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Yeti im New Yorker Kaufhaus Saks : Wer soll denn den Schnee machen?

Yeti auf Expedition: Schon im dritten Jahr ist die flauschige Kreatur für das Kaufhaus Saks im weihnachtlichen Einsatz Bild: AFP

Zur Weihnachtszeit ist der Yeti im New Yorker Kaufhaus Saks ein Hit. Erdacht hat ihn der deutsche Grafikdesigner Stefan Bucher.

          Große Augen machen die Kinder, die sich vor den Schaufenstern des Kaufhauses Saks an der New Yorker Einkaufsmeile Fifth Avenue drängen. Größere Augen hat der Star, der ihre Aufmerksamkeit auf sich zieht. Er gehört da eigentlich nicht hin zwischen die eleganten Menschen, die sich im prall gefüllten U-Bahn-Waggon eines Zuges mit der Nummer 7 schmal machen. Weder Hut noch Anzug trägt er, keinen Schlips und keine Schuhe. Ein ungekämmter Naturbursche im zotteligen Ganzkörper-Outfit, von wer weiß woher hereingeschneit.

          Patrick Bahners

          Feuilletonkorrespondent in Köln und zuständig für „Geisteswissenschaften“.

          Ihm hat niemand gesagt, was in New York schon jedes Kind lernt: dass man die anderen Passagiere in der U-Bahn nicht anstarren soll. Die Verlegenheit des Neuankömmlings spricht aus seinem Blick, aber er lächelt reichlich ungeniert. Schön warm muss er es haben, er fühlt sich wohl in seiner Haut. Sein Fell ist weiß wie ein Computerbildschirm direkt nach dem Anknipsen. So viel ihm unbekannt ist, so wenig entgeht ihm. Er bemerkt, dass das Augenmerk des Herrn mit der Zeitung in der Hand nicht den schwarzen Buchstaben auf dem grauen Papier gehört, sondern der Dame im knallroten Kleid, scheinbar dünner als jede Schaufensterpuppe, die ihr gepudertes Gesicht im Schminkspiegel studiert. Er, der sich noch nie rasiert hat, fällt hier nicht auf. Wie ihn daheim der unendliche Weißraum verschluckt hat, so taucht er in der bunten Menge unter. Zwei haben einander gefunden: das Fabeltier und die tolle Stadt, der Yeti und New York.

          Präsentation bei Saks geht in die Breite

          Die Festtagsdekoration der Kaufhäuser gehört zum Advent in New York wie Händels „Messias“ und der Weihnachtsbaum am Rockefeller Center. Und wie die Zuhörer beim „Messias“ wie ein Mann aufstehen, wenn der Chor das „Halleluja“ schmettert, so recken sich die Schaulustigen vor den Hinterglas-Tableaus, die zumeist der Weihnachtsbaumästhetik verpflichtet sind: langbeinige und feingliedrige Puppen, über und über behängt mit Luxusartikeln. Dagegen geht die Präsentation bei Saks in die Breite. Eine Geschichte wird entrollt, ein Epos, dessen Held um die halbe Welt zieht, von Sibirien nach Queens und von Queens dann mit dieser U-Bahn Nummer 7, mit der Menschenmenge nach Manhattan, zur Fifth Avenue. Sein Schöpfer hat einen ebenso weiten Weg zurückgelegt: Der deutsche Illustrator und Grafikdesigner Stefan G. Bucher, geboren 1973, arbeitet seit zwei Jahrzehnten in Kalifornien.

          Der Yeti-Designer: Stefan Bucher

          Buchers Yeti ist jetzt schon im dritten Jahr im weihnachtlichen Einsatz. Er begann seine Karriere 2011 als Stofftier. Seit vielen Jahren sorgt bei Saks eine Lichtmaschine dafür, dass in den Nächten der Adventszeit Schnee vom Dach rieselt. In der Marketing-Abteilung verfiel man auf den Gedanken, dass kein Wunder komplett ist ohne seine Erklärung. Wer macht den Schnee auf dem Dach? Na, wer wohl? Ein Schneemensch. Bucher, zu dessen Kunden Madonna, Sting, David Hockney und The Blue Man Group gehören, empfahl sich für den Auftrag wohl durch seine Fertigkeit in der blitzschnellen Formgebung von Ungeheuern. Hundert Tage lang hatte er sich dabei gefilmt, wie am Zeichentisch ein „tägliches Monster“ entstand. Ein Tintenfleck wuchs sich mit ein paar Strichen zu einem Charakterkopf mit Charakterärmchen und Charakterschweif an Charakterwampe aus. Diese schwarzen Gesellen waren allesamt sehr wetterfühlig, ihr Haar kräuselte sich bereits im leisesten Gesäusel, und so durfte man in ihrer Verwandtschaft getrost einen Schneemacher vermuten.

          An einem Wochenende entwarf Bucher vierzig Charaktere, gestauchte und gestreckte Wuselmänner, breitarmige und langrüsselige Untiere, vierschrötige und gespaltene Naturen. „Und dann“, so erzählt er, „haben sie genialerweise gesagt: Such dir einen aus!“ Die Wahl des stolzen Vaters fiel auf einen kompakten Untergattungsvertreter, dessen Bestimmung man seinem Umriss ablesen kann: Er kommt daher als Schneeball auf zwei Beinen. Die Kugelform lässt an die Perfektion jeder einzelnen Schneeflocke denken.

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