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Von cool bis opulent: Vier Ideen für den Festtagstisch

Vier Ideen für den Festtagstisch

Von FRANK RÖTH (Fotos) und BIRGIT OCHS

09. Dezember 2015 • Schönes Service, gute Gläser, feines Tuch: Fertig ist die Weihnachtstafel. Wir haben zwei Frankfurter Profis gebeten, für uns aufzutischen.

Eigentlich braucht man das alles nicht, sagt Goran Djukic. „Es ist doch immer ein Fest, wenn man Zeit hat, sich mit Menschen, die einem wert und wichtig sind, um einen Tisch zu versammeln und zu essen.“ Recht hat er. Doch wenn der Tisch dem Anlass entsprechend stimmungsvoll eingedeckt ist, ist es noch mal so schön. Das weiß Djukic als Mitinhaber von Liebesdienste Home aus Frankfurt natürlich. „Außerdem schmecken ein gutes Essen und ein edler Wein aus dem entsprechenden Geschirr einfach viel besser.“ Da lässt Ilse Kofler nicht mit sich reden. Seit mehr als vierzig Jahren betreibt sie Cri-Cri Interieur in der Stadt am Main. Sie steht für einen klassisch-zeitlosen Stil und schwört auf die Produkte deutscher Manufakturen. Er vertritt vor allem die Benelux-Skandinavien-Linie, die immer jung wirkt und für die eine klare Formensprache ebenso zum Programm gehört wie das Motto „Gutes muss nicht teuer sein“. In einem Privathaus in Frankfurt haben die beiden Profis für uns je einen runden und einen langen, rechteckigen Tisch weihnachtlich eingedeckt – und dabei etwas aus dem Nähkästchen geplaudert.

Was macht einen gut gedeckten Tisch aus? KOFLER: Natürlich muss alles vorhanden sein, was man für die Mahlzeit braucht. Aber es geht um mehr. Der gut gedeckte Tisch muss zum Raum passen, die Proportionen des Gedecks müssen stimmen, es muss aber auf alle Fälle auch zum Essen passen. Also kein Fischgericht auf einem Teller mit Jagdmotiv? KOFLER: Auf keinen Fall! Auch kein Rippchen mit Kraut auf einem Goldteller, der auf feinstem italienischen Tuch steht. Das passt einfach nicht.

DJUKIC: Ein festlich gedeckter Tisch kann aus meiner Sicht auch ganz einfach gehalten sein. Wie das unser Vorschlag mit den Holzbrettchen für den runden Tisch zeigt. Man kann auch das Schmieren eines Butterbrotes festlich gestalten. Aber eine Basisausstattung braucht man schon. DJUKIC: Sicher - weißes Geschirr. Das kann man beliebig kombinieren. Wie steht es mit Moden? Ständig sind neue Töne im Trend. DJUKIC: Jeder hat seine eigene Design-DNA. Da sollte man sich nicht verbiegen. Wählen Sie etwas, das zu Ihnen passt. Man soll sich darin ja auch wiedererkennen. Moden muss man nicht nachgeben. Weiß und Gold sind immer aktuell, Grün und Rot klassische Weihnachtsfarben für die Deko.

KOFLER: Moden überholen sich, deshalb halte ich nichts davon. Langlebigkeit dagegen ist ein Wert. Es ist doch schön, wenn Dinge die Zeiten überdauern. Auf einer Festtafel kommen jede Menge Glas und Porzellan unter. Mit wie viel Platz muss man pro Person kalkulieren? DJUKIC: Angeblich mit achtzig bis neunzig Zentimetern, aber das ist ja Wahnsinn. Fünfzig bis sechzig Zentimeter reichen völlig. Die Franzosen kommen übrigens mit fünfundvierzig Zentimetern aus. Auf runden Tischen ist grundsätzlich weniger Platz als auf rechteckigen. Was ist der größte Fehler, den man beim Eindecken begehen kann? KOFLER: Eine zu wilde und vor allem zu hohe Dekoration. Wenn man sich bei Tisch nicht ansehen kann, ist das schrecklich. Wählen Sie keine stark duftenden Blumen, das lenkt von Aroma des Essens und des Weins ab. Auch auf Blumentöpfe sollte man verzichten. Wer weiß, was da aus der Erde krabbelt? Ihr persönlicher Tipp? DJUKIC: Stellen Sie das zentrale Deko-Element gleich zu Beginn auf, um die Platzverhältnisse einzuschätzen. Dann decken Sie ein. Die übrigen Zierden erst zum Schluss verteilen.

Gepfefferte Weihnacht Ein Hauch von Eis und Reif und trotzdem alles andere als frostig: Diesen Spagat schafft dänisches Design. Goran Djukic von Liebesdienste Home hat für den großen Tisch (fast) ganz auf die Ausstattung von Broste Copenhagen gesetzt, angefangen bei der leichten Leinentischdecke. Deren hauchzartes Rosa sorgt für einen so dezenten wie freundlichen Unterton.

