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HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 15.07.2013, 11:36 Uhr

Neue Häuser 2013 Alles andere als alltäglich

Es ist Guckkasten und Wohnhöhle. Es hat Zimmer, die eigentlich keine sind. Das Ferienhaus von Johanna Michel und Dirk Preuß in der Uckermark bricht mit Gewohnheiten.

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© Gyarmaty, Jens Landhaus im Osten

Amerika, Prärie und unsere kleine Farm. Beim Anblick des langgestreckten Baus mit seiner groben Holzverschalung und dem eigenwilligen schwarzen Satteldach können einen Fernweh und Nostalgie packen. Doch was für einen Moment nach Wildwest aussieht, liegt knapp 90 Kilometer nordöstlich von Berlin. Die kleine Ortschaft, in der das ungewöhnliche Haus steht, heißt denn auch nicht Plum Greek, sondern Pinnow. Das nahe Gewässer ist kein Lake, sondern der Flechowsee, und die Herde, die den nahen Hügel hinunterdonnert, besteht aus putzigen Alpakas, nicht aus bulligen Rindern.

Birgit Ochs Folgen:

Sehnsuchtsort Uckermark. Für Johanna Michel und Dirk Preuß ist das hügelige Seeland genau das. Knapp zwei Autostunden brauchen die beiden und ihre beiden Töchter, um den Alltag in Berlin hinter sich zu lassen. Seit Jahren schon verbringt die Familie in Pinnow einen Großteil ihrer freien Zeit. Regelmäßig zieht es sie raus aufs Land. Dann tauscht sie das Häusermeer und den Hauptstadtrummel ein gegen unverbaute Hügellandschaften und Beschaulichkeit. Zunächst hatten die vier ein Haus gemietet, in dem sie am Wochenende und in den Ferien wohnten. Ihre Hochzeit haben Johanna Michel und Dirk Preuß hier draußen gefeiert - und sich im Laufe der Jahre derart verliebt in diese Gegend, die die abschmelzenden Eiszeitgletscher so eigenwillig geformt haben, dass sie sich eines Tages eine eigene Bleibe wünschten.

Schwierige Suche

Obwohl der Landstrich zwischen Prenzlau, Eberswalde und Schwedt nicht gerade das ist, was man eine Boomregion nennt, und hier keine Hidden Champions genannten Mittelständler Arbeitskräfte anlocken, war es gar nicht so leicht, etwas Passendes für die vierköpfige Familie zu finden. Michel und Preuß suchten, zunächst mit Freunden, später ohne. Es war zäh. Als sie schließlich ein hübsches Häuschen schon fast sicher zu haben glaubten, überbot sie ein anderer Interessent. Geknickt erzählten sie einem Dorfbewohner davon - und von da an liefen die Dinge fast von allein. Denn dank der Vermittlung des Mannes kamen die Eheleute an das 5000 Quadratmeter große Grundstück, auf dem heute ihr Haus steht. Das war vor vier Jahren.

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Zunächst wagten die beiden sich an eigene Entwürfe. Das tun nicht wenige Bauherren. Nicht nur in Kreativberufen tätige Menschen, auch solche, die vom Gestalten und Planen grundsätzlich weit weniger Ahnung haben als die Modedesignerin und Hochschullehrerin Johanna Michel und der Bauingenieur Dirk Preuß, gefallen sich in der Rolle des Architekten. „Wir haben allerdings schnell gemerkt, dass wir selbst mit unseren Vorstellungen über das Übliche nicht hinauskommen“, merkt die Bauherrin an. Michel und Preuß wollten mehr und wandten sich an den Berliner Architekten Thomas Kröger, mit dem der Bauingenieur schon ein paarmal beruflich zu tun hatte.

Maximale Freiheit für den Planer

Die Gegend war dem Planer nicht unbekannt. Als er den Auftrag annahm, arbeitete er in der Nähe schon an einem anderen Vorhaben. Die Uckermark begeistert Kröger. Man kann ihn sich vorstellen, wie er das Grundstück abschritt und dabei die Nachbarhäuser wie die Landschaft mit seinen Blicken maß. Dabei fielen ihm die Baumgruppen auf, die die Aussicht im Osten wie im Westen begrenzen. „Klar, dass die Bäume vom Haus aus zu sehen sein müssen“, sagt er. Daher steht der Neubau nicht quer zur Straße, was ihn auf jeden Fall weniger einsehbar gemacht, die Bewohner aber auch um die Aussicht gebracht hätte.

Viele Vorgaben hatten Michel und Preuß ihrem Architekten nicht gemacht. Die Bauaufgabe lautete, ein Ferienhaus mit vier Schlafzimmern zu entwerfen. Das war eigentlich alles. „Er hatte maximale Freiheit, wir haben ihm blind vertraut“, schildert Johanna Michel ihre Haltung. Zu der hatten die beiden allerdings auch deshalb gefunden, weil sie in unzähligen Vorgesprächen mit Thomas Kröger ausgelotet hatten, dass sie als Team zusammenpassen, welches Raumgefühl sie schätzen und wie das Haus genutzt werden soll. Schon damals war klar, dass die Bauherren ihr kleines Anwesen nicht nur für sich, sondern auch Platz für Freunde haben wollten. Zudem kam rasch die Idee auf, an Feriengäste zu vermieten - allein schon, um sich die Investition leisten zu können.

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