergangenheit, die nicht vergehen kann.

          Bilderstrecke

          Heute hingegen ist die Welt kompliziert. Trends gehen durcheinander, neue Marken drängen nach und dringen nicht durch, Werbegesichter werden wegen des großen Bilder-Wettbewerbs nicht mehr ikonisch, und Designernamen sind austauschbar. Diane von Fürstenberg hat ihren Designer deshalb auch gleich ausgetauscht. Jonathan Saunders vertrat ihren Namen hervorragend, aber nur sehr vorübergehend. Jetzt sitzt die Erfinderin des Wickelkleids wieder im Chefsessel im ersten Stock ihrer Zentrale im Meatpacking District: „In meiner Kollektion geht es um die Pionierin“, sagt die 71 Jahre alte Modemacherin zu den mehrlagigen Kleidern mit Blümchenmustern – und es ist nicht ganz klar, ob sie damit wirklich die Pionierin meint, die sich im Wilden Westen durchschlägt, oder vielleicht sich selbst, die in ihrem eigenen Laden für Ordnung sorgen muss.

          „Es geht um die Pionierin in jeder Frau“, sagt sie gleich darauf, um die Zielgruppe ihrer Kundinnen nicht unnötig einzugrenzen. „Das kann meine Enkelin sein, meine Geschäftsführerin, oder ich, die alte Frau.“ Gespielte Verzweiflung über ihr Alter hat Diane von Fürstenberg eigentlich nicht nötig, auch sie bringt es schließlich dank Dauer-Karriere zu Kürzel-Ehren: DvF spricht für sich.

          Sogar Tory Burch schaut zurück

          Die Vergangenheit bietet Halt in ungewissen Zeiten. Daher schaut sogar Tory Burch zurück, der es an Verständnis für die Frau von heute wirklich nicht fehlt. Aus ihrem Einladungsbrief flattern zwei Reproduktionen alter Fotos – auf einem ihr Vater, der Geschäftsmann Ira Earl Robinson, auf dem anderen die kleine Tory mit ihrer Mutter, der Schauspielerin Reva Robinson. Bei der Schau im Garten des Cooper-Hewitt-Museums lässt Tory Burch dann am Ende „Mrs. Robinson“ einspielen, das Lied von Simon & Garfunkel von 1968. Reva Robinson wird davon in der ersten Reihe überrascht – und muss weinen. „Als das Lied damals rauskam, war das toll für mich“, sagt sie, als sie trotz der Wolken wieder ihre Sonnenbrille trägt. „Alle haben es gesungen, wenn sie mich gesehen haben.“ Und jetzt spielt ihre Tochter, auf die sie wegen ihres Erfolgs so stolz ist, das Lied als Gruß an ihre Mutter ein: „Stand up tall, Mrs. Robinson, God in heaven smiles on those who pray.“

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