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Veröffentlicht: 17.04.2017, 21:00 Uhr

Eheringe Der Ring ist weg! Was jetzt?

Nicht nur der Ehering hält die Ehe zusammen. Doch wer das Symbol ewiger Verbundenheit verliert, gerät leicht in Panik. Fünf Geschichten über verlorene Eheringe.

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© dpa Der Ehering gilt als Symbol der ewigen Verbundenheit. Unpraktisch, wenn er bereits drei Wochen nach der Hochzeit verloren geht.

Ob beim Schwimmen im See oder beim Schneeschippen, wenn der Ehering plötzlich weg ist, sind ausgefeilte Suchmethoden gefragt.

An der Ostsee verloren, an der Nordsee aufgetaucht

Bettina Wolff Folgen:

„Wir waren an der Ostsee nach Weihnachten, haben Familie getroffen und in einem Hotel übernachtet. Dort habe ich zum Händewaschen meinen Ehering ausgezogen und war eigentlich hundertprozentig sicher, dass ich ihn im Bad gelassen hatte. Doch am nächsten Tag war der Ring plötzlich weg. Ich habe im Hotel nachgefragt, an der Rezeption, beim Reinigungspersonal. Als er nicht gefunden werden konnte, war ich mir ganz sicher, dass der Ring aus Versehen in den Abfluss gefallen sein muss oder einfach verschlampt wurde. Also habe ich mich schon informiert, was es kosten würde, den Ring nachmachen zu lassen.

Drei Wochen später waren wir dann im Urlaub an der Nordsee. Dort habe ich beim Spazierengehen meine Hände ganz normal in die Taschen meiner Winterjacke gesteckt, die ich schon an der Ostsee getragen hatte, und plötzlich hatte ich den Ring an. Da muss mein Finger irgendwie automatisch in den Ring in der Tasche gerutscht sein. Aber ich dachte wirklich, ich hätte damals bei der Suche die Taschen ausgeleert. Die Freude war natürlich groß – und dem Hotel haben wir dann auch Bescheid gesagt.“

Anna S. war zu diesem Zeitpunkt sieben Jahre verheiratet - das verflixte siebte Jahr schien bei ihr unter einem guten Stern zu stehen.

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Der Schatz im Cospudener See

„Es ist schon toll, was dieses kleine Stück Metall so alles erlebt hat. Im Urlaub, im Alltag, auf Reisen - der Ehering ist immer dabei. Ein Unikat: zwei Grashalme, eng umeinander gewickelt, dann in Metall gegossen. Wenn er heute an meinem Finger glänzt, denke ich oft: Wahnsinn, immer noch derselbe wie bei der Trauung. Das wäre fast anders gekommen.

Leipzig, drei Wochen nach der Hochzeit, ein Sommerwochenende 2012. Wir fahren mit den Rädern raus zum Cospudener See und gehen schwimmen. Als mir das Wasser bis zur Schulter steht, mache ich die Finger lang und die ersten Züge. Ich spüre sofort: Der Ring ist weg, einfach abgerutscht. Ich rufe laut. Meine Frau am Ufer denkt, ich mache Witze. Ich tauche, aber überall Schlick und Algen. Das bringt nichts. Frustriert wate ich ans Ufer. Ein Riesenfehler! Ich hätte die Stelle markieren sollen - mit einem Stein, einem Fahrradsattel, irgendetwas.

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So beginnt die Suche. Den Sommer verbringe ich am Cospudener See. An jedem freien Wochenende fahre ich nach Leipzig. Ich kaufe mir eine Taucherbrille und suche das Ufer ab. Meter für Meter, denn so genau kann ich mich nicht mehr an die Stelle erinnern. Irgendwann erkälte ich mich und bekomme Fieber. Aber aufgeben will ich nicht. Nur drei Wochen nach der Hochzeit verliere ich meinen Ehering! Die Geschichte ist mir so peinlich, dass ich sie Eltern und Freunden verheimliche. Aber langsam werden die Ausreden knapp.

Ich engagiere über das Internet einen Schatzsucher. Sven Ogrissek- den Namen werde ich nie vergessen - wohnt in der Nähe des Sees und hat einen Metalldetektor. Ich zeige ihm die Stelle. „Das kriegen wir schon hin“, sagt er. Fünf Ringe hat er bisher gesucht, vier gefunden. Aber noch nie unter Wasser in einem vier Quadratkilometer großen Baggersee.

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