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Veröffentlicht: 25.09.2012, 14:27 Uhr

Neue Häuser 2012: Mutterhaus Quitte mit Aussicht

„Form follows nature“ lautet der Leitsatz des Architekten Rudolf Finsterwalder. Kein Wunder, dass das Holzhaus, das der Bayer für seine Eltern entworfen hat, an eine Frucht erinnert.

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© Maria Irl Alles rundet sich in diesem Haus

Auf die Idee mit der Quitte kommt man erst später. Wer die steile Straße am Ortsrand von Bad Endorf im Chiemgau hinaufläuft, dem fällt das Haus mit der hellen Lärchenholzschalung zunächst seines Flachdachs und seiner freundlichen Rundungen wegen auf. Die Häuser zur Linken und zur Rechten zeigen klare Kante, strecken sich mit ihren Satteldächern dem satten Blau des bayerischen Himmels entgegen und sind zugleich doch tief in der Erde gegründet. Dagegen wirkt das kleine kellerlose Haus von Helga Maria Finsterwalder und Ernst Lichtnecker mit seinen fließenden Formen wie hingegossen zwischen all den Blumen, Gräsern und Obststräuchern. Für den Bau ist kaum Erde bewegt worden, trotz der leichten Hanglage. Stattdessen gleichen im Innern des Hauses vier Stufen den Höhenunterschied aus.

Birgit Ochs Folgen:

Sie hätten unbedingt ein Haus gewollt, das sich gut in die Umgebung integriert, erzählen die Bauherren. Was auch immer das damals für sie bedeutet haben mag - ein Haus wie dieses, in dem sich alles rundet, hatten sich die beiden beim besten Willen nicht vorstellen können. „Das ist doch sehr weit weg von dem, was man so kennt“, gesteht Helga Maria Finsterwalder. Die Frage, wie man in einem solchen Haus Möbel stellen soll, bereitete ihr ziemliches Kopfzerbrechen.

Ungewöhnliche Mischform

Lange hat sie sich gesorgt, ob so ein Vorhaben auch wirklich das Richtige für sie sei. Mittlerweile weiß sie es. Seit einem guten Dreivierteljahr lebt das Ehepaar nun in dem in Holzständerbauweise errichteten Haus, das bei näherer Betrachtung tatsächlich an eine Quitte erinnert. Das liegt nicht nur an der äußeren Gestalt, sondern auch am Innenleben des Hauses, das gleich der Frucht eine Art Kerngehäuse besitzt. Der Architekt Rudolf Finsterwalder hat in seinem Entwurf keinen Standardgrundriss geliefert: Das Haus, dass er für seine Eltern geplant hat, bietet auf 132 Quadratmeter Grundfläche eine ziemlich ungewöhnliche Mischform zwischen offenem Wohnen und klar voneinander abgegrenzten Räumen.

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So umgibt ein einziger großer Raum den Kern, in dem die Speisekammer, ein kleiner Abstellraum, das Gäste-WC, aber auch ein Ruheplatz am großen Kachelofen angesiedelt sind. Rund um dieses Zentrum reihen sich vom Eingang aus Arbeitszimmer, Diele, Wohnzimmer, Essecke und die Küche. Alles geht fließend ineinander über. Durch die unterschiedlichen Rundungen wie auch durch die bodentiefen Fenster ergeben sich aber immer neue Raumbilder, die den Garten miteinschließen. Nur zwei Räume liegen separat: das kleine Gästezimmer und das Schlafzimmer, das sich, durch eine Schiebetür verborgen, gleich hinter der Küche befindet. Von dort aus gelangt man direkt ins Badezimmer.

Schwierige Bauplatzsuche

Es hat eine Weile gedauert, bis das Ehepaar den unkonventionellen Vorschlägen des Sohns folgte. „Unsere Vorstellungen haben nicht immer harmoniert“, räumen die drei freimütig ein. Als die Eltern sich mit fast siebzig Jahren entschieden, das Abenteuer Hausbau doch einmal in ihrem Leben zu wagen, gingen sie mit einer eigentümlichen Mischung aus Kindheitsträumen und Pragmatismus an die Sache heran. Helga Maria hatte es als Mädchen geliebt, sich im Garten ihres Elternhauses ein Phantasiereich zu bauen. Nun träumte sie von einem kleinen Haus, das wie eine schützende Höhle oder Burg sein sollte. In gewachsener Umgebung sollte es stehen, gut angebunden und für ein Leben im Alter geeignet sein. Auch möglichst natürliche Baumaterialien waren den beiden Chiemgauern wichtig.

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