Eigentlich ist Djukics Motto „Keep it simple“ – halte es einfach. Aber dann hat er doch ganz schön aufgetragen: rauchfarbene Gläser zur zwischen grün-grau-blau changierenden Keramik, goldfarbene Kerzenhalter und Serviettenringe, dazu Besteck und Brotkörbe im selben Ton.

Auf spezielle Weihnachtsdekoration hat der Einrichtungsprofi verzichtet. Die in Wassergläsern (la Rocher) arrangierte Christrose als Königin der Dezembergewächse sieht nicht nur gut aus, sondern weist auf den Anlass hin. Clou des Ganzen ist der mit bunten Pfefferkörnern bestreute Spiegel, der den Schein der Teelichte zurückwirft. Einfach festlich!

Das Eckige muss ins Runde Geht das, stimmungsvoll eindecken mit einfachen Mitteln? Er werde den Beweis antreten, hat Goran Djukic versprochen.

Voilà, hier ist das Ergebnis: Der runde Tisch im Wintergarten bietet die ideale Fläche für eine rustikal-stimmungsvolle Tafel. Brettchen hat jeder, meint Djukic. Diese hier sind von Broste Copenhagen. Der leinene Tischläufer stammt von Himmler. Auch weißes Geschirr dürften die meisten besitzen. Hier kamen Teller des niederländischen Herstellers Pomax zum Einsatz, ergänzt durch grün-goldbraun schimmernde Teller (Serax). Kontraste sind wichtig, sonst wird es langweilig. Von House Doctor stammen die Gläser.

Besonders sind die Kerzenhalter. Die hat eine Künstlerin aus dem Raum Frankfurt gestaltet, die alte Fachwerkbalken verarbeitet. Als Serviettenringe dienen Eucalyptuszweige. „Da kann man kreativ sein, auch bei der übrigen Deko aus roten Früchten“, sagt Djukic. Und das Besteck? Das hat er sich für die „Low Budget“-Variante aus der Küchenschublade der Hausherrin gemopst.

Wild – romantisch! Das passende Essen zum Geschirr, das ist Ilse Kofler wichtig. Und weil Weihnachten Wild- und Geflügelgerichte auf dem Speiseplan vieler Familien stehen, hat die Inhaberin von Cri-Cri Interieur den runden Tisch mit einem ganz besonderen Service eingedeckt: Der Platzteller ist aus der Serie „Pulse“, Suppen- und Brotteller stammen aus der Reihe „Piqueur“ von Hering Berlin.

Mit dem Jagddekor liegt die Manufaktur voll im Trend. Die wie hingetuschten Rebhuhn- und Hasenmotive gefallen aber auch Nichtjägern. Von Leitner stammt das feine Leinen, von Theresienthal das Glas. Alles klassisch, aber ungeziert. Die rauchigen Teelichte sind von Guaxs, die silberne Vase für die Rosen von Lambert.

Das Thema Jagd hat Ilse Kofler an diesem Weihnachtstisch durch die Wahl von Salz- und Pfeffermühle (Lagniole) aus Horn und Leder noch etwas weitergedreht. Blutrot leuchten neben den Seidenkissen auch die Zapfen (Art Glas Veronika Wentz).

Edel währt am längsten Ein langer, schlichter Holztisch; dazu die, zugegeben, durchaus formschönen Gartenstühle (sic!): Wird daraus auch eine Weihnachtstafel von klassischer Eleganz? Absolut. „Mit einem feinen Tischtuch legt man dafür die beste Basis“, sagt Ilse Kofler.

Damit kein Zweifel aufkommt, hat sie bei dieser Variante auf Gold gesetzt. Golden leuchten die Platzteller (wie auch Speise- und Suppenteller von Dibbern). Golden schimmert der Rand der Weingläser. Den Ton nehmen auch die mandarinenfarbenen Wassergläser (beides von Theresienthal) sowie einer der Kerzenleuchter auf. Sie alle geben der eigentlich in gedeckten Tönen und Weiß gehaltenen Tafel Farbe und Glanz. Dazu gesellt sich wie auch beim runden Tisch Besteck aus Sterling Silber (Schiavon).

Weil man bei Cri-Cri gern mit Stoffen arbeitet, werden konsequenterweise auch die Stühle in die Gestaltung mit einbezogen und mit Kissen ausstaffiert, die passend zur Tischdecke bezogen sind. Weil die einzelnen Zutaten hier schon sehr stark wirken, hat die Einrichtungsfachfrau auf üppiges Dekor verzichtet. Ein Rosenbukett geht immer. An Weihnachten kommt noch Tannengrün hinzu - und ein Tannenzapfen (Art Glas) zur Zierde. Es kann serviert werden!

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Quelle: F.A.Z.

Veröffentlicht: 09.12.2015 17:23 Uhr