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Ein Fahrrad aus dem Karton : Billy auf zwei Rädern

Ikea-Fahrrad „Sladda“ Bild: Ikea

Ikea verkauft nun auch ein Fahrrad. Das sieht, einmal zusammen montiert, ziemlich gut aus. Ob es auch gut fährt, zeigt der Alltagstest.

          Wer könnte sich daran erinnern, dass je zuvor ein Fahrrad schon lange vor Verkaufsbeginn eine derartig schlechte Presse hatte? Kaum hatte der schwedische Möbelriese Ikea im Frühjahr das Sladda präsentiert, sein vom 15. August an online bestellbares Fahrrad, da wurde dem Designstück in hellstem Grau schon mächtig zugesetzt.

          Hans-Heinrich Pardey

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Die geballte fahrradtechnische Expertise von „stern.de“ bis „Focus Online“ fand Grund zum Nörgeln an dem Rad: Mit diesem Fahrrad riskiere Ikea seine Glaubwürdigkeit, „durch die Überdehnung der eigenen Marke“, wusste einer der Auguren bereits im April. Nun steht das Sladda hier neben dem Schreibtisch und kann auch gefahren werden – dort, wo es hingehört: auf kurzen Wegen durch die Stadt.

          Moment: Sladda kommt im Karton. Und der ist so klein, dass schon von außen klar wird: Das Fahrrad darin kann noch nicht fertig montiert sein. Aus dem Karton nehmen lässt es sich jedoch als ein Stück, denn die größeren, wohlverpackten Einzelteile sind alle trickreich mit Kabelbindern zusammengeschnürt. So trickreich, dass man von Anfang an weiß: Nie wieder wird man dieses Rad zurück in diesen Karton bekommen.

          Typisch Ikea: Rudimentäres Werkzeug und eine fehlende Schraube

          In einem separaten Fach finden sich die kleineren Teile wie die Batteriebeleuchtung und die Pedale, das – höchst primitive – Werkzeug und die Bauanleitung. In der kratzt sich das bekannte, männlich-menschenähnliche Wesen am Kopf und bittet um telefonischen Rat.

          Selbst will man ebenfalls gleich zum Telefon greifen, denn die dicke Schraube für den ersten Montage-Schritt scheint zu fehlen. Aber nein, sie hat sich bloß in die äußerste hintere Ecke des Kartons verkrochen.

          Mit dem Zwei-Bein-Ständer geht es los und dann Schritt für Schritt weiter, etwa eine Stunde lang und mit kleinen Überraschungen. Die Reihenfolge der Montageschritte ist längst nicht so zwingend wie etwa beim Zusammenfügen einer Massivholz-Kommode namens Hemnes.

          Aber wie in der Hemnes-Bauanleitung bildlich strikt empfohlen wünschte man sich doch einen Partner herbei bei der Endmontage des Sladda – oder wenigstens die dritte Hand. Das ist ein Werkzeug, das es tatsächlich gibt in der Fahrrad-Werkstatt. Vor allem das Zusammenfummeln des Vorbaus mit dem noch lange am Hauptrahmen gebliebenen Lenker, an dem der eine und einzige Bremsgriff schon montiert ist, gerät zur reinsten Sisyphos-Schrauberei.

          Überraschende Leichtigkeit

          Das, wovor sich der Monteur wegen mancher schlechter Erfahrung am meisten gefürchtet hat, erweist sich hingegen als Kinderspiel. Die Bremsscheibe flutscht beim Einsetzen des Vorderrads sauber in den Schlitz zwischen den Bremsbelägen, den bis dahin ein simples Stück Wellpappe offen gehalten hat.

          Eigentlich gehörte da beim Transport ein auf das Modell der mechanischen Scheibenbremse zugeschnittenes Kunststoffteil hin. Was sich als viel schwieriger entpuppt, ist das Ausrichten des vorderen Schutzblechs: Es gibt drei Befestigungspunkte, und eine ganze Weile lang kann hier angezogen, dort gelockert, nach dorthin oder hierher gebogen werden, irgendwo schleift der Reifen doch. Dass die Reifen, und zwar durch Autoventile, noch kräftig aufgepumpt werden müssen, ist nicht mehr als eine Fußnote.

          Keine Nebensache ist das leichte Grauen, das den Monteur beim Einschrauben der Pedale beschleicht. Diesen Schritt hält man bei Ikea offenbar für ziemlich das Schwierigste der Montage überhaupt – was es tatsächlich nicht ist, wenn der, der schraubt, eines beherzigt: In die Kurbel hineingeschraubt werden Pedale immer in Fahrtrichtung. Das heißt, links hat man es mit einem Linksgewinde zu tun.

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