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Romani Design : Wie ich in Ungarn Roma-Mode fotografierte

  • -Aktualisiert am

Bild: Fabienne Karmann

Mode ist mehr als nur schön, sie drückt Identität aus. Wie das aussieht, zeigen die Bilder unserer Autorin, die Roma-Frauen in ihren eigenen vier Wänden besucht hat.

          Mode kann mehr sein als nur schön. Diese Idee steht seit langem hinter meiner fotografischen Arbeit. Mit Mode kann man sich mitteilen, seine Identität ausdrücken. Dabei bewegt mich der Gedanke, Mode als Mittel der Aufklärung und als Symbol gegen Vorurteile zu nutzen.

          Meine Fotostrecke „Romani Design – My Identity My Freedom“ gewährt Einblicke in die Wohnungen von Roma-Familien, die in Budapest leben. Dabei war mir die authentische Darstellung des Lebensraums besonders wichtig.

          Bunte Muster und wilde Farbkombinationen prägen die Einrichtung. Ich verbinde die Inszenierung der Mode des ungarischen Labels Romani Design, das in seinen Outfits traditionelle Roma-Stoffe und Muster mit modernen Schnitten kombiniert, mit meiner dokumentarischen Fotografie.

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          Als ich während meines Auslandssemesters in Budapest an die Tür von Romani Design klopfte, öffnete mir die Designerin Erika Varga den Zugang zu ihrer Arbeitswelt und ihrem Familienleben. Die Einladung, Familie Varga ein Wochenende lang zu begleiten, nahm ich gern an.

          Das Klassenzimmer verwandelt sich in einen Laufsteg

          Schulter an Schulter fand ich mich am nächsten Tag neben drei Frauen mit langen braunen Zöpfen und einem älteren Herrn in einem Auto wieder. Hände und Füße halfen bei der Verständigung. Ich schaute Varga auch bei ihrer Arbeit als Roma-Mentorin in Schulen ungarischer Kleinstädte über die Schulter. Die Modedesignerin lehrt die Kultur der Roma und beschreibt den Aufbau ihres Modelabels. Das Klassenzimmer verwandelt sich in einen Laufsteg, Modeskizzen verziert sie mit Stoffresten, um ihre Arbeit begreiflich zu machen.

          Mein Schlafplatz war das Einfamilienhaus der Familie Varga. Erika zeigte mir die Welt einer Roma-Familie in der Mitte der ungarischen Gesellschaft. Das bunt zusammengewürfelte und gleichzeitig harmonische Interieur beeindruckte mich. Es folgten gemeinsame Modeshootings in Budapest und Berlin sowie die Organisation einer Modenschau. In Berlin-Neukölln kombinierten wir die farbige Mode mit schrillen Plakatwänden als Hintergrund.

          Die Idee meiner Modestrecke: zu zeigen, wie Tradition in der Inneneinrichtung und in der Mode lebt. Erikas Schwester pflegt enge Verbindungen zur Roma-Community in Budapest und half mir mit Kontakten. Spontane Empfehlungen führten uns zu weiteren Familien.

          Was ich in den Häusern sah, veränderte ich nicht. Höchstens verrückte ich mal einen Tisch, um Raum zu schaffen. Ich stelle in meinen Fotos die Lebensräume von ärmeren und wohlhabenden Familien dar, um stereotype Bilder nicht weiter zu festigen. Daher sind auch einige meiner „Models“ Roma-Mädchen, andere nicht.

          Ich bewundere die Vielfalt, die Phantasie, die Farben. Im Nachtzug zurück nach Berlin dachte ich über den Mut der Roma zu grenzenlosen Farbkombinationen nach. Das bleibt: Es kann eben mehr sein als nur schön, sich nicht in Konventionen zu bewegen.

          Quelle: Frankfurter Allgemeine Magazin

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