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Stanley Tucci : Welche Schuhe würde dieser Mensch tragen?

Ein „Mann, den Frauen lieben - aber Männer lieben ihn auch. Er ist das Komplettpaket: Er zieht sich gut an, tanzt gut, kocht gut. Er ist einer der letzten großartigen, weltgewandten heterosexuellen Männer.“ So Meryl Streep über Stanley Tucci Bild: Getty Images

Stanley Tucci, 53, ist Charakterdarsteller und ein König der Nebenrollen. Seine Figuren macht er oft zu emotionalen Kraftzentren eigenen Rechts. Eine Begegnung in London.

          Reden wir also erst von dem Tag, an dem Stanley Tucci mal Meryl Streep in ihrer eigenen Küche herumkommandierte. Das muss 2008 gewesen sein, der Schauspieler war gerade für den Film „Julie & Julia“ besetzt worden, in dem die Streep Julia Child verkörpern sollte, eine legendäre amerikanische Kochbuchautorin und Fernsehköchin, die, beginnend mit den frühen sechziger Jahren, ihre Landsleute mit der französischen Cuisine im Besonderen und den Feinheiten des Essens im Allgemeinen bekannt gemacht hatte. Tucci, der mit Streep ein paar Jahre zuvor schon mal zusammengearbeitet hatte, sollte Childs Ehemann Paul spielen, ihren Gefährten auf der kulinarischen Entdeckungsreise ihres Lebens. „Also rief ich Meryl an“, erzählt der Schauspieler jetzt in seinem breiten Sessel in einem kleinen Vorführraum in Soho, „und sagte zu ihr: Ich will jetzt nicht klingen wie einer dieser method actors“ - die ihre Figuren mit eigenen Erinnerungen und Gefühlen aufladen -, „aber wir beide müssen zusammen eine Mahlzeit kochen.“

          Bertram  Eisenhauer

          Verantwortlich für das Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Also gingen die zwei einkaufen, stellten sich in Streeps Apartment in Manhattan an den Herd und kochten „blanquette de veau“, nach Childs Kochbuch, und „tarte tatin“ - ein Kalbsfrikassee französische Art, dazu einen Apfelkuchen, ebenfalls gallischer Abstammung, zum Dessert. Die Namen der Speisen gehen Tucci, dem leidenschaftlichen foodie, locker über die Lippen. Jahre später erinnerte Streep sich in einem Interview, der Kollege sei in der Küche „bossy“ gewesen, ziemlich bestimmend. Stimmt das, Mr Tucci? „Ja, ich kann recht bestimmend sein: Warum machst du das jetzt? Warum machst du das so? Gib das her! - Ich bin dann nicht immer höflich.“ Sagt er und lächelt dieses zurückhaltende, feine Tucci-Lächeln.

          Klassisch Tucci war auch, wie die Zusammenarbeit zwischen Streep und ihm dann auf der Leinwand wirkte. Zwar hat Tucci immer wieder auch Schurken verkörpert; für seine Darstellung des Adolf Eichmann in der HBO/BBC-Produktion „Die Wannsee-Konferenz“ erhielt er einen Golden Globe, als Serienmörder George Harvey im Kinofilm „In meinem Himmel“ war er für den Oscar nominiert. Tuccis besondere Spezialität aber sind Figuren, die dem Zuschauer mit ihrer stillen Intensität ans Herz wachsen - eben der Gatte der Kochlegende Child oder Nigel, der Art Director in „Der Teufel trägt Prada“, der sich der ebenfalls von Streep verkörperten Chefredakteurin unterwirft, ihrer gequälten Assistentin (Anne Hathaway) aber zu einer Art Mentor wird. Amerikanische Kollegen sprechen in solchen Fällen davon, ein Schauspieler habe den Film einem berühmteren Kollegen unter der dicken Stargage weggestohlen. Tucci aber stiehlt niemandem etwas; seine Darstellung, die oft ein eigenes moralisches oder emotionales Gravitationsfeld schafft, macht die Textur des gesamten Filmes dichter und glaubwürdiger.

          Dass Tucci vielbeschäftigt ist in diesen Tagen - 2014 ist er sogar im neuesten „Transformers“-Film zu sehen -, liegt nicht zuletzt an seinem Stolz als Amerikaner italienischer Abstammung. Sein Filmdebüt hatte er 1985 in „Die Ehre der Prizzis“ - und wurde auch in den Folgejahren gerne als Gangster oder zumindest zwielichtige Type eingesetzt; 1991 etwa war er Mobster Lucky Luciano in „Billy Bathgate“, 1995/96 ein dubioser Millionär in der Serie „Murder One“. Diese Verengung seiner darstellerischen Möglichkeiten gefiel Tucci gar nicht. Aber er hatte auch noch ein anderes Problem: „Italiener wurden damals im Kino fast nur als Gangster gezeichnet. Ich verlange ja gar keine Liebeserklärung, aber jedes Mal, wenn man einen Italiener sah, gehörte er zur Mafia oder war zumindest kurz davor, korrupt zu sein. Heute ist das anders, aber bis vor sieben oder acht Jahren gab es kaum einen Lehrer oder Arzt mit einem italienischen Nachnamen im Film - es sei denn, er hatte doch irgendwie eine Verbindung zur Mafia. Umgekehrt, wenn man mich dann besetzte, hieß es: Jetzt müssen wir seinen Namen ändern.“

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