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Veröffentlicht: 21.05.2016, 08:23 Uhr

Hochzeitsringe „Bei Frauen darf es etwas mehr sein“

Im Mai wird geheiratet. Aber was stecken sich Paare da eigentlich an die Finger? Der Goldschmied Jan Spille über Koordinaten-Gravuren, Roségold und den ersten Ärger in den Flitterwochen.

von Madeline Dangmann
© Valentine Edelmann Im Mai ist die Hochzeit für Hochzeiten - doch schon bei der Auswahl der Eheringe kann es rund gehen.

Herr Spille, haben Sie und Ihr Team jetzt zur Hochzeitssaison besonders viel zu tun?

Ja, Trauringe sind ein Saisongeschäft. Aber es ist nicht mehr so extrem wie noch vor zehn Jahren. Damals haben die meisten Leute im Mai oder Juni geheiratet. Das hat sich mittlerweile geändert. Klar, die meisten Hochzeiten sind immer noch im Sommer, aber immer mehr Paare - wir nennen sie schelmisch die Steuerflüchtlinge - trauen sich auch zum Jahresende.

Zwei Meinungen in einem Ring zu vereinigen ist nicht leicht. Kommt es vor, dass Paare sich so gar nicht einig werden wollen?

Hin und wieder dauert das schon mal länger. Aber immer mehr Paare lassen sich auch verschiedene Ringe fertigen. Wenn die Frau zum Beispiel unbedingt Roségold möchte, er aber partout nicht. Wir ermutigen sie dann, dass gestalterische Merkmale variiert werden. Sie nimmt dann eben ihr Roségold, er die Farbe, die er will, und über eine gleiche Form stellen wir wieder eine Einheit her. Es kommt aber auch vor, dass Paare hier rausgehen, und die Ringe sehen total unterschiedlich aus.

Apropos Roségold: Ist die Trendfarbe auch bei Trauringen beliebt?

Rosé liegt auf Platz drei noch hinter Weißgold. Der klare Favorit ist immer noch Gelbgold. Gerade bei Trauringen wird nicht so sehr auf Trends geachtet. Zu einem zeitlosen Design gehört übrigens auch die Ringbreite. Die meisten Leute sind da doch wieder klassisch - es darf nicht zu schmal und nicht zu breit sein. Wenn Sie mich nach dem durchschnittlichen Ring-Paar fragen: Ein Herrenring ist 4,5 Millimeter breit, ein Damenring vier Millimeter.

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Tragen Männer allgemein breitere Ringe?

Nein, häufig ist es dann doch wieder genau andersrum. Die Männer haben ja oft nie zuvor ein Schmuckstück getragen und wollen dann eher etwas Dezenteres, da geht es um die Funktionalität. Bei den Frauen wiederum, gestandene Schmuckträgerinnen, darf es gern etwas mehr sein.

Die Namen und das Hochzeitsdatum als Gravur im Ring sind ja der Klassiker. Gibt es Paare, die etwas kreativer sind?

Auf jeden Fall! Die Koordinaten, entweder vom Ort des Antrags oder des Kennenlernens, sind auch beliebt - gerade, wenn es ein Ort im Ausland war. Und einmal hatten wir sogar ein Paar, da waren beide Fan von Fortuna Düsseldorf. Für die haben wir eine Außengravur gemacht mit Fortuna, dann ein Sternchen und den Namen des jeweils Anderen.

Wie oft gehen Eheringe verloren?

Schwer zu sagen, denn man weiß ja nicht, wie oft dann wirklich ein neuer Ring gemacht wird - die Teile kosten ja auch Geld. Aber der Klassiker ist: Man verliert den Ring im Badeurlaub, denn wenn es heiß ist, schwellen die Finger bekanntlich an. Geht man zum Erfrischen ins kalte Wasser, werden sie kleiner und glitschiger. Im vergangenen Jahr hatten wir ein Pärchen, bei dem der Ring des Ehemannes gleich in den Flitterwochen verlorengegangen ist - der Super-GAU. Der Mann kam ganz schnell und sehr kleinlaut zu uns, um sich einen Neuen machen zu lassen.

Jan Spille Schmuckatelier Portraits © Miguel Ferraz Vergrößern Jan Spille, Jahrgang 1975, ist Goldschmied. Er lernte während seiner Wanderschaft in Afrika die Vorzüge von Gold und Silber kennen, die ökologisch abgebaut und sozial gerecht gehandelt werden. Spille hat eine Manufaktur in Hamburg.

Sie verarbeiten ausschließlich faires Gold und Silber. Was heißt das genau?

Wir kaufen nicht einfach irgendwo unser Gold, sondern arbeiten mit mehreren Kooperativen zusammen, zum Beispiel mit der Stiftung „EcoAndina“. Die Goldschürfer sind mit Waschschüsseln im Flussbett unterwegs und waschen das Gold in Form von Nuggets heraus - ohne giftige Chemikalien oder Emissionen. Außerdem beziehen wir noch Gold, das unter der Kontrolle des Dachverbandes „Fairtrade“ in peruanischen Minen abgebaut wird. In diesen Minen kommt das Gold nicht in Nuggets vor, sondern als feiner Goldsand, der in Erzen gebunden ist. Um daran zu kommen, muss man die Erze in feines Pulver zermahlen, das dann mit Chemikalien behandelt wird. Das ist leider nicht ökologisch, aber es gibt hohe Umweltauflagen für die Kooperativen. Bei beiden Arten der Goldgewinnung sorgen die Organisationen für faire Löhne, sie schaffen Sicherheit durch langfristige Lieferbeziehungen, und Kinderarbeit ist verboten.

Warum ist „grüner“ Schmuck noch nicht so populär wie „faires“ Essen oder „faire“ Mode?

Weil es das noch nicht so lange gibt. Das Bewusstsein dafür und damit ein Markt für "grünes" Gold kamen erst mit der Weltwirtschaftskrise 2008. Zu der Zeit ist der Goldpreis explodiert, weil viele Anleger ihrer Währung nicht mehr trauten und deswegen Gold als Wertanlage ankauften. In diesem Hype wurden dann auch die im Bergbau eingesetzten Chemikalien und die schrecklichen Arbeitsbedingungen thematisiert - was vorher eigentlich niemanden interessiert hatte.

Und wie viel mehr kostet das gute Gewissen?

Wer ökologisches Gold möchte, muss dafür 14 Prozent mehr ausgeben als für einen Ring mit Gold aus konventionellem Abbau.

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